Sie leben im Verborgenen, sind meist nachtaktiv, und bleiben selbst dann unentdeckt, wenn sie ganz nah sind. Die Region Stuttgart ist Heimat von Tieren, die viele hier noch nie gesehen haben.
Stuttgart gilt als Großstadt mit viel Grün – doch nur wenige wissen, wie vielfältig und überraschend die Tierwelt wirklich ist. Abseits von Tauben, Eichhörnchen und Füchsen leben hier scheue, seltene und oft übersehene Arten, mitten zwischen Wohngebieten, Parks und Weinbergen. Einige sind nachtaktiv, andere perfekt getarnt – und genau deshalb bleiben sie den meisten verborgen. Dieser Artikel stellt Tiere vor, die in Stuttgart heimisch sind, aber kaum jemand kennt.
Wasserfledermäuse jagen am Neckar
Viele sehen sie – halten sie aber für „irgendeinen Vogel“, doch eigentlich sind es Fledermäuse. Die nachtaktiven Tiere sind kaum sichtbar und leben entlang des Neckars und an anderen Gewässern, wie Seen oder Flüssen. Sie halten sich häufig in Uferbäumen auf, wo sie genug Insekten als Nahrung finden. Auch Brücken in Gewässernähe sind Hotspots unter Wasserfledermäusen, weil sie dort sowohl Jagdfläche als auch Nahrung finden. Ihre Sommerquartiere richten sie in Baumhöhlen, Fledermauskästen oder auch in Spalten an Brücken ein. Im Winter ziehen sie in frostsichere und feuchte, kühle Gewässer, wie Keller oder Höhlen.
Die Wasserfledermäuse fliegen in einem Abstand von etwa 30 Zentimetern über der Wasseroberfläche und sind dabei sowohl ausgesprochen leise als auch schnell und wendig. Orientieren können sie sich dank Echoortung. Mit ihren großen Hinterfüßen oder der Schwanzflughaut „kraulen“ sie über die Wasseroberfläche und fangen so Insekten ab.
Zu ihrer typischen Beute gehören Schnaken, Zuckmücken, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Wasserinsekten und Falter.
Eidechsen in Stuttgart? Tatsächlich
In Weinbergen, an Bahndämmen und in Steinmauern ist sie zu Hause. Die Mauereidechse wird bis zu 20 bis 25 Zentimeter lang, schlank und sehr beweglich. Die kleinen Tiere lieben die Wärme und sind deshalb tagsüber an sonnigen Plätzchen wie unverfugten Steinmauern zu sehen. Im Herbst ziehen sie sich in frostfreie Spalten im Boden, in Mauern oder Felsen zurück und halten Winterruhe. Auf dem Speiseplan der Mauereidechse stehen Insekten und Spinnen, beispielsweise Käfer, Heuschrecken, Fliegen oder Ameisen. Auch Asseln, Würmer und kleine Früchte werden von den kleinen Echsen gefressen.
Wer die kleinen Eidechsen in Stuttgart erspähen möchte, hat an sonnigen Südhängen mit Trockenmauern die besten Chancen. Besonders in den Weinbergen und an den wärmebegünstigten Neckarhängen begegnet man einigen Mauereidechsen. Auf nicht verfugten Natursteinmauern sieht man die kleinen Tiere gerne auf den warmen Steinen sitzen. Die ideale Beobachtungszeit ist ein sonniger Vormittag im Frühjahr oder Sommer.
Bedrohte Art in Baden-Württemberg: Die Geburtshelferkröte
Die Geburtshelferkröte ist ein seltener Bewohner Baden-Württembergs und doch leben sie in der Landeshauptstadt. Ihren speziellen Namen trägt die Kröte wegen eines Volksglaubens, der besagte, das Männchen würde die Eier aktiv aus der Kloake des Weibchens „ziehen“. Tatsächlich trägt das Männchen die Laichschnüre mehrere Wochen um seine Hinterbeine gewickelt, bis die Larven entwickelt sind. Die Tiere sind zwischen drei und knapp sechs Zentimetern groß. Die Oberseite ist in der Regel Grau bis Braungrau mit vielen kleinen Warzen. Die Unterseite ist hellgrau. Durch ihre goldfarbene Iris unterscheidet sich die Geburtshelferkröte von anderen Arten wie der Erdkröte.
Die Kröte liebt lockere Böden, die gut begraben werden können, sowie kleinere Stillgewässer für die Kaulquappen. Sie ist mittlerweile stark gefährdet und auch deshalb in Baden-Württemberg selten geworden. Als Lebensraum dienen häufig steinige Böschungen, wärmebegünstigte Hänge mit Trockenmauern und vielen Löchern und Spalten sowie in der Nähe kleiner Tümpel oder wassergefüllter Gruben.
Unbemerktes Raubtier: Der Dachs in Stuttgart
Nicht viele Stadtmenschen können behaupten, schonmal einen Dachs gesehen zu haben. Das Raubtier lebt vor allem in den Randwäldern und in Weinbergen, kommt im Schutz der Dunkelheit aber auch erstaunlich nah an die Stadt heran. Bei seinen nächtlichen Streifzügen hinterlässt er Spuren, gesehen wird er jedoch äußerst selten. Einen großen Teil seines Lebens verbringt er unter der Erde im Dachsbau. In der Dämmerung macht er sich dann auf den Weg, um Futter zu suchen. Zu seiner Nahrung zählen Früchte, kleine Vögel und deren Eier sowie Kleinsäuger. Weitere Informationen zum Dachs gibt es im Artikel „Diese Wildtiere leben in Stuttgart und Region“
Auch Hirschkäfer leben in Stuttgart
Deutschlands größter Käfer wird bis zu neun Zentimeter groß. Erkennen kann man ihn an seinem glänzend schwarzen Körper mit bräunlichen Flügeldecken, seinen kräftigen Beinen und natürlich seinen Kieferzangen, die an das Geweih eines Hirsches erinnern.
