Ein Vermieter erlebt eine böse Überraschung. Als er in seine möbliert vermietete Wohnung kommt, sind alle Möbel weg. Haben die Ex-Bewohner alles mitgenommen, was zur Wohnung gehörte?
Sind Möbeldiebe in Zuffenhausen so auffällig vorgegangen, dass sie schon wieder unauffällig waren? Diesen Verdacht hat der Besitzer mehrerer Wohnungen an der Haldenrainstraße im Stadtteil Rot. Er hatte die Räume komplett möbliert vermietet. Nach einem längeren Streit mit dem Hauptmieter, der auch nicht immer seine Miete zuverlässig gezahlt haben soll, habe er das Mietverhältnis beenden können. Die Bewohner seien Angestellte des Betriebs des Hauptmieters gewesen – mehr Menschen als ursprünglich gedacht hätten in den nach Angaben des Vermieters frisch sanierten und neu eingerichteten Räumen gewohnt. Zwar sei die Abnahme ohne Schlüsselrückgabe gewesen, er habe aber die Schlösser austauschen lassen und wähnte das Objekt sicher. Wie hoch die Mietschulden waren, ist nicht bekannt.
Mit dem Ende der Vermietung, so dachte er, hätten auch die Probleme ein Ende. Falsch gedacht beziehungsweise gehofft. Denn als er im April in die Räume ging, erlebte er eine böse Überraschung. Die zuvor möbliert vermieteten Zimmer der Wohnung waren leer. Esstisch, Stühle, Couchtisch, Sofa – alles weg. Als er sich abgeregt hatte und mit Nachbarn darüber sprach, erfuhr er, wann die Möbel abtransportiert wurden: „Am helllichten Tage“, sagt der Vermieter, immer noch fassungslos über das Geschehen. „Eine Mutter berichtete mir, sie habe die Leute gesehen, die alles raustrugen. Da sie auf dem Weg war, ihr Kind abzuholen, wusste sie die Zeit genau – es war um halb eins am Mittag.“ Die Frau habe gedacht, es handele sich um Möbelpacker eines Umzugsunternehmens. So selbstverständlich seien die Personen mit den Stühlen, Tischen und anderen Objekten aus dem Haus gegangen. Auf die Idee, dass Diebe am Werk sein könnten, sei die Zeugin nicht gekommen.
Weit gefehlt. Denn die bisherigen Mieter hätten nichts zu packen gehabt, so der Vermieter. Schließlich gehörten die Möbel zur Wohnung, waren sein Eigentum. Die Frechheit, die Möbel mitten am Tag abzutransportieren, als helfe man Freunden beim Umzug, macht ihn immer noch sprachlos. „Wie dreist ist das denn?“ Er ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Die ausgetauschten Schlösser seien nicht der Schwachpunkt gewesen. Die Tatpersonen hätten eine Terrassentür aufgedrückt. Das wiederum könnte ein Problem mit der Versicherung nach sich ziehen: Wenn keine eindeutigen Einbruchspuren zu finden sind, zahlt diese nicht. Das müsse aber noch geklärt werden. Die Polizei bestätigt den Eingang der Anzeige. Zum Stand der Ermittlungen könne man aber keine Auskunft geben, sagt der Polizeisprecher Stephan Widmann.
Liegt der Tat ein Missverständnis zugrunde?
Nun sucht der Vermieter das Internet ab – alle Kleinanzeigen mit Möbeln scannt er täglich. „Vielleicht versuchen sie ja, die Sachen zu verkaufen“, sagt er. Oder er wird die Möbel nie wiedersehen, wenn seine alternative, für ihn sogar ein bisschen nachvollziehbare Theorie greift: Er könne sich vorstellen, dass es zu einem Missverständnis gekommen sei. „Vielleicht haben die Bewohner nicht verstanden, dass die Möbel mit zur Wohnung gehörten. Den Mietvertrag hatte ich ja mit deren Chef.“ Daher habe er die Theorie entwickelt, die Bewohner könnten auf die Idee gekommen sein, die Sachen seien „übrig“, da auch der Betrieb des Hauptmieters in Stuttgart nicht mehr existiere.
Tauchen die verschwundenen Gegenstände im Internet auf?
Der Vermieter hofft nun, dass sich noch weitere Zeuginnen und Zeugen bei der Polizei melden, die den Abtransport beobachtet haben und vielleicht ein Kennzeichen des Möbeltransporters haben – oder vielleicht die Möbel im Internet auf Verkaufsseiten entdecken.