Der Entwurf von SL Rasch soll umgesetzt werden. Allerdings arbeiten das Architekturbüro und der Moscheeverein nicht mehr zusammen. Foto: SL Rasch GmbH

An der Mauserstraße in Feuerbach haben die Arbeiten an der Moschee noch nicht begonnen. Eines der aktuellen Probleme: Es fehlt die Abrissgenehmigung für die alten Gebäude. Der Vorsitzende des Moscheevereins ist dennoch optimistisch, dass es noch in diesem Jahr losgeht.

Die Mauserstraße im Gewerbegebiet Feuerbach-Ost wird in der Bevölkerung gerne auch Klein-Istanbul genannt. Viele Ladenbesitzer und Gastronomen, die ihre Wurzeln in der Türkei haben, haben sich dort angesiedelt. Zudem ist dort die Moschee des Verbands Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (Ditib) beheimatet. Der Eingang liegt etwas versteckt in einem Innenhof. Das ist nicht gewollt, aber eben den räumlichen Voraussetzungen geschuldet. Die Feuerbacher Ditib-Gemeinde um ihren Vorsitzenden Ismail Cakir ist schon seit Jahren mit den örtlichen Gegebenheiten unzufrieden.

 

„Die Gebäude stammen aus den 1930er Jahren und sind nicht mehr zeitgemäß“, sagt Cakir. Sie sollen abgerissen und durch moderne Neubauten ersetzt werden. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte die Einweihung der neuen Moschee samt Gemeindezentrum schon in diesem Jahr stattgefunden. Doch die Umsetzung der ersten Entwürfe hätte etwa 45 Millionen Euro gekostet – zu viel Geld für die rund 1300 Mitglieder starke Gemeinde. Der Rotstift musste angesetzt werden, ehe man schließlich bei Kosten in Höhe von circa 27 Millionen Euro lag. Der Bauantrag wurde bei der Stadt eingereicht, seit Ende 2019 liegt die Genehmigung vor. Doch passiert ist bis heute nichts.

Corona macht der Gemeinde einen Strich durch die Rechnung

Warum, erklärt Cakir unter anderem mit den Folgen der Coronapandemie: „Die Preiserhöhungen bei den Baumaterialien haben uns zurückgeworfen. Wir mussten noch einmal sparen.“ Insgesamt liegt die Budgetobergrenze mittlerweile bei 25 Millionen Euro. „In diesem Rahmen wollen wir uns bewegen. Dafür verzichten wir auf einigen Schnickschnack.“ Man brauche keine Luxusverkleidungen. Innen wird also reduziert. Außen soll alles so bleiben, wie es die Architekten der SL Rasch GmbH entworfen haben. Allerdings arbeiten die Firma und der Moscheeverein nicht mehr zusammen.

Um endlich mit dem Bau der neuen Gebäude anfangen zu können, müssen die alten allerdings erst einmal abgerissen werden. Drei bis vier Monate sollen alleine diese Arbeiten dauern. Noch ist die Genehmigung dafür vonseiten des städtischen Baurechtsamts aber nicht erteilt. Cakir rechnet allerdings zeitnah damit: „Wir würden gerne noch in 2022 mit den Arbeiten anfangen.“ Während der Neubau entsteht, sollen dann erst einmal acht Container dazu beitragen, dass der Moscheeverein seinen Betrieb aufrechterhalten kann.

Cakir ist dennoch zuversichtlich

Wieder mit im Rennen als Interimsquartier sind auch die Hallen des Kreativzentrums Im Werk 8 an der Siemensstraße. Allerdings gibt es für eine kirchliche Nutzung dort noch keine Genehmigung.

Ismail Cakir ist dennoch frohen Mutes, die Bauarbeiten grundsätzlich gut über die Bühne bringen zu können. Er geht davon aus, dass zwei Jahre nach dem Anrücken der Bagger die neue Moschee eingeweiht werden kann. Doch ehe es an den Neubau geht, stehen noch umfangreiche Bodensanierungen an. Dort, wo heute die Moschee zu finden ist, hatte zuvor die Metallwarenfabrik Roth ihr Zuhause. „Im Jahr 2014 wurde im Auftrag und auf Kosten des Amts für Umweltschutz eine Orientierende Untersuchung (OU) durchgeführt“, heißt es bei der Stadt Stuttgart. „Dabei wurden erhöhte Schwermetallkonzentrationen – unter anderem Blei, Kupfer und Zink – in der schlackehaltigen Auffüllung und Untergrundverunreinigungen durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) und Cyanide festgestellt, insbesondere im Tiefenbereich von drei bis vier Meter unter der Geländeoberkante.“ Die Kosten für die Sanierung habe der Grundstückseigentümer zu tragen. „Zuschüsse sind hierzu grundsätzlich nicht möglich“, betont die Stadt. Cakir rechnet derzeit mit vier bis fünf Millionen Euro für die Bodensanierung.

Zehn Millionen Euro fehlen

Hinzu kommen noch zehn bis elf Millionen Euro, bis die Gebetsräume für 500 Männer und 200 Frauen sowie die Tiefgarage mit etwa 80 Stellplätzen fertiggestellt sind. „Zehn Millionen Euro wollen wir als Kredit aufnehmen. Knapp fünf Millionen Euro haben wir an Spendengeldern schon zusammen“, sagt Cakir.

Die dann noch fehlenden rund zehn Millionen Euro für die Bauabschnitte zwei und drei für die weiteren Gebäude mit Geschäften, Schulungs- und Verwaltungsräumen sind aktuell noch nicht finanziert. Mit einem Zuschuss des Ditib-Dachverbands aus Köln rechnet der Feuerbacher Moscheevereinsvorsitzende aktuell nicht. Ungewöhnlich, wenn man auch bedenkt, dass das Grundstück in Feuerbach laut Cakir offiziell dem Dachverband gehört. Trotz mehrfacher Nachfrage unserer Zeitung gab es aus Köln keine Stellungnahme.