E-Mails, Links, Online-Fahrpläne: Für viele Senioren ist der Umgang mit dem Handy eine Herausforderung. In Fellbach helfen Schüler bei konkreten Problemen.
Sieglinde Weiss tippt mit einem Finger vorsichtig auf das Display ihres Mobiltelefons. Die 73-Jährige hat von einer Freundin eine Mail mit einem Link bekommen. Doch öffnen kann sie ihn nicht. Neben ihr sitzt ihre Enkelin Lilia Maurer. Die 15-Jährige nimmt das Handy in die Hand – und braucht keine zwei Sekunden, bis sie ihrer Oma das Gerät mit dem geöffneten Link zurückgibt. „Hier.“
Geduldig zeigt sie, wie es geht. Gemeinsam sitzen sie mit anderen Senioren und Schülern an zusammengestellten Tischen im Treffpunkt Mozartstraße in Fellbach (Rems-Murr-Kreis). Insgesamt sind drei Damen und ein älterer Herr gekommen – und drei Jugendliche, die bei Fragen zum Smartphone helfen.
Smartphone-Hilfe für Senioren: Schüler unterstützen in Fellbach
Das Projekt „Schüler – Handy – Senioren“ ist eine Erweiterung der bestehenden Handyberatung im Treffpunkt Mozartstraße. Jeder Senior bekommt für eine gewisse Zeit die volle Aufmerksamkeit eines Schülers – und kann genau die Fragen zum Handy klären, die ihn beschäftigen.
„Der große Mehrwert des neuen Formats ist ganz klar der Individualunterricht“, erklärt Alfred Wegmann, zweiter Vorsitzender des Stadtseniorenrats Fellbach. Die Nachfrage sei hoch und das neue Angebot werde gut angenommen. Immer wieder werde gefragt, ob die Termine häufiger stattfinden könnten. Perspektivisch soll das Angebot rund um das Thema „Digitale Kompetenz“ weiter ausgebaut werden.
Wenn das Smartphone zur Herausforderung wird
Zurück zu Sieglinde Weiss. Sie zeigt ihrer Enkelin eine weitere E-Mail. Darin steht, dass eine Rechnung erstellt wurde. Doch um diese einzusehen, muss sie sich über einen Link anmelden. „Das will ich nicht machen“, sagt sie. „Solltest du aber“, entgegnet ihre Enkelin.
„Ich fühle mich unwohl“, beschreibt die 73-Jährige ihr Gefühl beim Öffnen mancher Nachrichten auf dem Smartphone. Das Gerät hat sie schon seit zwei Jahren, doch wirklich sicher fühlt sie sich damit nicht. „Ehrlich gesagt nehme ich das Handy erst seit dem Tod von meinem Mann“, erzählt sie. Vorher sei alles über ihn gelaufen.
Viele Fragen zum Mobiltelefon entstehen aus Unsicherheit. „Oft haben die Senioren Angst, etwas falsch zu machen – die falsche Taste zu drücken“, sagt Wegmann. Diese Angst führe auch dazu, dass bestimmte Funktionen bewusst gemieden werden.
Diesen Eindruck bestätigt auch Sieglinde Weiss: „Ich traue mich nicht, damit irgendwas zu kaufen“, sagt sie. Online-Banking kommt für die gelernte Bankkauffrau ebenfalls nicht infrage. Gleichzeitig merkt sie, dass das Smartphone im Alltag immer wichtiger wird: „Man muss sich halt an die neue Welt gewöhnen.“ Manchmal sei das Handy schon praktisch – vor allem, wenn sie unterwegs ist. Besonders liebt die Seniorin die Wetter-App.
Warum gerade Jugendliche helfen können
Dass viele ältere Menschen Unterstützung beim Umgang mit dem Handy brauchen, beobachtet auch Ursula Bolle, Leiterin des Treffpunkts Mozartstraße: „Ganz oft fällt der Satz: Meine Enkelin hat mir zu Weihnachten ihr altes Handy geschenkt – und jetzt kann ich es nicht benutzen.“
Es sei schon mehrfach vorgekommen, dass Senioren vor den Terminen anriefen, um zu fragen, ob die Jugendlichen überhaupt helfen könnten, erzählt Ursula Bolle. Doch aus ihrer Sicht ist die Skepsis unbegründet: „Die können das richtig gut – gerade weil sie so jung sind.“
Antworten, die wirklich weiterhelfen
Die 15-jährige Lilia Maurer kann alle Fragen ihrer Oma jedenfalls ohne Probleme beantworten: „Wir sind ja gefühlt wirklich jede Minute am Handy, deswegen wissen wir viel.“ Häufig geht es bei den Fragen der Senioren um E-Mails oder Anwendungen für unterwegs. Viele wissen etwa nicht, wie die VVS-App funktioniert, würden sie aber gerne nutzen.
„Es kommen immer wieder irgendwelche Fragen auf“, sagt Sieglinde Weiss. Wenn sie im Alltag Probleme mit dem Handy hat, fragt sie meist ihren Sohn – weiß aber, dass nicht jeder eine solche Möglichkeit hat. Angebote wie dieses hält sie deshalb für besonders wichtig – ebenso wie den Treffpunkt in der Mozartstraße. Denn dort ist Hilfe unkompliziert zugänglich.
Besonders gefällt der Seniorin an dem neuen Format auch der Austausch zwischen den Generationen: „Jung und alt so zusammen – jeder hilft jedem, das ist gut.“ Wie es mit der Begegnungsstätte weitergeht, wird angesichts der angespannten Finanzlage in Fellbach derzeit diskutiert.
Das Angebot findet in der Regel am 1. und 3. Donnerstag im Monat in der Mozartstraße 16 von 17 bis 18 Uhr statt. Die nächste Veranstaltung findet am Donnerstag, 30. April, statt. Ein weiterer Termin ist am Donnerstag, 21. Mai, geplant. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine Anmeldung unter der Telefonnummer 0711/585676-60 oder per Mail unter mozartstrasse@forum-fellbach.de erforderlich. Die Teilnahme ist kostenfrei, um eine Spende wird gebeten.