Die digitale Revolution in Stuttgart wird wohl noch eine Weile dauern. Foto: Eibner-Pressefoto/Fleig

Bei der Digitalisierung städtischer Serviceleistungen ist noch der Wurm drin, meint unser Lokalredakteur Thomas Braun.

Eigentlich sollte die Digitalisierung der Stadtverwaltung den Bürgern den Alltag erleichtern, lange Warteschlangen vor den Ämtern vermeiden und nicht zuletzt die Effizienz der Behörden steigern – so die Theorie. Digital Moves nennt sich das in Stuttgart, doch mitunter bleibt der erste Move schon im Ansatz stecken.

 

Jüngst wurde ein Bürger vom städtischen Bürgerservice Bauen angeschrieben. Weil sich die Schule in seiner direkten Nachbarschaft erweitern will, räumte ihm der Bürgerservice die Möglichkeit ein, sich auf digitalem Weg über das Baugesuch und die Baupläne zu informieren und gegebenenfalls Einwände zu formulieren. „Unter dem unten stehenden Link haben Sie die Möglichkeit, die eingereichten Bauunterlagen einzusehen“, hieß es in dem Servicebrief.

Hoffnungslosigkeit ist digital, Hoffnung analog

Hoffnungsfroh machte er sich ans Werk und gab den ungefähr 120 Buchstaben und Zahlen umfassenden Link in den Computer ein. Aber Fehlanzeige: „Diese Seite kann im Moment nicht angezeigt werden“, ließ ihn der Computer wissen. Immer noch entspannt besann sich der Mann auf das gute alte analoge Telefon und rief die angegebene Servicenummer an. „Das passiert manchmal. Sie können aber auch den QR-Code auf dem Brief einscannen und die Daten dann auf den Computer übertragen“, so die Auskunft.

Angetan von der analogen Hilfestellung zückte der Mann sein Mobiltelefon, tat wie ihm geheißen – und scheiterte erneut: „Diese Seite kann im Moment nicht angezeigt werden“, so die gleichlautende Auskunft. Getreu der Maxime „Hoffnungslosigkeit ist digital, Hoffnung analog“ griff er erneut zum Hörer, um sich beim Bürgerservice Bauen und Wohnen erneut wertvolle Tipps zu holen. Doch diesmal ließ ihn die Konversation vollkommen ratlos zurück: „Das Problem liegt an einem Fremddienstleister, da kann ich jetzt auch nichts machen.“ Der Einwand des Anrufers, das sei bedauerlich, aber dann könne man sich doch den Digital Move gleich ganz schenken, konterte die Dame am Telefon: „Sie müssen sich halt an den Gemeinderat wenden, dass der uns mehr Geld bewilligt. Dann können wir das vielleicht anders machen.“

Stadt: Service wird „bedarfsgerechter, innovativer, transparenter“

Da wundert sich der Mann, hatte der Gemeinderat doch in den vergangenen Jahren Hunderte Stellen und Millionen von Euro für das Digital-Moves-Programm beschlossen. Besagten Bürger beschleichen leise Zweifel am Sinn der städtischen Digitalstrategie, in der es heißt, der städtische Service werde „bedarfsgerechter, innovativer, transparenter, qualitativ hochwertig und komfortabel zugänglich sein“. Das einzig Tröstliche für den werdenden Digitalskeptiker: Die fristgerechte Einsicht in die Bauunterlagen blieb ihm auch auf analogem Weg verwehrt: Da der Bürgerservice Bauen gerade saniert wird, ist er nur in dringenden Fällen und zu eingeschränkten Öffnungszeiten erreichbar.