Jede Reise bildet. Egal, ob man ins All düst oder nach Jahrzehnten mal wieder eine Stadt im Osten besucht.
Jüngst haben sechs Frauen einen Trip ins All unternommen. Die Reise war nicht von langer Dauer, gleichwohl sollte sie den Feminismus nach vorne bringen.
Eine tolle Sache, findet KNITZ. Um den Feminismus nach vorne zu bringen, darf uns kein Weg zu weit sein. Wobei, etwas verdutzt war er schon, mutete das Fluggerät, das mit viel Getöse seine Himmelfahrt antrat, doch sehr phallisch an.
Doch alsbald ging KNITZ im Schein des Raketenschweifs ein Licht auf: Dieser gewaltige Dildo sollte ihn und seine Geschlechtsgenossen zur Demut mahnen – also der Männerwelt vor Augen führen, dass es auch ohne sie geht.
KNITZ ist sich sicher, dass die kommerzielle Raumfahrerei noch in ganz andere Dimensionen vorstoßen wird. Denken wir nur an all jene heranwachsenden Menschen, die wegen eines Junggesellenabschieds nach Hamburg jetten, um auf der Reeperbahn mit einer Stretchlimousine aufzukreuzen, oder die im Flieger für ein paar Gläser schales Bier nach London düsen.
Es ist nur eine Frage der Zeit ist, bis die Kinder von Viel-besser-Verdienern die Stunden vor dem Eintritt ins Eheleben mit einem Flug ins All krönen werden.
Kaum hatten die sechs Frauen in Übersee wieder festen Boden unter den Füßen – den es selbstverständlich zu küssen galt –, da fand sich KNITZ in einem Schnellzug wieder, der, zumindest aus Sicht des Radlers, mit Überschallgeschwindigkeit nach Leipzig schoss. Das letzte Mal, dass KNITZ der Stadt einen Besuch abstattete, lag schon etwas zurück. Es muss Mitte der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts gewesen sein.
Mit ein paar Mitstudierenden hatte sich KNITZ damals in einem Kleinbus auf den Weg zur Buchmesse gemacht. Als KNITZ, der Fahrer, von einem Grenzer gefragt wurde, wer denn ihr Gruppenverantwortlicher sei, gab der Chauffeur, ohne groß darüber nachzudenken, zur Antwort: „Bei uns ist jeder für sich selbst verantwortlich.“
Kaum hatte der Satz seinen Mund verlassen, wurde KNITZ klar, dass die Bemerkung missverstanden werden könnte. Seine Mitfahrenden gingen feixend in Deckung. Der Grenzer schien zu überlegen, ob er Bus samt Insassen einer gründlichen Durchsuchung unterziehen soll – ließ die Truppe aber dann doch ziehen.
Mit Ureinwohnern in eine Musikkneipe
In der Erinnerung ist KNITZ Leipzig als graue Stadt mit braunkohlegeschwängerter Luft im Gedächtnis geblieben. Wollte man abends noch weggehen, war es gut, wenn man Kontakt zu jungen Ureinwohnern hatte, die einen zu einer Musikkneipe irgendwo weit draußen lotsten.
Ganz anders das Leipzig im Frühling 2025. KNITZ fand sich in einer lebendigen Stadt wieder, mit weitläufigen Parkanlagen, hübschen Flussläufen und einem famosen Zoo, der allein schon den Besuch wert gewesen wäre.
Warum KNITZ das alles erzählt? Nun, vielleicht, um zu zeigen, dass es keinen Raketenantrieb braucht, auf dass einem ein Licht aufgeht. Aber auch, um in aller Bescheidenheit darauf hinzuweisen, dass eine Gesellschaft so schlecht nicht sein kann, die selbst in ehemals tristen Städten für blühende Landschaften gesorgt hat.