Seit Sommer 2023 ist ein vierköpfiges Team verantwortlich, das Böblinger Rathaus bei der Digitalisierung voranzubringen.
In einigen digitalen Bereichen sind die Steigerungen auf dem Böblinger Rathaus auffällig. Während zum Beispiel die Wirte im Jahr 2023 ihre Ausschankerlaubnisse noch vollständig analog abzuwickeln hatten, nutzten 2025 bereits zwei Drittel der Antragsteller den digitalen Weg. Bei den Gewerbemeldungen stieg der Anteil der Online-Anträge im gleichen Zeitraum von 49 auf 89 Prozent, bei den Geburtsurkunden von 26 auf 67 Prozent.
Dass sich dies so verbessert hat, liegt nicht zuletzt an Mailyn Pfrommer und ihrem Team. Die Digitalisierungsbeauftragte der Stadt Böblingen versucht seit Sommer 2023, möglichst viele Prozesse im Rathaus zu vereinfachen – das betrifft sowohl externe Angebote wie interne Abläufe. „Wir haben diesbezüglich eine Vorreiterrolle in Baden-Württemberg“, lobte Oberbürgermeister Stefan Belz, als Pfrommer ihre Arbeit zuletzt dem Böblinger Gemeinderat vorstellte.
Kita-App und digitale Info-Mappe
Ansprechpartner bei digitalen Themen sein, Online-Prozesse optimieren, mit anderen Kommunen netzwerken, Info-Veranstaltungen anbieten – um dies alles kümmert sich das Digitalteam im Rathaus. Das sollen zunächst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intern spüren – sei es bei der Vereinfachung von Arbeitsabläufen (mittlerweile gibt es fast 60 interne Formulare in digitaler Form) oder bei Verbesserungen von Homeoffice-Standards. „Das Thema Mobile Arbeit ist sehr wichtig“, betonte Pfrommer, „damit kann die Stadt auch als Arbeitgeber punkten.
Genauso sollen die Bürgerinnen und Bürger Nutzen aus der Digitalisierung der Rathausangebote ziehen. Zum Beispiel hat das Team von Mailyn Pfrommer eine Anmelde-App für Kindergartenkinder eingeführt und eine digitale Info-Mappe für Eltern erstellt. 25 Formulare oder Prozesse stehen der Bürgerschaft in digitaler Form zur Verfügung. Erst seit Mitte Dezember gibt es zudem eine interaktive Karte auf der städtischen Homepage mit etlichen wichtigen Informationen zum Stadtgebiet.
Gleichzeitig kommt in vielen Fällen eine Beschleunigung interner Prozesse auch beim Antragsteller an. Wenn sich die Bearbeitungszeit verkürzt, freut das die Bürgerinnen und Bürger. Als Beispiel nannte Mailyn Pfrommer die Beantragung einer Geburtsurkunde. „Auf analogem Weg kann das gerne zwölf Tage dauern, bis man wirklich die Urkunde in der Hand hält“, so die Teamleiterin, „den digitalen Prozess dagegen können wir nach zwei Tagen abschließen.“
Wie intensiv KI einsetzen?
Ein großes Thema bedeutet auch im Rathaus die Künstliche Intelligenz (KI). Wo sollen ihre Möglichkeiten sinnvoll eingesetzt werden? Wo ist Vorsicht geboten? „Es ist nicht unser Ziel, durch den Einsatz von KI bestehende Stellen abzuschaffen, sondern unsere Mitarbeitenden mit KI zu unterstützen“, betonte Pfrommer. Beim Zusammenfassen von Akten, dem Erstellen von Protokollen oder der Beantwortung von Bürgeranfragen lasse sich diese Technik zum Beispiel gut einsetzen. Einige Abteilungen nutzen den „Böbi-Call“ als digitale Telefonassistenz. Aber: „Wir achten dabei auch auf ethische Grenzen, den Datenschutz und die Datensicherheit.“
Das Team um Mailyn Pfrommer hat seit 2023 in Sachen Digitalisierung viel angestoßen und umgesetzt, noch immer gibt es aber auch einiges zu tun. „Wir sind in diesem Bereich sehr gut unterwegs“, befand Oberbürgermeister Stefan Belz, „aber auch noch nicht am Ziel.“