Wenn Kinder plötzlich nicht mehr in die Schule dürfen, dann hilft eine volldigitalisierte Schule nur bedingt, sagt der Schulbürgermeister aus Leinfelden-Echterdingen. Foto: dpa/Tim Brakemeier

In Leinfelden-Echterdingen haben viele Menschen und Firmen Computer und Drucker für Familien gespendet, die zuhause keine ausreichende Ausstattung haben.

Leinfelden-Echterdingen - Unter dem Brennglas Corona-Krise rückt auch das Thema Digitalisierung von Schulen in den Mittelpunkt. „Die Pandemie hat die Sichtweise auf das Thema verändert“, sagt Carl-Gustav Kalbfell, Schulbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen. Denn wenn Schüler und Lehrer plötzlich zuhause sitzen, reiche eine voll digitalisierte Schule nicht aus. Dann komme es vielmehr auf gute Homeschooling-Bedingungen an.

Die Stadt hat für Familien, die zuhause keinen Computer oder Drucker haben, mehr als 100 digitale Geräte gespendet bekommen und diese mit der nötigen Software ausgestattet. 30 dieser Leihgeräte liegen allerdings noch im Amt. „Man muss die Geräte nur abrufen“, sagt Kalbfell. Familien sollten keine Scheu zeigen, ihre Not kundzutun. Schulleiter und Elternvertreter haben aufgerufen, sich zu melden. Die Ausstattung aller Familien wurde abgefragt. Lehrer müssten mit Fortbildungen auf Ballhöhe gebracht werden. Hierzu bereite das Land ein Programm vor.

Um vorbereitet zu sein

Mit Geld vom Bund und Land werden weitere Geräte gekauft – um vorbereitet zu sein. „Aktuell gibt es in L.-E. zwei an Corona erkrankte Menschen“, sagt Kalbfell. Das Epidemie-Geschehen habe sich stark beruhigt. Das heiße aber nicht, dass es im Herbst nicht wieder mehr Fälle geben wird und einzelne Klassen oder Kitagruppen geschlossen werden müssten.

Die Stadt hat sich schon vor Corona das Ziel gesetzt, pro Jahr zwei Schulen ans Netz zu bekommen. „Das ist leider nicht ganz gelungen“, sagt Kalbfell. Die Stadt habe zwar mittlerweile fast alle weiterführenden Schulen an ein schnelles Internet angebunden. „Wir wissen auch, wo die sogenannten Accesspoints hinmüssen“, sagt Kalbfell. In den wichtigsten Räumen gebe es W-LAN. Offen ist allerdings noch die schlussendliche Verkabelung aller Räume. Hier ist man aufgrund der Pandemie vier Monate später dran, als geplant. „Die Schulen hatten geschlossen, die Schulleitungen mussten das Homeschooling organisieren. Das Hochbauamt hatten andere Prioritäten“, erklärt der Bürgermeister.

Auch für die Verkabelung soll Geld vom Bund eingesetzt werden. Rund 1,8 Millionen Euro kann allein Leinfelden-Echterdingen dafür abrufen. Diese Förderung ist seit Neuestem nicht mehr an einen fertigen Medienentwicklungsplan der jeweiligen Schule geknüpft. Ein solcher Plan muss erst zum Abschluss der Fördermaßnahme vorliegen. „Das ist einerseits eine Hilfe“, sagt Kalbfell. „Wir können also loslegen, Firmen suchen.“ Auf der anderen Seite werden die Kommunen so stark unter Druck gesetzt. Um das alles stemmen zu können, soll das städtische Schulamt für zwei Jahre Verstärkung bekommen. Über die Digitalisierung der Schulen wird auch der Verwaltungs- und Sozialausschuss von L.-E. am Dienstag, 21. Juli sprechen. Die Sitzung beginnt um 18 Uhr in der Filderhalle.

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