Die Kraftstoff-Branche preist HVO100 als einen Gamechanger. Doch Wunder sind von der neuen Diesel-Alternative nicht zu erwarten, kommentiert unser Autor Jonas Schöll.
Mit Frittenfett das Klima retten? Es wäre schön, wenn das so einfach wäre. Wer behauptet, die seit Mai zugelassene Diesel-Alternative HVO100 ändere alles im Kampf um den Erhalt des Verbrennermotors, weckt falsche Hoffnungen. Zum Klimaretter taugt der Biosprit aus Pflanzenölen nicht.
Dabei ist es grundsätzlich richtig, den umweltfreundlicheren Diesel an den Tankstellen ins Angebot zu nehmen. Für ein paar Cent mehr können Dieselfahrer damit jede Menge CO2 sparen und ihre Ökobilanz verbessern. Sie müssen noch nicht mal nennenswert investieren – die meisten Diesel können direkt mit dem neuen Kraftstoff weiterfahren.
HVO100 ist kein Wundermittel
Und noch ein weiteres Argument spricht für HVO100: Unabhängig von der Frage, wie schnell sich nachhaltigere Antriebstechnologien durchsetzen, muss der riesige Altbestand an Verbrennern bis dahin möglichst klimaschonend weiterbetrieben werden. In dieser Übergangsphase kann der Öko-Diesel einen wichtigen Beitrag leisten.
Wer im HVO100 allerdings ein Wundermittel für eine nachhaltige Zukunft des Verbrenners sieht, liegt falsch. Allen muss klar sein: Langfristig führt im persönlichen Straßenverkehr kein Weg an der Elektromobilität vorbei. Das ist heute Konsens.
So nachhaltig das Bild von der Umwandlung des alten Frittenfetts vom Imbiss nebenan in klimafreundlichen Treibstoff auch sein mag – mehr als eine Nische kann HVO100 nicht einnehmen. Hierzulande werden gar nicht so viele Pflanzenöle erzeugt, wie man für genug Diesel-Ersatz für alle bräuchte. Oder anders formuliert: Wir Deutschen können gar nicht genug Fritten essen, um das Klima zu retten.