Der Showmaster Dieter Thomas Heck ist mit 80 Jahren gestorben. Foto: dpa

Im Alter von 80 Jahren ist eine Stilikone des deutschen Fernsehens gestorben: Dieter Thomas Heck. Der Entertainer stand ein halbes Jahrhundert auf der Showbühne und unterhielt ein Millionenpublikum.

Berlin - Wer überkritisch und nörgelnd glaubt, Dieter Thomas Heck sei einer der führenden Figuren eines langweiligen, rückwärtsgewandten, verschnarchten Puschenmediums namens Fernsehen gewesen, der hat sich nie klar gemacht, wie geradezu revolutionär für ihre Zeit jene TV-Show war, die am 18. Januar 1969 erstmals im ZDF-Programm über den Bildschirm lief, die „ZDF-Hitparade“. Der damals gerade mal 32-jährige Moderator Heck war von Anfang das Aushängeschild; zusammen mit dem Regisseur Truck Branss hatte er das Konzept entwickelt. Die Sender der ARD hatten abgewunken; die Idee erschien ihnen viel zu riskant. Deswegen kam das Zweite zum Zuge. Und schrieb via Heck ein veritables Stück Show- und Fernsehgeschichte.

„ZDF Hitparade“ war für die damaligen Verhältnisse revolutionär

Denn die „ZDF-Hitparade“ war eben gerade keine klassische Musikshow, wie das Fernsehen sie bisher in der Tradition der Revue gepflegt hatte, mit Theaterkulissen und Fernsehballett in wallenden Gewändern. Die „Hitparade“ wurde live gesendet, eins zu eins. Das Studio war völlig nüchtern eingerichtet, eine Arena voll ganz normaler Zuschauer. Die Sänger saßen mitten im Publikum und spazierten bei ihrem Auftritt durch die Reihen. Am Ende durften die Zuschauer per Postkarte entscheiden, wer den besten Vortrag geliefert hatte und beim nächsten Mal wieder dabei sein durfte. Und all das wurde absolut locker und souverän moderiert von einem Mann in coolen Klamotten, der ohne Manuskript zu moderieren verstand: von Dieter Thomas Heck.

15 Jahre lang hat Heck die „Hitparade“ moderiert und zum Kult gemacht, obwohl in ihr nur deutscher Schlager zu hören war, also Musik, die schon damals von anspruchsvollen Gemütern und kritischen Geistern für reaktionär gehalten wurde. Aber wenn Heck, der große Moderator, irgendein Gespür hatte, dann für das, was sehr viele Menschen einfach gern hören – weil es sie gut unterhält, weil es sie von Sorgen ablenkt, weil sie die Texte verstehen können und weil sie nach mehrmaligem Hören sogar mitsingen können (im Grunde liefert ein Star wie Mark Forster den Jungen heute nichts anderes). Wenn es ein Geheimnis gibt, das Dieter Thomas Heck womöglich kannte, dann war es dies: seinem Publikum das Gefühl zu geben, es mit all diesen Bedürfnissen ernst zu nehmen und nicht darüber zu richten, sondern es maximal gut zu bedienen. Das war sein Verständnis von Professionalität. Und Profi war er, durch und durch.

Ein Trauma verhalf ihm zu seiner Gesangskarriere

Seine Fähigkeit, schnell und scheinbar ziellos zu sprechen, war legendär; die Ursache dafür aber traurig. Der gebürtige Flensburger, Jahrgang 1937, überlebte 1943 eine Bombennacht in Hamburg – verschüttet unter einer Kellertreppe. Das Trauma ließ ihn zu stottern beginnen. Als Wochen und Monate diesen Schaden nicht heilen mochten, riet ein Arzt den Eltern zu einer Gesangsausbildung. So kam Heck nicht nur zum Singen, sondern auch zum schnellen Sprechen. Eine Zeit lang setzte er diese Fähigkeit im Autoverkauf ein. Doch er spürte, da war mehr drin. 1959 kam er durch eine Talentshow zum Rundfunk.

Er hat bei Radio Luxemburg und beim Saarländischen Rundfunk moderiert, beim Südwestfunk in Baden-Baden viele Jahre morgens die „Gute Laune aus Südwest“. Nach dem Ausstieg bei der „Hitparade“ – Heck fremdelte Anfang der 1980er Jahre mit dem frechen Stil der Neuen deutschen Welle –, folgten weitere große Abendshows, „Melodien für Millionen“ und „Musik liegt in der Luft“. Das war dann nicht mehr Sturm und Drang, sondern eher große Gefühligkeits-Oper. Aber es fand ein dankbares Publikum. Bitter, dass ein ZDF-Unterhaltungschef 2007 beschloss, Heck passe nicht mehr zum Senderimage.

„Hier ist Berlin!“ waren seine legendären Begrüßungsworte

Am Donnerstag ist Dieter Thomas Heck im Alter von 80 Jahren gestorben, wie seine Familie in Berlin bekannt gab. „Hier ist Berlin!“ – das waren stets die Begrüßungsworte von Heck gewesen in der „Hitparade“. Drei Worte und ein bestimmter Tonfall; ein Stück fester Erinnerung, also Heimat für sehr viele Menschen. Kritik? Nörgelei in dieser Stunde? Nein, Respekt!

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