Eine Fahrt im „Star Wars Hyperspace Mountain“ schüttelt auch erfahrene Achterbahn-Besucher kräftig durch. Foto: Disneyland Paris

Disneyland Paris wartet zur Feier seines 25-jährigen Bestehens mit Neuerungen auf. Unser Paris-Korrespondent hat sie getestet.

Paris - Es muss schon einiges zusammenkommen, damit ein dem Kindesalter längst entwachsener Mann sich in der Mittagssonne auf glühend heißem Asphalt niederlässt und glückselig lächelnd zu Aschenputtel, Arielle, Aurora und Kolleginnen aufschaut. Denn was die in bonbonfarbenem Outfit erschienene achtköpfige Prinzessinnenschar da in Disneyland Paris präsentiert, gibt auf den ersten Blick zu Männerglück wenig Anlass. Vor dem Dornröschenschloss drehen sich die Damen in ihren aus Disney-Filmen bekannten Gewändern im Kreise, ein Dauerlächeln auf den Lippen. Hinter ihnen glitzern himmelblau-silbern der Eisprinzessin Elsa würdige Kulissen.

Zum Strahlen haben die acht allen Grund. Zum einen winkt in Gestalt herbeieilender Prinzen ewiges Liebesglück. Zum anderen ist Geburtstag. Disneyland Paris feiert 25-jähriges Bestehen – für die Betreiber Anlass, den Staubwedel zu schwingen, den trotz jährlich 14 bis 15 Millionen Besuchern rote Zahlen schreibenden Park aufzupolieren und um Neuerungen zu bereichern. Der als „Prinzessinnenwalzer“ angekündigte Reigen ist eine davon.

Wenn man sich als Erwachsener hier inmitten drei bis neun Jahre alter, zur Bühne drängender Mädchen wiederfindet, dann deshalb, weil es ein paar Minuten zuvor im benachbarten Discoveryland heftig zur Sache ging. So heftig eben, dass die Sehnsucht nach heiler Prinzessinnenwelt übermächtig wurde, alle anderen Sehnsüchte verdrängt und auch gleich noch den Verstand ausgeschaltet hat. „Star Wars Hyperspace Mountain“ heißt das nebenan montierte, Körper und Seele durchrüttelnde neue Fahrgeschäft. Wobei der Begriff Fahrgeschäft in die Irre führt. Das marktschreierisch klingende Versprechen, die Achterbahn werde Einsteigende mit Lichtgeschwindigkeit ins All katapultieren, kommt der Wirklichkeit jedenfalls recht nahe.

Der freie Fall erweist sich als Looping

Zu mächtigen Star-Wars-Klängen schießt man ein überdimensionales Kanonenrohr hinauf. Stockfinster ist es, sieht man von vermutlich bei Laserschwertkämpfen ausgelösten Farbblitzen ab. Und es geht noch schneller. Was freier Fall scheint, erweist sich als Beginn eines Loopings. Die Schreie der Mitreisenden verbinden sich zu stetem Kreischen. Je nach Streckenverlauf löst sich der Sicherheitsbügel ein paar Millimeter vom Brustkorb oder drückt sich machtvoll hinein. Mit dem Mute der Verzweiflung gelingt es den weitgehend zur Bewegungslosigkeit verurteilten oberen Gliedmaßen, die sich lösende Brille vom Sturz ins Nichts zu bewahren. Ach ja, ein kurzes Innehalten gibt es auch. Schwerelos gleitet man ein paar Augenblicke durch den auf einmal lichten Weltraum, empfindet den Anblick eines explodierenden Raumschiffs als himmlischen Frieden.

Das Urteil der Mitreisenden fällt unterschiedlich aus. Der Sitznachbar, ein stämmiger Mittvierziger, ist so begeistert, dass er gleich noch einmal einsteigt. Ein zwölfjähriges Mädchen wird von Heulkrämpfen geschüttelt. Der kleine Spanier Juan-Andrés strahlt über das ganze Gesicht, verknüpft das Erlebte mit der ihm geläufigen Star-Wars-Saga.

Wo sich vor der Fahrt noch der Magen ­gemeldet hat, nach gewöhnlich Verschmähtem wie Hotdogs oder Softeis verlangt, herrscht nun Stille. Das Stoffwechsel­geschehen scheint in Stand-by-Modus verfallen zu sein. Auch sonst dringen kaum körperliche Signale ins Bewusstsein. Der Aufbruch ins All mag mit Lichtgeschwindigkeit erfolgt sein. Die Anpassung an irdische Lebensbedingungen vollzieht sich im Schneckentempo. Wobei sich dem mittäglichen Fasten Erfreuliches abgewinnen lässt. Der Figur kommt es zu­gute wie auch dem strapazierten Geldbeutel. Am Eingang des Parks waren 79 Euro zu ­entrichten.

Nach dem „Star Wars Hyperspace Mountain“ kann einen nichts mehr erschüttern

Und noch etwas Gutes hat das Hyper­space-Abenteuer: Den Besucher kann danach nichts mehr schrecken. Wer etwa bei Star-Tours eincheckt, um mit einem zur Feier des Jubiläums technisch überarbeiteten 3-D-Simulator das Star-Wars-Universum zu erkunden, darf sich während des Wartens ungetrübter Vorfreude hingeben. Gewiss, auch im Star-Tours-Raumschiff wird der Körper des Erdenbewohners durchgeschüttelt, bekommt die Macht der Fliehkräfte zu spüren. Er rast in Monsterrachen, gerät unter Monsterfüße, droht mit Fluggeräten des Imperiums zu kollidieren oder in Eisschluchten zu zerschellen. Der am Steuerknüppel sitzende menschenähnliche Roboter C-3PO wirkt überfordert. Aber gemessen am zuvor Überstandenen ist dies das reine Ausflugsvergnügen.

Am späten Nachmittag löst sich die Anspannung dann endgültig in bonbonfarbenem Wohlgefallen auf. Von Mickymaus über den Fisch Nemo bis zum Löwen Simba marschiert zur Geburtstags-Starparade auf, was in Disneys Welt Rang und Namen hat. Dass es draußen vor den Toren des Parks noch eine andere Welt gibt, die Parkbetreiber haben es erfolgreich gnädigem Vergessen überantwortet.

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