Kindern Deutsch beizubringen ist zunehmend eine Tätigkeit, die in Kita und Schule verlagert wird. Die Ditzinger Stadträte mussten nun über ein Angebot des Landes entscheiden.
Das Angebot klingt verlockend, die Notwendigkeit wird unzweifelhaft bejaht – und dennoch zögerten die Stadträte am Montag, sich für die Beteiligung an dem Sprachförderprogramm „Sprachfit“ des Landes auszusprechen. Obwohl sich die Stadt in einer finanziell schwierigen Situation befindet, zögerten die Mitglieder des Ausschusses für Finanzen, Kultur und Soziales, die Landesgelder anzunehmen, um Kinder im Kita-Alter beim Erlernen der Sprache zu unterstützen.
So ungewöhnlich das Zögern war, so selten waren auch die Worte des Oberbürgermeisters Michael Makurath, der berichtete, in der Verwaltung um den Vorschlag an die Stadträte gerungen zu haben. Er sprach vom „goldenen Zügel“ des Landes. Landeszuschüsse in Höhe von maximal knapp 58 000 Euro pro Jahr werden demnach befristet auf drei Jahre bezahlt. In drei Jahren sei das Programm etabliert. Kein Gemeinderat würde dann die Frage mit Ja beantworten, ob man „so grausam sein“ solle, das Programm zu beenden.
Kita – auch in Ditzingen immer mehr eine Bildungsstätte
Gleichwohl, so Makurath im Verlauf der Diskussion, sei die Verwaltung von einer Beteiligung am Landesprogramm „überzeugt, dass es mehr bringt, als nichts zu tun“. Zumal die Entwicklung der Kindertageseinrichtung deutlich sei: „Kitas entwickeln sich immer mehr zu Bildungseinrichtungen.“
Doch Bildung, so der Oberbürgermeister an anderer Stelle der Debatte, „ist zu hundert Prozent Sache des Landes“. In diesem Widerspruch befanden sich die Stadträte am Montagabend. Sollten sie also die mutmaßliche Anschubfinanzierung des Programms in Anspruch nehmen, wohl wissend, dass sie in der Folge selbst die Finanzierung übernehmen müssten für eine Aufgabe, die eigentlich die des Landes ist? Die Räte taten sich sichtlich schwer mit der Entscheidung. Der Fraktionschef der Freien Wähler, Frank Hagenlocher, meinte, es sei „eigentlich unverantwortlich, was das Land den Kommunen zumutet“.
Land übernimmt nicht die gesamten Personalkosten für „Sprachfit“
Er hatte darauf verweisen, dass die Kommune schon bei der angekündigten Förderung ein Teil des Gehalts trage. Die Verwaltung hatte vorgerechnet, dass die Gehaltskosten für die geforderte Personalstelle – eine Teilzeitstelle – bei gut 60200 Euro liegen, rund 2800 Euro Gehalt also jetzt schon von der Kommune zu übernehmen sei, ungeachtet anfallender Sachkosten.
Unklar auch, ob die Konzeption „Sprachfit“, in deren Rahmen das Land Gelder bewilligt, hilfreich ist: Sie sei „um jede Hilfe dankbar“, sagte SPD-Fraktionschefin Sabine Roth. Wenngleich offen sei, ob es nicht „eine der vielen Säue ist, die man durchs Dorf treibt und die dann nicht funktionieren“. Dem hielt Makurath später die Erwartung entgegen, dass – „wenn das Land so viel Geld in die Hand nimmt“ – ein großer Sprung nach vorne gemacht werde.
Eine solche Diskussion hätten die Ditzinger noch vor wenigen Jahren, also in finanziell guten Zeiten, in dieser Form nicht geführt. Auch das wurde an diesem Abend deutlich. In derselben Sitzung hatte die Verwaltung auch die Genehmigung des Haushalts 2026 vorgelegt. Das Schreiben des Regierungspräsidiums (RP) als Aufsichtsbehörde ist die Voraussetzung für die 2026 geplanten Ausgaben. Das RP hatte den Ditzingern eines deutlich vor Augen gehalten: Die „aktuelle Haushalts- und Finanzplanung deuten auf eine zunehmend prekäre Finanzlage der Stadt Ditzingen hin“. Die Genehmigungsfähigkeit künftiger Kredite, so das RP, sei aus heutiger Sicht gefährdet, eine Trendwende sie auch in der mittelfristigen Finanzplanung nicht absehbar.