Raketen und Böller zu Silvester sind an der Grabkapelle auf dem Württemberg verboten. In diesem Jahr wird ein Sicherheitsdienst die Einhaltung überwachen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Bereits im vergangenen Jahr hat die Stadt Stuttgart ein allgemeines Verbot von Raketen und Böllern an Silvester geprüft. Ergebnis: Rechtlich geht das nicht. Jetzt sollen Appelle das private Feuerwerk eindämmen. Außer an zwei historischen Orten: Dort werden Wachleute das Abschießen verhindern.

Stuttgart - In der Silvesternacht wabern regelmäßig dichte Rauchwolken durch die Städte. Auch in Stuttgart, wo das Thema Luftverschmutzung ein besonders heikles ist. Zum Jahreswechsel werden enorme Schadstoffwerte gemessen. Fahrverbote zur Luftreinhaltung, aber massives Böllern und Raketenabschießen an Silvester? Für so manchen Stuttgarter passt das nicht zusammen. Von „einer verlogenen Debatte“ spricht ein Leser unserer Zeitung, der regelmäßig von seiner Wohnung den Raketen-Nebel beobachtet. „Autofahren verbietet man, aber das Böllern nicht?“, fragt er provokativ.

Die Diskussion ist nicht ganz neu. Der Bund für Umwelt und Naturschutz sowie die Landes-AfD hatten bereits im vergangenen Jahr die Forderung erhoben, Raketen und Böller in Stuttgart komplett zu verbieten. Verwaltung und Polizeipräsidium unterzogen das Ansinnen daraufhin einer Prüfung. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Ein allgemeines Verbot aus Gründen der Luftreinhaltung ist rechtlich nicht möglich. Auf Grundlage des Sprengstoff- und Immissionsschutzrechts sei so etwas nur aus Lärm- und Brandschutzgründen machbar. Und dementsprechend nur in historischen Innenstädten mit Fachwerkhäusern wie in Esslingen und Tübingen oder im direkten Umfeld von Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert. Ordnungsbürgermeister Martin Schairer richtet deshalb einen Appell an jeden einzelnen: „Jeder sollte sich bewusst sein, was das Feuerwerk in seinem Umfeld, ja in seiner Umwelt auslösen kann.“ Die Stadt rät daher zu vorsichtigem Umgang mit dem Feuerwerk und erinnert daran, dass „jeder einen Beitrag leisten kann zur eigenen Sicherheit und zur Senkung der Luftbelastung“. Beim vergangenen Jahreswechsel ist die Feuerwehr zu 41 Einsätzen im Stadtgebiet gerufen worden. Rettungswagen und Notärzte waren pausenlos im Einsatz.

Pläne für den Schlossplatz erledigt

Zumindest in der Innenstadt wollte man in diesem Jahr etwas ändern. Auf Betreiben der City-Initiative war auf dem Schlossplatz eine zentrale Silvesterfeier geplant. Mit Zugangskontrollen und ohne Böller und Raketen, dafür mit organisiertem Großfeuerwerk. Doch die Pläne wurden beerdigt, als sich herausstellte, wie umfangreich Absperrungen und Kontrollen hätten sein müssen. Der Schlossplatz bleibt jetzt frei zugänglich.

Das gilt auch für zwei zum Jahreswechsel hoch beliebte Orte: das Schloss Solitude und die Grabkapelle auf dem Württemberg. Ein Feuerwerk allerdings wird es dort nicht geben. Das ist dort verboten, weil die historischen Mauern dadurch beschädigt und Besucher gefährdet werden können. Darauf weist das zuständige Land Baden-Württemberg ausdrücklich hin. Um das Verbot auch durchzusetzen, werden Sicherheitsleute auf den beiden Arealen eingesetzt.

Trotz allem gibt es unter den Stuttgartern Bestrebungen, die Rauchentwicklung zum Jahreswechsel einzudämmen. Seit zwei Jahren sind Inga Ritter und rund zehn Mitstreiter vor Silvester unterwegs, um für den Verzicht auf Böller zu werben. Vorwiegend rund um ihren Wohnort Sillenbuch hängt die Gruppe entsprechende Plakate auf und spricht Leute an. „Es geht nicht darum, den Leuten den Spaß zu verderben, sondern um ein bisschen Rücksichtnahme“, sagt Inga Ritter. Als Argumente führt sie nicht nur Feinstaub und Luftverschmutzung an. „Uns geht es auch um viele Tiere, die unter dem Lärm leiden, um Kinderarbeit bei der Herstellung und um Unmengen von Müll“, sagt sie. Man könne nur an die Leute appellieren.

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