Eine der Nilgänse im Fellbacher Freibad Foto: Gottfried Stoppel/l

Der Fellbacher Ortsverband fordert eine „Koexistenz“ mit den Tieren. Die Tierrechtsorganisation Peta bezeichnet die Tötung als „sinnlos und grausam“.

Die im Fellbacher F3-Freibad noch lebenden Nilgänse sind dank einer Ausnahmegenehmigung des Waiblinger Landratsamts jetzt zum Abschuss durch einen Stadtjäger freigegeben. Für die Grünen in Fellbach ist dieser Abschuss „keine akzeptable und schon gar keine dauerhafte Lösung“, so der Vorstand des Ortsverbandes Fellbach von Bündnis 90/Die Grünen. Es sei außerdem „fragwürdig, dass dies während der Schonzeit erfolgt – auch wenn für die Tötung eine Ausnahmegenehmigung vorliegt“.

 

Nilgans-Kot ist für Kinder gefährlich

Ein „rasches Handeln“ sei erforderlich, daran gebe es keinen Zweifel. „Denn die Hinterlassenschaften der Nilgänse sind nicht nur ekelerregend, der Kot ist für Menschen mit Gesundheitsproblemen und kleine Kinder auch gefährlich. Wenn wir das F3 weiterhin als inklusives Familienbad haben wollen, müssen wir das Problem mit den Nilgänsen dauerhaft in den Griff bekommen.“

Eine „einmalige Entnahme“, wie es im Behördendeutsch heiße, löse das Problem nicht – oder wenn, dann nur kurzfristig, heißt es in der von Stadträtin Beate Wörner und Tadeusz Rzedkowski formulierten Mitteilung. „Wir müssen damit rechnen, dass wieder Nilgänse kommen werden, vielleicht sogar noch in der laufenden Saison.“ Daher sei es zielführender, Ausgleichsflächen zu schaffen, die für die Nilgänse attraktiver seien als die F3-Wasserflächen. In anderen Kommunen sei dieses Vorgehen bereits erfolgreich gewesen. Dafür gebe es zahlreiche Beispiele, an denen sich Fellbach orientieren könne. „Die Fellbacher Grünen hätten es begrüßt, wenn die Verwaltung der Stadt Fellbach statt der Tötung eine langfristig tragbare Lösung angestrebt hätte.“

Peta befürchtet qualvollen Tod von Jungtieren

Die Tierrechtsorganisation Peta fordert unterdessen in einem Schreiben an die Oberbürgermeisterin Gabriele Zull sowie den Ersten Bürgermeister Johannes Berger, die Tötungen zu unterlassen. Fälle, bei denen Menschen durch den Kot von Gänsen erkrankten, seien bisher nicht bekannt. Zudem stufe die baden-württembergische Landesregierung eine Infektionsgefahr für den Menschen als gering ein. Peta sieht die Pläne auch unter rechtlichen Gesichtspunkten kritisch, denn hinterlassener Kot sei kein „vernünftiger Grund“ für Tiertötungen im Sinne des Tierschutzgesetzes. Darüber hinaus könne die Jagd während der Schonzeit zu einem qualvollen Tod von Jungtieren führen.

„Wir sehen in der vermeintlichen Gesundheitsgefährdung lediglich einen Vorwand, damit die Stadt die sinnlose und grausame Jagd auf die Nilgänse in der Öffentlichkeit besser rechtfertigen kann“, kritisiert Peter Höffken, Fachreferent bei Peta, die Verantwortlichen im Fellbacher Rathaus. Dabei ließen sich die Gänse-Hinterlassenschaften mit speziellen Kehrmaschinen mit Saugfunktion problemlos beseitigen. Ein tierfreundliches „Gänsemanagement“ habe sich vielerorts als nachhaltig erwiesen.