Falknerin Jasmin Pichler zeigt den Schülern den Wüstenbussard Lysander. Foto: Julia Bosch

Wie macht man Wurst selbst? Wie wird man Falknerin? Und wie arbeitet ein Schreiner? Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schule haben am Mittwoch und Donnerstag einen Einblick in Handwerkerberufe erhalten. Ein Beruf war dabei besonders beliebt.

Plieningen - Vorsichtig schiebt Konrad die Fleischmasse, die kurz zuvor aus dem Fleischwolf gequollen ist, in den Darm. Dann bindet er den Darm ab, legt die Wurst in die große Schale und widmet sich sofort der nächsten. „67 Bratwürste haben wir heute schon gemacht“, sagt der Neuntklässler. Vor Mittwoch wusste er noch nicht, wie Wurst hergestellt wird. Bei den Handwerkertagen der Dietrich-Bonhoeffer-Schule in Plieningen hatte er die Gelegenheit dazu. Um die 20 Menschen aus Handwerkerberufen – darunter Weidenflechter, Töpfer, Konditoren und Seifenmacher – sind am Mittwoch und Donnerstag an die Schule gekommen und haben einen Einblick in ihren Berufsalltag gewährt.

„Wir haben im vergangenen Jahr unser 175-jähriges Bestehen mit einem Festakt für Lehrer, Erzieher, Eltern und Gäste gefeiert“, erläutert die Schulleiterin Maria Waltner. „Ich wollte aber unbedingt auch noch etwas Besonderes für unsere Schüler veranstalten.“ Zunächst habe die Überlegung im Raum gestanden, ob man für einen Tag in den Europapark nach Rust fahre. „Dann haben wir uns aber für Projekttage entschieden. Ich bin mir sicher, dass sich die Handwerkertage positiv auf die Kinder auswirken und sie diese Erlebnisse nicht vergessen.“

Die Falknerin ist besonders beliebt

Die Dietrich-Bonhoeffer-Schule ist eine Schule für Erziehungshilfe, die von Kindern mit besonderem Förderbedarf besucht wird. Für diese Schüler sei es von großer Bedeutung, sich positiv zu erleben, sagt Waltner: „Erfahrungsgemäß ist das im klassischen Unterricht oft schwierig. Wenn die Kinder aber arbeiten oder sich künstlerisch betätigen, haben sie positive Erlebnisse.“

Besonders hohes Interesse bei den Handwerkertagen erzeugte die Falknerin Jasmin Pichler von der Falknerei Garuda. Sie hatte mehrere Greifvögel dabei, die die Schüler auch selbst halten durften. „Nur streicheln solltet ihr sie besser nicht. Ein Greifvogel ist am liebsten für sich alleine, er braucht keine Kumpels so wie ihr“, sagt die Falknerin. Als sie den Wüstenbussard Lysander auf den großen Handschuh nimmt, legt ein elfjähriger Schüler mit Bomberjacke sämtliche Coolness ab und gerät ins Schwärmen: „Ich finde den so süß, ich hätte ihn am liebsten als Haustier.“

Auch sehr alte Handwerkerberufe vertreten

Einige Meter weiter geht es ruhiger zu: Unter der Anleitung einer Friseurin malen sich Jungs Tattoos auf den Bauch und lackieren und feilen sich die Nägel. Im Nachbarzimmer legt der Schüler Engjell aus zahlreichen Mosaiken ein buntes Bild. Und unter der Anleitung von Schreinern stellen einige Schüler Holzarbeiten her.

„Seit Mai laufen die Planungen für die Handwerkertage“, sagt Waltner. „Ich habe die Lehrer gebeten, dass sie Handwerker aus ihrem Umfeld bitten, zu uns zu kommen.“ Da die Projekttage zum 175-jährigen Bestehen der Schule stattfinden, habe sie besonderen Wert darauf gelegt, dass auch sehr alte Handwerksberufe vertreten sind. Und während die Handwerkertage eine Veranstaltung nur für die Schüler bis zur achten Klasse war – die Neunt- und Zehntklässler nutzen jede Minute, um auf ihre Prüfungen zu lernen – findet am Freitag, 19. Oktober, ein Herbstfest für die gesamte Schule statt. Auch eine Falknershow ist Teil des Programms. Gestreichelt werden dürfen die Raubvögel aber auch dann nicht.

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