Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen, Mitte) ist Chefarzt an der Charité. Foto: ARD

Mit der Fernsehserie „Charité“ gelang der ARD vor zwei Jahren ein Achtungserfolg innerhalb der deutschen Serienlandschaft. Die zweite Staffel beleuchtet das Geschehen innerhalb der Berliner Klinik zur NS-Zeit.

Stuttgart - Das Erste bringt mit der zweiten Staffel „Charité“ nach zwei Jahren die Fortsetzung der erfolgreichen historischen Mediziner-Serie auf den Bildschirm. Die erste Staffel der Serie sahen im Schnitt rund siebeneinhalb Millionen Menschen.

In sechs Episoden unter der Regie von Anno Saul erzählen die Drehbuchautorinnen Dorothee Schön und Sabine Thor-Wiedemann die Geschichte der Berliner Charité in Zeiten des Nationalsozialismus in den Jahren 1943 bis 1945. Anhand historischer sowie fiktiver Charaktere verbindet die Erzählung die Wirren des Zweiten Weltkriegs mit den persönlichen Schicksalen einzelner Menschen zu einem dichten Handlungsstrang. Das medizinische Personal sieht sich zwischen dem Hippokratischen Eid und dem totalitären Druck des NS-Regimes hin und her gerissen.

Hier sehen Sie den Trailer zur zweiten Staffel:

Im Mittelpunkt stehen die Medizinstudentin Anni Waldhausen (Mala Emde) und deren Familie. Anni und ihr Gatte Artur (Artjom Gilz), Kinderarzt an der Charité, gelten im Rahmen der Rassenideologie der Nazis als arisches Musterehepaar. Das Weltbild der beiden gerät ins Wanken, als ihre eigene Tochter Karin mit einem Wasserkopf geboren wird und damit im Dritten Reich als behindert gilt. Mit allen Mitteln versucht das Ärztepaar, die Krankheit zu verheimlichen, was nicht nur ihre eigene Beziehung auf eine harte Probe stellt.

Beklemmende Schicksale

Annis Bruder Otto Marquard (Jannik Schümann) kehrt von der Front an die Charité zurück, um sein Medizinstudium zu beenden. Er verliebt sich in den Pfleger Martin (Jacob Matschenz), die beiden müssen ihre junge Liebe vor dem übrigen Klinikpersonal sowie den überzeugten Nationalsozialisten verheimlichen, da homosexuelle Männer nach ihrer Verurteilung in Konzentrationslager geschickt werden.

Ähnlich ergeht es den sogenannten „Reichsausschusskindern“, an denen Artur Waldhausen auf der Suche nach einem Heilmittel für Tuberkulose skrupellose Experimente durchführt. Diese Kinder werden wegen ihren Behinderungen als „Ballastexistenzen“ angesehen, ihr Schicksal kümmert niemanden.

Leiter mit eiserner Hand

Über allem steht der renommierte Professor Ferdinand Sauerbruch (Ulrich Noethen), Chefarzt der Chirurgie und Leiter der Berliner Charité. Er regiert das Klinikum anfangs mit eiserner Hand, hat dabei aber immer das Wohl seiner Patienten im Blick und widersetzt sich dem langen Arm des Führers. Im Laufe der Erzählung entwickelt sich Sauerbruch zu einem Kollaborateur, der die Verschwörer um Graf von Stauffenberg bei ihrer Vorbereitung auf das Hitler-Attentat unterstützt.

Die Entwicklung des Krieges bestimmt den Alltag der Menschen in Deutschlands berühmtestem Krankenhaus immer mehr. Als sich die Versorgungslage dramatisch zuspitzt, mangelt es schließlich an grundlegenden Dingen wie Strom, Wasser und Medikamenten. Sauerbruchs Frau Margot, selbst Ärztin an der Charité, fasst die bedrohliche Lage mit dem ihr eigenen Pragmatismus zusammen: „Es gibt kein Wasser mehr, nur noch Salami und Cognac aus den Beständen der Wehrmacht.“

Berliner Charité im Wandel der Zeit

Die Verantwortlichen folgen der Prämisse, die Charité als bedeutende Institution im Wandel der Zeit darzustellen. War die Handlung der ersten Staffel noch in die Ära des Kaiserreichs eingebettet, macht die Fortsetzung mit ihrem komplett veränderten Schauspielerensemble einen Zeitsprung. Der Spagat zwischen Historie und Fiktion gelingt vortrefflich, einzig die Handlung wirkt innerhalb der sechs Episoden an einigen Stellen zu straff gezurrt. Die Schauspieler transportieren die Atmosphäre über die Krankenhausmauern hinweg glaubhaft und greifbar ins heimische Wohnzimmer. Besonders die beklemmende Szenerie kurz vor Kriegsende macht das Leid der Menschen spürbar.

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