Olympiasieger Dieter Baumann Foto: dpa

Olympiasieger Dieter Baumann übernimmt den Vorsitz des Fördervereins für ein Museum.

Stuttgart - Er macht Kabarett, hält Vorträge und schreibt Bücher: Der Olympiasieger von 1992 über 5000 Meter, Dieter Baumann, ist ein Hansdampf in allen Gassen. Jetzt übernimmt er den Vorsitz des Fördervereins für ein Urgeschichtliches Museum.

Herr Baumann, was hat Laufen mit Urgeschichte zu tun?

Auf den ersten Blick nicht viel. Aber ich vertrete die These: Wäre der Mensch nicht Läufer geworden, hätte er sich insgesamt nicht so weit entwickelt. Deswegen meine ich sehr wohl, dass Laufen ganz eng mit unserer Geschichte verknüpft ist.

Glauben Sie, dass die eiszeitlichen Jäger gute Läufer waren?

Nein, eigentlich nicht. Ich glaube, sie waren gute Sprinter, vielleicht auch gute Wanderer. Aber Läufer im Sinne von Langstreckenläufer waren sie wahrscheinlich nicht.

Hat Ihnen die moderne Lauftechnik gefehlt?

Nein, auch wir modernen Menschen sind ja keine guten Läufer. Wir sind gute Sprinter, können auch Distanzen von 30 Kilometer Länge zurücklegen. Aber dann fangen wir an zu wandern. Marathon ist ja ein Phänomen der Neuzeit und entspricht eigentlich nicht unserer Natur. Unsere Energie reicht lauftechnisch höchstens für zwei Stunden. Ich glaube, ein Ausdauerläufer war der Mensch noch nie, auch nicht in der Eiszeit.

Seit wann interessieren Sie sich für dieses Thema? Sie sind immerhin Vorsitzender des neu gegründeten Förderkreises des Urgeschichtlichen Museums in Blaubeuren.

Ich muss ehrlich gestehen, dass meine Kenntnisse auf diesem Feld nur durchschnittlich sind. Allerdings stamme ich aus Blaubeuren, und dort spielt die Urgeschichte, seit ich denken kann, eine große Rolle. Wir haben diese Historie quasi immer vor Augen. Außerdem habe ich als Kind die Geschichte vom Rulaman gelesen, und die spielt ja zum Teil in dieser Gegend.

Sie sind also kein heimlicher Spezialist für das Aurignacien oder andere Epochen der frühen Menschheitsgeschichte?

Also, wenn Sie mich zu einem Fundstück befragen, bin ich ratlos. Ich kann höchstens erkennen, ob es sich um einen Laufschuh handelt oder nicht. Aber es ist schön, mich in meinem Heimatort ehrenamtlich zu betätigen. Außerdem finden Wissenschaftler aus Tübingen, wo ich wohne, in den Höhlen rund um Blaubeuren immer wieder großartige Dinge. Das ist eine schöne Verbindung.

Der Urgeschichtler Nicholas Conard hat schon mehrfach beklagt, dass Baden-Württemberg die eiszeitlichen Funde der Alb nicht gut genug verkauft. Sehen Sie das auch so?

Ich kann das als Laie nicht gut beurteilen. Ich nehme allerdings wahr, dass die unterschiedlichen Fundorte bei der Präsentation gewisse Probleme bereiten. Die Gemeinden stehen zum Teil in Konkurrenz zueinander. Vielleicht fehlt einfach ein einheitliches Konzept für die Präsentation der Funde.

In anderen Ländern würden die geschnitzten Figuren mit Sicherheit in der Landeshauptstadt präsentiert.

Für uns wäre eine Entscheidung, die Fundstücke nur noch in Stuttgart zu präsentieren, nicht akzeptabel. Die Städte, auf deren Gemarkung die Funde gemacht wurden, wollen sich doch auch präsentieren. Vielleicht könnte man ja ein Konzept entwickeln, um die schönsten Stücke im Rahmen einer Wanderausstellung zu zeigen. An so etwas hätte ich Spaß. Man braucht dafür allerdings geeignete Räume.

Für wie ausgeprägt halten Sie das öffentliche Interesse an Eiszeitkunst?

Die Steinzeit hat eine Fangemeinde, doch die Massen können Sie damit kaum bewegen. Trotzdem glaube ich, dass man noch deutlich mehr Menschen dafür gewinnen kann. Es kommt auf die Verpackung an, auf die Präsentation. Daran muss man arbeiten. Da trifft es sich gut, dass der Tübinger Urgeschichtler Nicholas Conard geradezu ein Verpackungskünstler ist.

Welche Aufgabe stellt sich der neue Förderkreis mit dem Namen "pro.urmu"?

Wir sehen uns als Bindeglied zwischen der Stiftung, die es ja schon gibt, und dem Urgeschichtlichen Museum. Bei Stiftungen ist es so, dass man nur die Erträge des Stiftungskapitals verwenden kann. Die reichen aber nicht für Sonderwünsche. Hier wollen wir ansetzen und dem Museum zum Beispiel ermöglichen, dass es Räume kurzfristig neu gestalten kann.