Stolz in schwierigen Zeiten: Fellbach erreicht 97 Prozent Glasfaserabdeckung. 2026 wird der Ausbau im Stadtteil Lindle fortgesetzt.
Eine gewisse Trübnis hat in den vergangenen Wochen in Fellbach um sich gegriffen: Vom Nimbus der einstigen Musterstadt im Musterkreis des Musterländles, von der weithin anerkannten Vorbildfunktion in Sachen Infrastruktur, ist derzeit unterm Kappelberg nur noch wenig zu spüren.
Die finanzielle Ebbe in der Stadtkasse ist immens, Verwaltung und die eigens gegründete Haushaltsstrukturkommission haben bereits ein erstes Sparpaket erarbeitet, das die Ausgaben um knapp drei Millionen Euro reduzieren soll und das im Gemeinderat bereits abgesegnet wurde; ein zweites folgt im neuen Jahr.
Etatverabschiedung in Fellbach erst Ende März 2026
Und während andere Große Kreisstädte an Rems und Murr ihre Haushalte für 2026 bereits beschlossen haben oder sehr nahe dran sind, wie CDU-Fraktionschef Franz Plappert vor wenigen Tagen süffisant anmerkte, ist Fellbach mit der geplanten Etatverabschiedung Ende März Schlusslicht.
Da tut es gut, wenn eine ganz aktuelle Evaluierung Fellbach nun doch eine Spitzenposition bescheinigt – und zwar sogar bundesweit, nämlich beim Glasfaserausbau. Das Vergleichsportal Verivox hat Anfang Dezember Fellbachs führende Rolle bei diesem Thema bestätigt: „Mit über 97 Prozent Abdeckung zählt die Kappelbergstadt bundesweit zur Spitzengruppe“, so die Erkenntnis im Rathaus aufgrund der Studie. Oberbürgermeister Gabriele Zull erklärte jetzt im Gemeinderat, sichtlich zufrieden: „Wir gehören zu den ersten Kommunen, die eine vollständige Abdeckung erreichen werden.“
In enger Kooperation mit der Deutschen Telekom hat Christoph Pfefferle, Wirtschaftsförderer der Stadt, in den vergangenen Jahren die flächendeckende Erschließung und den schnellen und kontinuierlichen Breitbandausbau im gesamten Stadtgebiet organisiert.
Das gute Zusammenspiel zwischen der Telekom und der Stadtverwaltung Fellbach gilt in Fachkreisen als Erfolgsmodell. Durch den eigenwirtschaftlichen Ausbau des Glasfasernetzes durch die Telekom blieben die finanziellen Herausforderungen für die Stadt bisher überschaubar – im Gegensatz zu anderen kommunalen Ausbaumodellen.
Nach der Erschließung der Gewerbegebiete sowie der Stadtteile Fellbach, Schmiden und Oeffingen folgt nun der nächste Schritt: 2026 wird das Lindle, also der ganz im Westen direkt an Bad Cannstatt grenzende Bezirk, in Angriff genommen. 2027 folgen dann die bisher unterversorgten Außenbereiche und Randgebiete – um die dortigen „weißen Flecke“ anzugehen.
Der vollständige Ausbau sei, so Zull, nicht nur für die dort ansässigen Unternehmen, landwirtschaftlichen Betriebe und Vereine essenziell, sondern vor allem für die kritische Infrastruktur. „Alle sind auf eine stabile und leistungsfähige digitale Anbindung angewiesen.“
Insgesamt werden dafür über 17 Kilometer neue Leitungen verlegt. Die Stadt ergänzt eingeworbene Fördermittel durch Eigenmittel und stellt dafür in den kommenden drei Jahren jeweils rund 122 000 Euro, in der Summe also etwa 366 000 Euro bereit.
Wettbewerbsfähigkeit der Stadt Fellbach wird gestärkt
Trotz der aktuellen Haushaltslage sei diese Investition vertretbar, erklärte Zull. „Denn damit sichern wir wichtige Infrastruktur und stärken die Wettbewerbsfähigkeit unserer Stadt.“ Andere Kommunen, die den Ausbau zu spät begonnen hätten, „stehen heute vor erheblichen Schwierigkeiten“.
Im Gremium herrschte allgemeine Zufriedenheit. „Wir werden digital nicht abgehängt“, äußerte sich Ralf Holzwarth (Freie Wähler/Freie Demokraten) positiv. „Wir haben beherzt zugegriffen“, lobte SPD-Fraktionschef Andreas Möhlmann. Und Grünen-Rat Stephan Illing brachte die aktuelle Fellbacher Lage auf diesen Nenner: „Es gibt auch in schwierigen Zeiten gute Nachrichten!“