Das Rilling-Ufer soll attraktiver werden. Denkbar ist, entlang der Mauer eine Freitreppe wie am Feuersee zu bauen und ein Café zu installieren. Foto: Dietrich Haaf (z)

Im Rahmen der Zukunftswerkstatt sind sechs Schwerpunktthemen für einen attraktiven Stadtbezirk erarbeitet worden. Am kommenden Dienstag, 13. Dezember, werden die Ergebnisse im Kursaal vorgestellt.

Bad Cannstatt - Bad Cannstatt im Jahr 2030: Die Bürger des größten Stuttgarter Stadtbezirks haben da schon ganz konkrete Vorstellungen, wie es in 14 Jahren in der Sauerwasserstadt aussehen sollte. „Wir wollen wieder ein blühendes Bad Cannstatt schaffen – erfolgreich, liebens- und lebenswert; ein funkelndes Juwel in der Landeshauptstadt“, heißt es in einem Faltprospekt der Volkshochschule (VHS), der sich mit der Zukunft des Bezirks befasst.

Seit 2015 arbeiten Bürger mit der Unterstützung der VHS, des Bezirksamtes und der Stadtverwaltung im Rahmen einer Zukunftswerkstatt intensiv am Bad Cannstatt 2030. „Zwischen 200 und 300 Interessierte kamen im Herbst vergangenen Jahres in den Kursaal, um Wünsche und Vorschläge zu sammeln und Ziele zu definieren“, sagt Dietrich Haaf, der sich mit um die Organisation der Zukunftswerkstatt kümmert.

Am Dienstag, 13. Dezember, wird es nun konkreter. Im Kursaal werden die Ergebnisse präsentiert, die im Sommer aus den mehr als 100 Vorschlägen und Thesen der Bürger erarbeitet wurden. „Wir haben die Vorschläge auf 60 reduziert und zu elf Themen zusammengefasst, die sich auf sechs sogenannte Hotspots beziehen“, erklärt Haaf. Vor allem habe man sich zunächst mit den Themen Städtebau und Wohnen sowie Mobilität beschäftigt.

Auch der Wilhelmsplatz ist im Fokus der Zukunftswerkstatt

Der erste Schwerpunkt liegt im Bereich rund um die historische Rosenstein-Eisenbahnbrücke am Neckar. Das Bauwerk über den Fluss soll als „Park über den Neckar“ umgestaltet werden – mit hoher Aufenthaltsqualität. Entstehen soll letztendlich eine schnelle, kreuzungsfreie Radverbindung zwischen der Stuttgarter Innenstadt, dem Zentrum Bad Cannstatts und dem Neckarpark. „Grundsätzlich fordern wir, Fuß- und Radwege künftig sicher zu trennen“, sagt Haaf. Heute würden jährlich eine Million Radfahrer durch den Schlossgarten fahren. Die Vision für 2030 sei, fünf Millionen Pedaleure über die neue schnellere Verbindung radeln zu lassen – ganz nach dem Motto: in fünf Minuten von Stuttgart-Mitte nach Bad Cannstatt-Mitte.

Ein wichtiges Anliegen der Mitglieder der Zukunftswerkstatt ist auch der Wilhelmsplatz. „Die Neugestaltung ist eine große Herausforderung, aber es muss sich möglichst schnell auch etwas tun“, betont Haaf. Man habe Zahlen aus dem Jahr 2011, die belegen, dass täglich rund 70 000 Fahrgäste rund um den Wilhelmsplatz und den Bahnhof ein-, aus- oder umsteigen. Dieses enorme Kaufkraft-Potenzial wolle man mehr nutzen. „Die Menschen müssen sich dafür aber in diesem Teil von Cannstatt wohlfühlen“, sagt Haaf. „Es muss ein zentraler Platz mit urbaner Attraktivität entstehen, mit Vorrang für den öffentlichen Personennahverkehr und die Fußgänger.“ Den Autoverkehr habe man nicht vergessen. Mit einer geänderten Verkehrsführung sei es wohl dennoch möglich, dieselben Fahrzeugmassen abzufertigen wie es aktuell der Fall sei. „Das Zauberwort ist Entflechtung. Wir wollen die Nadelöhre beseitigen und den Verkehr im Fluss halten“, sagt Haaf.

Rund um den Bahnhof soll es attraktiver werden

Mit der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes allein sei es an dieser Stelle aber nicht getan. Auch das Quartier rund um den Bahnhof müsse aufgewertet werden. „Der Block zwischen Wilhelmsplatz, Bahnhof- und Eisenbahnstraße soll ebenfalls umgebaut und wesentlich attraktiver werden, mit einem Mix aus Kultur, öffentlicher Nutzung und Gewerberäumen“, sagt Haaf. Die Mitglieder der Zukunftswerkstatt können sich vieles an dieser Stelle vorstellen – zum Beispiel die Volkshochschule, die Stadtteilbibliothek oder ein Bürgerhaus.

Des Weiteren haben die engagierten Cannstatter auch das Quartier zwischen Bahnhof und Mercedesstraße auf der Agenda, genauso wie den Knotenpunkt an der König-Karls-Brücke, die Verkehrsachse Nürnberger/Waiblinger Straße und das Neckarufer. „Auf der Uferseite Neckarvorstadt müssen attraktive Aufenthaltsorte geschaffen werden, damit es Orte gibt, von denen aus man das historische Cannstatt wahrnehmen und betrachten kann“, betont Haaf. „Auf der anderen Seite muss die schöne Brückenstraße erlebbar gemacht werden.“ Zudem sei vorstellbar, auf der gesamten Länge der Rillingmauer eine Freitreppe nach dem Beispiel des Feuersees zu bauen – mit Café und Toilettenanlage.

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