Marion Schäfer scannt Seite für Seite eines historischen Katasterbuchs. Foto: Frank Eppler

Das Vermessungsamt des Waiblinger Landratsamtes scannt 400 Meter laufende Akten. Zweck der akribischen Arbeit ist vor allem die Datensicherung.

Waiblingen - Wer in den Keller des Amts für Vermessung und Flurneuordnung nach Waiblingen geht, bekommt eine Ahnung, was es alles noch zu tun gibt. Reihe um Reihe stehen dort die Katasterbücher in engen Regalen, die sich mit einem Rad verschieben lassen. Alte Verzeichnisse aus dem 19. Jahrhundert lehnen sich an moderne Leitzordner. Gefüllt sind die 400 Meter laufende Akten und Unterlagen mit Zahlen, Daten und Karten aus knapp 200 Jahren. „Hier ist alles dokumentiert, was es zu sämtlichen Flurstücken im Landkreis zu wissen gibt“, sagt Bruno Schön, Leiter des Fachbereichs Liegenschaftskataster und stellvertretender Amtsleiter des Vermessungsamts: „ Wir führen den Nachweis der Flurstücke nach Lage, Größe und Nutzungsart.“

2,5 Millionen analoge Seiten werden digitalisiert

Damit all diese wertvollen Daten nicht bei einem Brand oder einem anderen Unglück unwiederbringlich verloren gehen, hat sich das Vermessungsamt daran gemacht, die Bücher, Ordner und Karten zu digitalisieren. „Uns geht es in erster Linie um die Datensicherung“, betont Bruno Schön. Und in zweiter Linie darum, die Prozesse im Amt digital abwickeln zu können. Bis dahin werden allerdings noch Jahre vergehen. Denn geschätzt müssen rund 2,5 Millionen Seiten an analogen Daten auf Papier in digitale Bits und Bytes umgewandelt werden.

Bei diesem aufwändigen Prozess hilft auch seine Mitarbeiterin Marion Schäfer. Die Vermessungstechnikerin aus dem Liegenschaftskataster sitzt regelmäßig vor dem großen Buchscanner in einem schlichten Büroraum im ersten Stock des Vermessungsamts und scannt akribisch Seite für Seite. Viele Handgriffe sind dafür nicht nötig. Aber präzise muss es sein:

Aufgeschlagen liegt das Buch mit den vergilbten Seiten bereits im Scanner. Genauer: es liegt es auf zwei kleinen, beweglichen Tischplatten. Marion Schäfer muss die Platten so einstellen, dass möglichst beide aufgeschlagenen Seiten auf einer Höhe oder Ebene sind. An einem roten Laserstrich kann sie das Buch in der Mitte ausrichten. Dann klappt sie von oben eine Glasplatte auf die Seiten. Auf dem Monitor kann Schäfer prüfen, ob das gesamte Buch zu sehen ist. Dann klickt sie entweder auf „Scannen“ oder löst mit einer Fußtaste den digitalen Prozess aus. Kurz muss sie noch am Bildschirm überprüfen, ob alles lesbar ist. Dann kommt die nächste Seite dran.

Vom Königlichen Dekret zum Scanner

Derzeit werden die Kataster von Welzheim digitalisiert. „Die Produktion der Scannerbilder ist der erste Schritt“, erklärt Bruno Schön. Im Anschluss geht es um die Qualitätssicherung. Dann wird in einem weiteren Prozess jeder Scan von jeder einzelnen Seite geprüft, werden die Metadaten aufgenommen und dann in das Dokumentenmanagementsystem des Vermessungsamts übertragen.

Grundlage all dieser Daten im Keller des Vermessungsamts ist ein Königliches Dekret aus dem Jahr 1818. Damals ordnete Wilhelm I. von Württemberg die Landesvermessung an, um belastbare Daten unter anderem für die Grundsteuer zu haben. Im Rems-Murr-Kreis wurde 1830 mit der Vermessung begonnen. Neben den Karten und Katasterbüchern gibt es auch noch die historischen Messurkundenbände, in denen die ursprünglichen Messungen dokumentiert wurden.

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