Heuschnupfensaison 2021: Viele Geplagte klagen über stärkere allergische Reaktionen. Mindestens eine fiese Pollenquelle scheint neu hinzugekommen zu sein. Es gibt aber auch ein einfaches Hilfsmittel. Wichtige Fragen und Antworten zum Thema.
Stuttgart - Birke, Esche und Hainbuche – vor allem die Pollen dieser Bäume sind vermehrt in der Luft. Laut der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst sind allergische Reaktionen auf die Hainbuche in den vergangenen ein bis zwei Jahren deutlich angestiegen. Was Sie zum Thema Heuschnupfen aktuell wissen sollten.
Wieso empfinden viele ihren Heuschnupfen zu Saisonbeginn jedes Jahr stärker?
„Am Anfang der Saison kann der Körper stärker auf Pollen reagieren“, sagt Christina Endler vom Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg.
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Ob dies eher subjektiv jeweils zur neuen Heuschnupfensaison so empfunden werde oder ob die Pollen tatsächlich unterschiedlich allergen seien, dazu werde derzeit viel geforscht.
Welche Rolle spielt die Wetterlage?
„Hier kann man ganz klar sagen, dass die böigen Winde der letzten Tage und Wochen stärker zur Verbreitung der Pollen beigetragen haben“, sagt Medizin-Meteorologin Endler. Der Niederschlag seit Ostermontag habe zwar die Luft ein wenig ausgewaschen, die Böen und Winde verstärken jedoch die Verbreitung der Pollen. Andererseits würde die kalte Luft auch alles wieder ein wenig dämpfen.
Wie sind die Aussichten für die kommenden Tage?
Im Moment haben Allergiker eine kleine Pause. Sobald es wieder wärmer wird, sagt Endler, komme der Heuschnupfen verstärkt zurück. Sonne und wärmere Temperaturen würden in der Regel zu einem Anstieg allergischer Reaktionen führen.
Gibt es neue Allergien?
Relativ neu sind Reaktionen mit der Esche und der Hainbuche. Wenn jemand bisher beispielsweise nur auf Birkenpollen reagiert habe, so könne ihm nun die Hainbuche zu schaffen machen. Esche und Birke blühen seit Anfang April. Dies sei von der Zeit her ganz normal. Im vergangenen Jahr sei die Birke sogar 14 Tage früher dran gewesen, sagt Endler.
Wann spricht man von Kreuzreaktionen?
Der Stuttgarter Allergologe Heiko Grimme sagt: „Frühblüher sind alle kreuzallergisch“ – und meint damit, wenn jemand auf Birkenpollen reagiert, dann könne eine Kreuzallergie mit Nahrungsmitteln wie etwa Haselnüssen und Steinobst auftreten.
Wieso ist die Esche ein Sonderfall?
„Bei der Esche ist nur eine symptomatische Behandlung möglich“, sagt der Dermatologe Heiko Grimme. Man könne bei der Esche mit Medikamenten nur die Symptome unterdrücken, nicht aber heilen. Die Esche sei dem Ölbaum sehr verwandt und nehme eine Sonderstellung ein.
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Standardmäßig ist bei einem Allergietest die Esche gar nicht dabei, er habe als Arzt inzwischen darauf reagiert und diese in den Prickest – einem gängigen Allergietest-Verfahren – aufgenommen.
Was bedeutet allergen?
„Es kommt nicht nur auf die Menge an, also wie viele Pollen bestimmter Bäume, Sträucher oder Gräser in der Luft sind.“ Pollen, sagt Christina Endler, könnten unterschiedlich stark allergen sein, also verschieden starke allergische Reaktionen auslösen. Dabei spiele nicht nur die Konzentration der Pollen in der Luft eine Rolle, sondern deren Wirkung auf den Menschen. Auch zu welcher Jahreszeit bestimmte Pollen Allergene produzieren, daran werde gerade geforscht, sagt die Meteorologin.
Spielt der Klimawandel dabei eine Rolle?
Die Ausbreitung der stark allergenen Pflanze Ambrosia ist auf den Klimawandel zurückzuführen, bestätigt Endler. Diese spiele jedoch erst im Spätsommer eine Rolle. Im Mittelmeerraum sei zu beobachten, dass neuerdings auch Allergien auf Olivengewächse und Zypressen auftreten. Je wärmer es in Deutschland werde, desto eher könnten auch Olivenbäume und Zypressen für Allergien sorgen. Dies alles sei aber noch Gegenstand der Forschung.
Schützen Masken vor den Pollen?
„Ja, FFP2-Masken bieten einen gewissen Schutz“, sagt Endler. Aber die Pollen würden sich auch in den Haaren und an der Kleidung festsetzen, sodass ein Mund-Nasen-Schutz, wie er derzeit in vielen Bereichen gegen das Coronavirus getragen wird, nur bedingt schütze. Heiko Grimm sagt dazu: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass Pollen durch das Material der Masken abgehalten werden.“ Dadurch könne die Menge eingeatmeter Pollen zumindest reduziert werden.
Ist es sinnvoll Masken im Freien zu tragen?
Ja, denn wenn die Pollen die Schleimhäute in Nase und Mund nicht mehr erreichen, können sie dort auch keine Symptome auslösen. Eine laufende Nase, Juckreiz im Mund oder Niesen könnte deutlich gemildert werden. Masken schützen also vor Viren und Pollen gleichermaßen.