In einem Discounter in Kuppingen haben sich Diebe in großem Stil selbst bedient. Sie stahlen nicht nur Süßigkeiten oder Wurst. Zur Beute gehörten auch Bratpfannen und Fritteusen. Einer wurde nun verurteilt.
Einkaufen im großen Stil, aber nicht bezahlen – das war die Masche eines 42-Jährigen, der sich dafür vor dem Böblinger Amtsgericht verantworten musste. Was nach einem gewöhnlichen Ladendiebstahl klingt, glich tatsächlich eher einem gut geplanten Beutezug, an dem sehr viele Personen beteiligt waren.
„Gelegenheit macht Diebe“
Die bandenmäßige Absprache mit zehn weiteren Angeklagten, die in separaten Verfahren bereits vor Gericht standen oder noch stehen werden, konnte dem Mann jedoch nicht nachgewiesen werden. Er wurde wegen 19 Diebstählen letztlich verurteilt zu 90 Tagessätzen à 40 Euro. „Gelegenheit macht Diebe“, fasste Richter Werner Kömpf die Verhandlung zusammen.
Der Prozess war Teil eines größeren Gesamtgeschehens mit insgesamt fast 20 Beschuldigten. Der Tatort war jeweils die Filiale eines Lebensmitteldiscounters in Herrenberg-Kuppingen. Was mit dem Diebstahl kleiner Süßigkeiten oder abgelaufener abgepackter Wurst und Fleisch begann, die jeweils mit Wissen beteiligter Mitarbeiterinnen an der Kasse vorbei geführt und anschließend unter Freunden und Bekannten verteilt wurden, schaukelte sich in den Jahren 2017 bis 2020 immer weiter hoch. Schlimmstenfalls wurden, unter anderem vom Angeklagten, prall gefüllte Einkaufswagen aus dem Markt geschoben. Ohne für die Waren zu bezahlen, versteht sich.
Auch Fritteusen wurden geklaut
Lange kriegte die Marktleiterin nichts von den Geschehnissen mit, bei denen schließlich auch Aktionsware wie Bratpfannen, Fritteusen, Messerschärfer und andere hochwertige Gegenstände in größerer Menge verschwanden. Erst die deutlich geringeren Umsatzzahlen gegenüber vergleichbaren Märkten schärften die Aufmerksamkeit der Verantwortlichen. Die geschätzte Schadenssumme macht die Dimension der Diebstähle deutlich: 100 000 Euro. Vier Angestellten kündigte der Discounter, nachdem der Betrug aufgeflogen war. Und bei einem polizeilichen Zugriff ging auch der Angeklagte ins Netz.
Der Wildberger hatte zwar beruflich nichts mit dem Kuppinger Discounter zu tun, doch über eine dort beschäftigte Bekannte nutzte er die Möglichkeit zur, wenn man so will, kostenlosen Selbstbedienung. Waren im Wert von rund 700 Euro lagen bei seiner letzten Tat im Einkaufswagen und konnten sicher gestellt werden, zusammen mit 18 weiteren Fällen belief sich allein sein Tatbeitrag auf mindestens 1473 Euro.
Der Täter wirkt reumütig
Wie alle anderen Beschuldigten war auch der 42-Jährige voll geständig und ist bislang nicht vorbestraft. Der ursprünglich angeklagte schwere Bandenbetrug erhärtete sich auch in seinem Fall nicht, da sich die Beteiligten teilweise nicht einmal kannten.
Als Motive nannte der vor Gericht reumütig wirkende Mann Schulden, die durch Krankheit und Alkoholkonsum entstanden waren, sowie hohe Unterhaltszahlungen, die seine finanziellen Schwierigkeiten verschärften. „Erst einmal will ich meine anderen Probleme in den Griff bekommen“, erklärte er abschließend auf die Frage von Werner Kömpf nach der derzeit fehlenden Fahrerlaubnis.