Das Haupthaus der Sorgenmühle bietet 370 Quadratmeter Wohnfläche, im ehemaligen Pferdestall gibt es einen . . . Foto: factum/Granville

Die Sorgenmühle in Nussdorf ist eines der ältesten Gebäude im Landkreis – und eines der teuersten: Für 3,5 Millionen Euro steht sie derzeit zum Verkauf. Eine Besichtigung.

Eberdingen - Alle wollen wissen, was hier passiert. Die Neugierigen sind fast nicht abzuschütteln“, sagt der Hausverwalter. Und weil die Leute im kleinen Nußdorf so neugierig sind, will er auch nicht, dass sein Name in der Zeitung erscheint. Schon öfter musste er Leute verjagen, die sich auf dem Grundstück tummeln wollten. Jeden Tag kommt er hierher und schaut nach dem Rechten. Gehen die Lichter? Läuft das Wasser in den Leitungen? Manchmal kommt auch sein Enkel mit und hilft ihm dabei, kleine Frösche zu fangen, die sich gelegentlich im trockengelegten Hallenbad verirren.

Genau: im Hallenbad, denn es ist nicht irgendeine Immobilie, um die sich der Hausverwalter seit Jahren kümmert. Es ist die wahrscheinlich wertvollste, die derzeit im Kreis Ludwigsburg auf dem Markt ist: die sogenannte Sorgenmühle in Eberdingen-Nussdorf, ein uraltes Anwesen im bewaldeten Tal zwischen Nussdorf und Grossglattbach. 1299 wird das Mühlenanwesen erstmals urkundlich erwähnt, die Grundmauern sollen sogar zurück ins achte Jahrhundert reichen. Damit wäre die Sorgenmühle eines der ältesten bewohnbaren Gebäude Baden-Württembergs.

Früher kostete die Sorgenmühle offenbar das Doppelte

Zu den Rahmendaten: 33 000 Quadratmeter Grundstücksfläche, drei Gebäude mit 422 Quadratmeter Wohnfläche, eine unterirdische Wellness-Oase mit großem Swimming Pool, Solarium, Sauna, Dampfbad und einer kleinen Bar. Dazu kommt noch ein Pferdestall, der zu einem Club umgebaut wurde – mit zwei Bars, Profiküche, offenem Kamin und einem begehbaren Glas-Steg in drei Metern Höhe. Es scheint, als habe ein Vorbesitzer hier private Partys im großen Stil gefeiert.

Michael Ziegler, der Geschäftsführer von Deutsche Immobilien Württemberg, hat den Auftrag, das Grundstück zu verkaufen – was gar nicht so einfach ist in Anbetracht eines Kaufpreises von 3,5 Millionen Euro. „In diesem Preisgefüge wird die Luft dann schon dünn“, sagt Ziegler. In einem älteren Eintrag auf einer Immobilien-Plattform steht noch der Preis von sieben Millionen Euro. Von einem gewissen Kaufpreis an spielen harte Faktoren wie Lage und Ausstattung ohnehin nur noch eine untergeordnete Rolle – es geht auch um den emotionalen, persönlichen Wert, den der Käufer der Anlage beimisst. Ziegler vergleicht es mit einer Halbhöhenlage in Stuttgart: „Was ist ein Blick vom Killesberg herunter wert?“, fragt er rhetorisch.

So etwas wie die Sorgenmühle hatte der Makler noch nie im Portfolio

Ziegler ist seit 2003 in der Maklerbranche und kümmert sich in der Regel um den Verkauf von hochwertigen Wohnungen und Einfamilienhäusern. So etwas wie die Sorgenmühle hatte er noch nicht in seinem Portfolio. Hier einen passenden zukünftigen Eigentümer zu finden, das sei wie „die Stecknadelsuche im Heuhaufen“, sagt Ziegler. Aber wer soll die Immobilie kaufen? „Wir haben den privaten Nutzer im Kopf“, sagt Ziegler. Inwiefern das Anwesen auch gewerblich genutzt werden könnte, müsse der potenzielle Käufer mit der Gemeinde abklären.

Eine Handvoll Besichtigungen habe es schon gegeben, manche wollten eine Art Wellness-Oase aus dem Anwesen machen, andere wiederum eine Location für Veranstaltungen. Ein Interessent habe abgesagt, weil das Feng-Shui der Immobilie für ihn nicht gepasst hat. Im vergangenen Jahr meldete eine Lokalzeitung, dass das Anwesen verkauft worden sei – was sich aber als falsch herausstellte.

Der Denkmalschutz machte dem Besitzer einen Strich durch die Rechnung

Wer sich hier einkauft, der muss auch die vermutlich hohen Unterhaltskosten einberechnen für Garten, Technik, Instandhaltung. Hinzu kommen diverse Auflagen für Wasserschutz, Landschaftsschutz und Denkmalschutz. Letzterer ist wohl auch der Grund, warum der bisherige Besitzer die Immobilie verkaufen möchte: Er konnte das Anwesen nicht seinen Vorstellungen entsprechend gestalten.

Der Besitzer vor dem jetzigen, ein Unternehmer aus Bietigheim, hat die Sorgenmühle aufwendig erneuert. Nicht nur den Pferdestall, sondern auch den Garten hat er umgestaltet. In dessen Mitte steht ein vier Meter langer Marmortisch. Heizstrahler an der Unterseite der Tischplatte sollen auch bei niedrigeren Temperaturen das Beisammensein im Freien ermöglichen. Daneben stehen Holzkisten, in denen eine Telefonanlage verbaut ist. So sollen der Hausherr und die Gäste auch beim Grillen immer erreichbar sein – offenbar wurde die Anlage eingebaut, ehe Handys allgegenwärtig wurden. Vor ungebetenen Gästen schützt eine Videoüberwachungsanlage.

Früher stolzierten Pfauen auf der Wiese

Über den plätschernden Kreuzbach führt eine Brücke mit Jugendstil-Lampen. Neben einer imposant großen Trauerweide steht eine Vogelvolière. Hier waren früher Papageien untergebracht. Außerdem stolzierten Pfauen über das Grundstück. Man muss sich jetzt nur noch Männer in weißen Anzügen vorstellen, die sich von Butlern kubanische Zigarren reichen lassen, und das Bild eines Luxusanwesens ist komplett. Ein „privates Hideaway“, ein Zufluchtsort, soll das Anwesen laut Makler-Anzeige sein. Noch ist die Immobilie auf dem Markt. Es klingt seltsam, aber 3,5 Millionen Euro wirken für ein Anwesen dieses Ausmaßes fast wie ein Schnäppchen.