Die Telekom wirbt mit 25 MBit pro Sekunde, in einigen Gebieten Sonnenbergs kommen aber nur sechs MBit und weniger pro Sekunde über DSL an. Foto: dpa/Peter Steffen

In Teilen des Stuttgarter Stadtteils Sonnenberg haben Bürger nur sehr langsames Internet. Der Versand großer Datenmengen und Videokonferenzen funktioniert nicht. Abhilfe ist noch lange nicht in Sicht.

Sonnenberg - Viele Sonnenberger, die geschäftlich oder privat im Internet surfen, werden von Sanduhren und blauen Kringeln genervt, die signalisieren, dass gut Ding mehr als eine Weile hat. Vermutlich müssen sie sich noch lange über das Schneckentempo ärgern. Verbesserungen sind noch nicht in Aussicht, aber der Sonnenberg-Verein hat es sich auf die Fahne geschrieben, den Zustand zu verbessern.

Der Hintergrund: Die Telekom wirbt bei ihrem Internetangebot mit Leistungen von 25 MBit pro Sekunde, in einigen Gebieten Sonnenbergs kommen aber nur sechs MBit und weniger pro Sekunde über DSL an. Dazu zählen die Heine-, die Kieß-, die Günther- und die Abraham-Wolf-Straße. Anwohner, die Homeoffice machen wollen, klagen über das Stocken beim Versand großer Dateien und nicht funktionierende Videokonferenzen. In der unteren Abraham-Wolf-Straße, so klagten Anwohner, wolle die Telekom keine DSL-Hybrid-Anschlüsse anbieten, die erlaubten, dass wenigstens ein Teil der Daten über LTE liefe.

Die Stadt hat sich für nicht zuständig erklärt

Die Stadt hat sich laut Sonnenberg-Verein in der Sache für nicht zuständig erklärt und den betroffenen Bürgern dazu geraten, auf eigene Kosten Glasfaserkabel verlegen zu lassen. Der Verein wiederum ist der Auffassung, dass diese Unterversorgung nicht hinnehmbar sei und die Kosten für politisch propagierte und gewünschte Infrastrukturmaßnahmen nicht den Bürgern aufgebürdet werden sollten.

„Im Moment sammeln wir noch Unterschriften für einen Antrag an die Telekom, denn als Einzelperson hat man ja keine Chance“, sagt der Vereinsvorsitzende Martin Schleiermacher. Rund 30 Unterschriften habe man schon, etwa 35 könnten es insgesamt werden. „Ich bin auch dabei, Kontakt mit der Telekom aufzunehmen, um einen Ansprechpartner zu bekommen“, ergänzt Schleiermacher. Dies sei nicht einfach, denn die Telekom sei „ein weitläufiges Unternehmen“.

Der Sonnenberg-Verein sucht bei der Telekom einen Ansprechpartner

Das Ziel sei es, dass die Telekom die Ursachen des Problems finde und Auskunft gebe, wie man es abstellen könne. „Die Haushalte, welche die Sammelanfrage unterschreiben, werden sich auch bereit erklären, einen Telekomanschluss zu nehmen. Das könnte der Telekom neue Verträge bringen und den Unterzeichnern ein schnelleres Internet“, sagt Schleiermacher. Jetzt gelte es aber erst einmal, den richtigen Ansprechpartner zu finden und sich nicht vertrösten zu lassen. Um Schwung in die Angelegenheit zu bringen, suche er auch den Kontakt mit dem Internetanbieter Kabel BW.

„Für die Internet-Anschlüsse sind wahrscheinlich mehrere Kabelstränge erforderlich. Wer sie verlegen muss, hat natürlich hohen Aufwand. Deshalb kann es sein, dass die Verhandlungen, um alle glücklich zu machen, sehr zäh werden“, sagt Schleiermacher. Der Vereinsvorsitzende verweist darauf, dass die Telekom und Städte und Gemeinden in der Region Anfang Juli 2018 vereinbart hatten, 1,6 Milliarden Euro für den Ausbau des Glasfaser- und Mobilfunknetzes auszugeben. Nach Berlin solle Stuttgart die zweite 5G-Modellregion für das extrem schnelle Internet werden. „In Sonnenberg“, sagt Schleiermacher, „gibt es ja noch Haushalte, die vom Internet abgeschnitten sind. Für diese könnte die Telekom einen LTE-Funkmasten errichten. Wenn er gebaut würde, dann gäbe es wenigstens LTE“. Dagegen gebe es aber in der Bevölkerung wegen angeblicher Strahlenbelastung Widerstand.

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