Auguste Supper ist in Korntal begraben. Foto: Archiv

Der Verzicht auf eine Straßenumbenennung kann nachhaltiger sein, als eine ambivalente Person aus dem Ortsgedächtnis zu streichen, meint unsere Autorin Franziska Kleiner.

Korntal-Münchingen - Eine Straße allein des Aufwands wegen nicht umzubenennen, ist kein Argument. Wenn der Gemeinderat nach der Debatte über Leben und Wirken der Auguste Supper beschließt, sie nicht länger mit einem nach ihr benannten Weg zu würdigen, muss die Stadt den entstehenden Aufwand in Kauf nehmen. Sie muss ihre Bürger bei der Umsetzung des Beschlusses unterstützen und sich an den Kosten der Adressänderung beteiligen.

Umbenennung kommt einer Löschung aus dem Stadtgedächtnis gleich

Die Frage ist nur, ob die Straßenumbenennung im Fall von Auguste Supper die richtige Lösung ist. Schließlich kommt die Umbenennung einer Tilgung nahe, einer Tilgung aus dem Gedächtnis der Stadt und dem Bewusstsein der Bürger.

Gewiss, Auguste Supper war linientreu und ideologisierte Hitler bis zum Schluss. In ihren frühen Jahren, vor dem Ersten Weltkrieg, war sie aber auch eine von der Literaturkritik gewürdigte Schriftstellerin, die Korntal zehn Jahre lang mitprägte.

Propagandistin von NS-Ideologie

Supper war eine Propagandistin der NS-Ideologie, ihr Wirken ist aber nicht vergleichbar mit dem des rassistisch motivierten Henkers und Kolonialherrn Carl Peters. Die Tilgung seines Namens von den Schildern war alternativlos, zumal Straßennamen stets auch eine Ehre bedeuten.

Gerade deshalb wird es nachhaltiger sein, wenn der Gemeinderat am Auguste-Supper-Weg festhält. Er wird sich dann nämlich überlegen müssen, wie er die Ambivalenz der Person im Bewusstsein der Stadt und deren Bürgern verankert. Das dürfte schwieriger werden, als die Straßenschilder auszutauschen.

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