Der Sport legt die Spur: Klare Ansage der Ludwigsburger Basketballer Foto: Baumann

Rassismus, Diskriminierung, Mobbing. Ein Teil des Alltags in vielen Schulen. „Weil die Lehrenden oft nicht intensiv genug im Umgang mit diesen Themen geschult werden“, sagt die Soziologin Nkechi Madubuko.

Stuttgart - Man braucht kein Psychologe zu sein, um zu ahnen, was Diskriminierung für Kinder und Jugendliche bedeutet: Solche Erfahrungen nagen am Selbstbewusstsein, sie hemmen die Entwicklung der Persönlichkeit und stören die soziale Bindung. Nkechi Madubuko sagt: „Jedes Kind soll sich wahrgenommen und akzeptiert fühlen.“

Kinder und Jugendliche stärken

Die promovierte Soziologin untersucht seit Jahren, wie Kinder und Jugendliche ihre Rassismuserfahrungen verarbeiten, wie man sie davor schützen und dagegen stärken kann. Über die Ergebnisse hat sie in Fachkreisen viel beachtete Bücher und Aufsätze geschrieben – ihr neuestes Werk: „Em­powerment als Erziehungsaufgabe. Praktisches Wissen für den Umgang mit Rassismuserfahrungen.“

An diesem Dienstagabend spricht Nkechi Madubuko in der Stuttgarter Stadtbibliothek (19 Uhr) über das Thema, das ihr zum Herzensanliegen geworden ist. Empowerment – auf Deutsch: Stärkung – bedeutet für die Betroffenen unter anderem, sich von verinnerlichten Stereotypen frei zu machen, sich selbst zu definieren, und dies unabhängig von Zuschreibungen einer Gesellschaft, die bestimmte negativ belegte Narrative, also Geschichten, vor allem mit dem Thema Migration verknüpft. Es ist letzten Endes auch ein Kampf um gesellschaftliche Anerkennung und Teilhabe.

b>Nkechi Madubuko ist an diesem Dienstag, 25. Juni, Referentin bei der Stuttgarter Diskussionsreihe „Einwanderungsland Deutschland“. Die Soziologin, TV-Journalistin. Moderatorin, Diversity-Trainerin und Buchautorin spricht in der Stadtbibliothek über das Thema „Empowerment als Erziehungsaufgabe“. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Gastgeber ist das Forum der Kulturen. Die Stuttgarter Nachrichten unterstützen die Diskussionsreihe.

In der Rolle als Diversity-Trainerin empfiehlt Nkechi Madubuko, zur Schärfung der eigenen Sensoren, den gelegentlichen Perspektivwechsel. „Man muss einfach mal die Vorstellung zulassen, dass man kein Christ ist, dass man nicht in der Muttersprache spricht und von den anderen ständig über seine Herkunft definiert wird.“ Denn was Normalität ist, hänge immer auch davon ab, was in der jeweiligen Umgebung als solche kommuniziert werde. „In Ägypten beispielsweise ist es völlig normal, als Mädchen ein Kopftuch zu tragen.“

Aber wie lässt sich im Alltag ein Umfeld schaffen, in dem Kinder und Jugendliche die Erfahrung der Andersartigkeit oder Fremdheit nicht machen müssen? Nkechi Madubuko rät zu erhöhter Sensibilität im Elternhaus. Töchter und Söhne müssen mit Vater und Mutter offen über ihre Erlebnisse sprechen können.

Lehrende intensiver schulen

Die Wissenschaftlerin appelliert überdies an Lehrerinnen und Lehrer, das Thema ernst zu nehmen. Studien der Antidiskriminierungsstelle des Bundes belegen: Vielerorts werden verletzende oder abwertende Äußerungen noch immer verharmlost oder geflissentlich überhört. „Es gibt ein regelrechtes Mobbing unter den Schülerinnen und Schülern“, fürchtet die Soziologin und fordert, den Schulen brauchbare Hilfen anzubieten: „ Die Lehrenden sind im Umgang mit Diskriminierungen nur selten intensiv genug geschult. Sie wissen oft nicht, wie diese Prozesse in der Klasse ablaufen und wie sie solche Probleme systematisch angehen können.“

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