Schorndorf wollte das öffentliche WLAN zum 30. November abschalten. Doch jetzt verschiebt die Stadt die geplante Abschaltung und prüft Alternativen.
Eigentlich sollte das öffentliche WLAN in Schorndorf zum 30. November abgeschaltet werden. Nun soll das Netz doch noch einige Wochen länger bestehen bleiben – wie lange genau, sei noch unklar, heißt es aus dem Rathaus. „Hintergrund sind Rückmeldungen von Ortsteilen und Akteuren, bei denen ein Netz weiterhin gebraucht wird“, erklärt Verena Krabbe, Sprecherin der Stadt. Dazu gehörten etwa die Bücherei und das Jugendhaus.
„Uns war wichtig, die Rückmeldungen ernstzunehmen“, sagt Erster Bürgermeister Thorsten Englert. Auch wenn die Nutzung zuletzt insgesamt deutlich zurückgegangen sei, gebe es einzelne Standorte, an denen das Angebot eine sinnvolle Ergänzung darstelle.
Warum das WLAN abgeschaltet werden sollte
Auslöser für die ursprünglich geplante Abschaltung waren technische und finanzielle Gründe. Das WLAN-Netz, das bereits im Jahr 2014 in Betrieb genommen wurde, ist inzwischen in die Jahre gekommen: Die Hardware sei am Ende ihrer Leistungsfähigkeit gewesen, Ausfälle würden sich häufen und neue Sicherheitsstandards könnten nicht mehr erfüllt werden, hieß es in einer Pressemitteilung. Eine Erneuerung würde mindestens 200.000 Euro kosten – Geld, das die Stadt Schorndorf in der aktuell angespannten Haushaltslage nicht aufbringen kann.
Der Weiterbetrieb in der Übergangszeit verursacht nach Angaben der Stadt keine zusätzlichen Kosten. In den kommenden Wochen will die Verwaltung prüfen, welche Alternativen künftig sinnvoll sind und wie ein modernes, bedarfsgerechtes Angebot aussehen kann. „Wir sehen die jetzige Übergangszeit als Chance, genau hinzuschauen, was vor Ort wirklich gebraucht wird“, so Englert. Ziel sei ein „verlässliches, zukunftsfähiges Angebot – dort, wo es tatsächlich genutzt wird“.
WLAN-Lösungen in den anderen großen Kreisstädten
Während Schorndorf prüft, wie es weitergehen kann, zeigt ein Blick in die Region, dass die großen Kreisstädte im Rems-Murr-Kreis sehr unterschiedliche Wege beim öffentlichen WLAN eingeschlagen haben.
Backnang setzt auf das dezentrale Freifunk-Modell. Das öffentliche Netz wird hier von Ehrenamtlichen in Zusammenarbeit mit der Stadt, lokalen Unternehmen und der Gastronomie gemeinsam betrieben. Dadurch entstehen kaum zusätzliche Kosten für die Kommune, eine Abschaltung ist laut Stadtverwaltung nicht geplant.
In Fellbach ist das kostenlose WLAN an zwölf Standorten verfügbar, etwa am Rathaus, am Cannstatter Platz und am Bahnhofsvorplatz. Die Hotspots gibt es seit 2017. Auch hier ist eine Einschränkung oder Abschaltung nach Angaben der Stadt aktuell nicht geplant.
Keine Abschaltung in Waiblingen und Weinstadt geplant
In Waiblingen wurde das frühere Innenstadt-WLAN des Providers Vodafone aus technischen Gründen bereits Ende 2022 eingestellt. Die Stadtwerke betreiben jedoch weiterhin kostenlose Zugänge an verschiedenen Standorten, etwa am Bahnhof, an mehreren Rathäusern und in Sporthallen. Dieses Angebot soll bestehen bleiben, heißt es aus dem Rathaus.
Auch in Weinstadt ist keine Abschaltung des öffentlichen Internets vorgesehen. Laut Susanne Herrmann, Sprecherin der Stadt, sei die Situation nicht mit der in Schorndorf vergleichbar: „In Weinstadt besteht das WLAN-Angebot nur in begrenztem Umfang und wird nicht von der Stadt selbst betrieben.“ Dadurch entstünden zwar laufende Kosten für den Dienstleister, die bei rund 7500 Euro im Jahr lägen, diese seien jedoch überschaubar.
WLAN in Winnenden bleibt vorerst bestehen
Auch Winnenden bietet an mehreren Stellen in der Stadt kostenloses Netz an – etwa vom Kronenplatz bis zum Bahnhof. Die jährlichen Kosten für die Abdeckung dieser Zonen liegen nach Angaben der Stadt bei rund 6400 Euro. Eine Abschaltung sei aktuell nicht geplant, allerdings könnten im Rahmen der Haushaltsberatungen Einsparungen diskutiert werden.
Schorndorf steht damit nicht allein vor der Frage, wie ein öffentliches WLAN-Angebot künftig aussehen kann. Klar ist: Die ursprünglich geplante Abschaltung ist erst mal vom Tisch. Jetzt geht es darum, welche Lösungen vor Ort wirklich gebraucht werden und wie ein zuverlässiger Betrieb mit vertretbarem Aufwand möglich bleibt.