Die vom Verkehrsministerium beauftragte Machbarkeitsstudie zur Ergänzungsstation beim Stuttgarter Hauptbahnhof macht Probleme sichtbar. Die Kritik an Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) wird lauter.
Stuttgart - Die von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zu einem unterirdischen Kopfbahnhof hat eine ganze Reihe von Problemen benannt, die sich aus dem Bau der Station und der rund fünf Kilometer langen Tunnel dorthin ergeben würden. Auch wenn das gut 60 Seiten starke Papier mit „Abschlussbericht“ überschrieben ist, beharrt das Ministerium in einer am Donnerstag veröffentlichten Stellungnahme darauf, dass es sich um den „Entwurf eines Endberichts zur Machbarkeit einer Ergänzungsstation“ handle. Diese müsse „nun zunächst im Haus tiefer bewertet und gegebenenfalls ergänzender Untersuchungsbedarf festgelegt werden“, heißt es in dem Schreiben des Ministeriums.
Der Bereich des Nordbahnhofs ist schwierig
Dieser Bedarf könnte sich nicht nur im Innenstadtbereich ergeben, wo die Tunnel und die Station nahe des Mineralwassers gebaut werden müssten, sondern auch beim Nordbahnhof. Dort bliebe der Bau der neuen Strecken zur Ergänzungsstation nicht ohne Folgen für die Nutzer des Nahverkehrs. Ein Knackpunkt etwa ist der Brünner Steg. Die Brücke für Fußgänger- und Radfahrer verbindet seit der IGA die Parkanlagen Wartberg und Leibfriedscher Garten – und erlaubt über eine Rampe den Zugang zum S-Bahnhalt Nordbahnhof. Laut Machbarkeitsstudie wäre dort „mindestens ein Abriss (und Wiederaufbau in neuer Lage) der Verbindungsrampe zwischen dem Hauptkörper des Brünner Stegs und dem Bahnsteig des Nordbahnhofs erforderlich“. Auch die Gleise der Stadtbahnlinie U 12 stellen die Planer vor Herausforderungen, da „in den Betrieb der in der Nordbahnhofstraße liegenden SSB-Stadtbahnlinie inklusive Haltestelle eingegriffen werden muss (ggf. längere Sperrung der Stadtbahn).“
Die durch einen Bericht unserer Zeitung bekannt gewordenen Inhalte der Studie aber auch der Umgang von Winfried Hermann damit, rufen die Kritiker auf den Plan. Die SPD begrüßt zwar grundsätzlich Überlegungen zum Ausbau des Bahnknotens. Diese dürften jedoch nicht dazu führen, dass der dringend notwendige Bau neuer arbeitsplatznaher Wohnungen verzögert oder gar verhindert würde. Martin Körner, Vorsitzender der SPD-Fraktion: „Wenn wir das neue Rosensteinquartier rasch auf den Weg bringen, vermeidet das viele Tausend Pendlerwege. Das Gutachten fällt wohl zu negativ aus, als dass es bereits jetzt mitten in den Koalitionsverhandlungen öffentlich werden darf. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!“
Landtags-SPD rät, vom toten Pferd abzusteigen
Joachim Haußmann, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, sagt: „Winfried Hermann ist einmal mehr Problemschaffer statt Problemlöser“. Der Liberale erinnert an die von Hermanns Haus geführte Arbeitsgruppe, die seit längerem tage und der es trotzdem nicht gelungen sei „den verkehrlichen Bedarf einer solchen Station nachzuweisen geschweige denn die Finanzierung darzustellen.“
Der verkehrspolitische Sprecher der Landtags-SPD, Martin Rivoir, sieht „spätestens jetzt den Zeitpunkt gekommen, die Idee zu beerdigen“. Dass Hermann die Studie nicht veröffentliche, „steht im Widerspruch zur Transparenz, die die Grünen gerne predigen. Bei der Ergänzungsstation wird ein totes Pferd geritten, das man zwar in den Koalitionsvertrag reinschreiben kann, das aber davon auch nicht wieder lebendig wird.“