Der Hirschkäfer lebt bevorzugt in Laubwäldern, kommt aber auch in Parks, Gärten und auf Obstwiesen vor. Seine Larven entwickeln sich über fünf bis sieben Jahre hinweg in morschen Baumwurzeln oder Stümpfen. Von Ende April bis Anfang August fliegen die ausgewachsenen Käfer in der Dämmerung los, um Baumsäfte an Leckstellen auszusaugen und sich an diesen Orten zu paaren.
In Stuttgart findet man die Käfer hauptsächlich in den wärmebegünstigten Lagen, in Waldrändern am Neckar, in Parks und Gärten sowie auf Obstwiesen um Stuttgart. Besonders in den frühen Abendstunden kann man die Käfer an Eichen mit sonnigen Standorten sichten. Solche Eichenbestände finden sich in Stuttgart vor allem im Naturschutzgebiet Eichenhain in Sillenbuch, sowie im Glemswald in Botnang. Hier steht unter anderem die Otto-Feucht-Eiche, die um die 400 Jahre alt ist. Im Rotwildpark am Pfaffensee steht die Adlereiche, die zwischen 300 und 400 Jahre alt ist und einen stolzen Umfang von über sechs Metern hat.
Die Waldohreule lebt gut getarnt in Stuttgart
Die Waldohreule ist ein beeindruckender Bewohner Stuttgarts. Tagsüber sitzt die Eule gut getarnt in Bäumen, weshalb Stuttgarter sie nur selten zu Gesicht bekommen. So kann sie teilweise monatelang unentdeckt bleiben. Dabei brütet der besondere Vogel sogar in Stadtnähe. Die Waldohreule wird bis zu 40 Zentimeter groß und bringt es auf eine Flügelspannweite von bis zu einem Meter. Sie ist rötlich-braun gemustert und hat lange, spitze Federohren, die sie an den Kopf anlegen kann.
Die Waldohreule bevorzugt lichte Wälder und Waldränder sowie Parks und Gärten als Lebensraum. Idealerweise findet sie in nächster Nähe offene Jagdflächen zur Nahrungssuche. Eulen sind dämmerungs- und nachtaktiv und brüten in alten Nestern von Krähen oder Elstern.
In Stuttgart findet man sie eher in den Randbereichen mit mehr Grünflächen wie in Bad Cannstatt. Aber auch in siedlungsnäheren Bereichen wie Eichenhain oder im Glemswald leben die weit verbreiteten Eulen.
Der Gartenschläfer ist ein bedrohter Bewohner
Ein besonders süßer Nachbar mitten unter uns ist der Gartenschläfer. Optisch erscheint das kleine Tier wie eine Mischung aus Maus und Eichhörnchen. Der kleine Bilch ist hauptsächlich nachts in Gärten, Parks mit Hecken, in den Weinbergen und an Waldrändern unterwegs, ist jedoch in Baden-Württemberg stark gefährdet. Das kleine Tier wird nur zwischen zehn und 17 Zentimeter groß und wiegt zwischen 45 und 140 Gramm. Mit ihren kräftigen Füßen können die Gartenschläfer geschickt klettern.
Sie gehören zu den Allesfressern und ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Vögeln, Eiern, Nüssen, Früchten, Samen und Blüten. Vor dem Winterschlaf fressen sie sich reichlich Winterspeck an, bevor sie sich von Oktober bis April zurückziehen.
Schlangen in Stuttgart: Die Ringelnatter
Wer dieses Tier in und um Stuttgart entdeckt, mag im ersten Moment erschrecken. Doch die Ringelnatter, die häufigste Schlange in Mitteleuropa, ist für den Menschen weitestgehend ungefährlich. Die Schlange wird bis zu 120 Zentimeter lang und ist grau-braun-oliv gefärbt mit dunkleren Flecken auf dem Rücken und an den Seiten sowie eine weiß-gelbliche Bauchseite und einem charakteristischen gelben Nackenfleck.
Die Ringelnatter bevorzugt feuchte Gebiete wie langsam fließende Gewässer, Teiche, Seen, Sümpfe oder Feuchtwiesen. In diesen Bereichen sucht sie sowohl schützendes Unterholz als auch Sonnenplätze. In Stuttgart lebt sie am Neckar, am Max-Eyth-See, den Bärenseen oder Parks mit Wasser, wie dem Höhenpark am Killesberg. Trotz recht stabiler Bestände wird die Schlange in Baden-Württemberg als gefährdet eingestuft.
Die Ringelnatter ist tagaktiv und eine exzellente Schwimmerin und Kletterin. Ihre Eier brütet sie in warmen Böden oder in Komposthaufen aus.
Der Marderhund kommt von Asien nach Stuttgart
Noch sind sie zwar selten, doch die Marderhunde halten auch in Baden-Württemberg immer mehr Einzug. Der gebietsfremde Vertreter der Hunde kommt ursprünglich aus Asien und sucht sich auch hier in Stuttgart und Umgebung dichte Wälder und feuchte Gebiete zum Leben. Der Marderhund ist nachtaktiv und begibt sich in der Dämmerung auf die Suche nach Mäusen, Maulwürfen, Vögeln und ihren Eiern, Fischen, Fröschen oder Insekten und Schnecken zum Fressen. Wissenswertes über den Marderhund gibt es auch in unserem Artikel „Diese Wildtiere leben in Stuttgart und Umgebung“.