Anne Posthoff, Tierärztin aus Besigheim, erhielt von der Polizei einen skurrilen Brief. Foto: Posthoff

An Weihnachten stecken viele Menschen Geldgeschenke in ihre Post. Das zumindest dachten sich offenbar ein paar Diebe, die einen Berliner Briefkasten geknackt haben. Ihre Post hat eine Besigheimer Tierärztin nun erhalten.

Besigheim - Anne Posthoff aus Besigheim (Kreis Ludwigsburg) wärmt sich zwar gerne im Winter ihre Füße am Kamin. Als Feuerteufel ist die 54-Jährige bislang nach eigenen Angaben aber noch nicht in Erscheinung getreten. Deshalb war sie „erst einmal erschrocken“, als sie einige Tage vor Ostern in der Post einen Brief von der Berliner Polizei entdeckte. „Anklage wegen Brandstiftung in öffentlichen Gebäuden und Sachbeschädigung“, schrieb die Behörde der Tierärztin. Der Tag der Tat soll der 25. Dezember 2015 gewesen sein.

„Ich dachte erst, ich wäre angeklagt“, sagt Posthoff, „und habe mir schon überlegt, wer bezeugen könnte, dass ich an dem Tag gar nicht in Berlin war.“ Erst nachdem sie den mehrere Seiten langen Brief komplett durchgelesen hatte, wurde klar, wie sie in Verbindung mit dem mysteriösen Brand steht. Eine an Posthoff adressierte Weihnachtskarte wurde in einem Berliner Briefkasten eingeworfen. Der Kasten wurde anschließend aufgebrochen, die geöffneten Briefe später verbrannt. Offenbar hofften die Täter darauf, dass an Weihnachten viele Menschen in die Grußkarten Bargeld legten. Besonders gründlich gingen die Täter bei der anschließenden Vernichtung der Post aber nicht vor: Der an Posthoff adressierte Umschlag blieb erhalten. Eine Kopie davon schickte die Polizei in ihrem Schreiben mit.

Nachdem Anne Posthoff sich die Schrift darauf etwas genauer angesehen hatte, wurde klar, wer die Karte eingeworfen hatte: Eine Bekannte, mit der die Tierärztin sich in einem Verein engagiert. Die Kontaktdaten der Bekannten teilte Posthoff der Berliner Polizei mit. Deren Rückmeldung: In dem Viertel leben viele alte Menschen. Offenbar gingen die Täter davon aus, dass gerade sie an Weihnachten Bargeld verschickten. Zumindest in diesem Fall traf das nicht zu: Geld war der Weihnachtskarte, die nie angekommen ist, nicht beigelegt.

Geschenke per Post nur in Einzelfällen Ziel von Dieben

Von Einzelfällen abgesehen gilt Weihnachtspost bei der Berliner Polizei jedoch nicht als begehrtes Diebesgut. Zwar zeige die Statistik nicht, wie häufig sie gestohlen werde, sagt ein Sprecher. Denn Postdiebstahl würde teilweise bei der Datenerfassung schlicht unter Diebstahl verbucht. Der Sprecher bezweifelt aber, dass Geschenke ein begehrtes Ziel von Dieben sind. Bekannter seien etwa Fälle, bei denen gezielt nach Kreditkartensendungen gesucht werde.

Die Rückmeldung in Stuttgart ist ähnlich: „Das ist uns nicht als Massenphänomen bekannt, auch nicht an Weihnachten“, sagt Jens Lauer, Sprecher der Stuttgarter Polizei. Zwar erlaube auch in der Landeshauptstadt die Statistik aus denselben Gründen wie in Berlin keine genauen Angaben. Die Rückmeldung von Kollegen im Straßendienst zeige aber, dass Briefkästen nur in vereinzelten Fällen zum Ziel von Dieben würden.

Anne Posthoff zumindest ist erleichtert, dass sie doch nicht der Brandstiftung beschuldigt wird. Dagegen ist die verloren gegangene Weihnachtskarte ein erträglicher Verlust. Was sie aus der Episode gelernt hat: „Bargeld werde ich nicht mehr verschicken – vor allem nicht an Weihnachten.“

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