Jagd auf den Familienhund: von links Luna (Bianca Nawrath), Kurt (Jürgen Vogel), Theo (David Grüttner),und Sandra (Bettina Lamprecht)Foto:Vox/Martin Rottenkolbe Foto:  

Mit der Eigenproduktion „Das Wichtigste im Leben“ landet der Privatsender Vox einen Volltreffer. Die sympathischen Figuren rund um Jürgen Vogel finden unverkrampft ihren Platz im Hier und Jetzt.

Stuttgart - Das Wichtigste im Leben kann alles Mögliche sein, je nachdem. Knirps Theo trauert seinem Hund nach, der beim Einkaufen davonlief. Jetzt beschließt er, kein Wort mehr zu reden, bis der Vierbeiner wieder zurückkehrt. Luna hat mit allem zu tun, was die Pubertät so zu bieten hat: Erste Liebe, Streit mit der besten Freundin, die Folgen der Selbstinszenierung in den sozialen Medien und dazu noch die Sorge um die eigenen Eltern, die komische Dinge tun.

Ihre Mutter Sandra scheitert krachend mit einem Kochblog für Kids. Nun denkt Sandra daran, ihren alten Traum vom eigenen Café in die Tat umzusetzen. Vater Kurt ist Basketballtrainer und setzt große Hoffnungen auf Philipp, den Ältesten, der sich jedoch einen Tag vor dem wichtigsten Spiel für seine heimliche Leidenschaft entscheidet: das Tanzen.

Endlich mal was Eigenes

In Zeiten, in denen Medien mehr denn je auf Zielgruppen starren und für jede Altersgruppe eigene Angebote entwickeln, in denen beinahe täglich neue Fantasy-, Mystery-, Action-, Krimi- und Sonstwas-Serien auf den Markt kommen, erscheint eine Serie über den Alltag einer fünfköpfigen Durchschnittsfamilie vom Fünfjährigen bis zum Mittvierziger sympathisch unzeitgemäß. Noch dazu, wenn ein Privatsender aus der zweiten Reihe mal etwas Eigenes probiert.

Vox hat sich vor allem mit „Club der roten Bänder“ Ansehen erworben, aber es handelte sich dabei „nur“ um die Adaption einer katalanischen Serie. „Das Wichtigste im Leben“ ist die erste Originalserie des Senders aus der RTL-Gruppe, was ihm im 27. Jahr seines Bestehens nicht unbedingt zur Ehre gereicht. Allerdings ist die von Drehbuchautor Richard Kropf („4 Blocks“) entwickelte Familienserie ein Volltreffer, der beweist, dass dieses traditionsreiche Genre ganz unverkrampft im Hier und Jetzt seinen Platz finden kann.

Unaufgeregt und klug

Die Fankhausers entstammen freilich jenem Mittelschichtmilieu, in dem sich das fiktionale Fernsehen am liebsten aufhält: Man lebt im Einfamilienhaus, die Kinder haben ein eigenes Zimmer, der Vater hat einen Job, im Gegensatz zur Mutter, die den Haushalt schmeißt. Kropf verzichtet auf extreme Dramen, sieht man davon ab, dass es in der sechsten Folge einen Trauerfall geben wird. Aber hier gelingt es mal, Unspektakuläres spannend und Emotionales kitschfrei zu erzählen, mit klugen, humorvollen Dialogen sowie viel Gefühl und Verständnis für die fünf gleichwertigen Figuren.

Das Buch und die unaufgeregte Inszenierung fordern dem Publikum durchaus Geduld und Aufmerksamkeit ab. Ganz selbstverständlich gehört zum Beispiel der dunkelhäutige Philipp zur Familie. Dass er adoptiert wurde, fließt irgendwann eher nebenbei ein. Auch sonst erschließen sich erst nach und nach manche Details. Die Serie profitiert von den zum Teil mitreißenden Tanzszenen. Dass sie nicht in ein gefälliges Wohlgefühl abgleitet, dafür sorgt auch die strenge Ausbildung durch Tanzlehrer Dinko (Aleksandar Jovanovic).

Am Alltag scheitern

Man schließt dieses Fankhauser-Quintett jedenfalls schnell ins Herz: Den kleinen Tierexperten Theo (David Grüttner), der so herzerweichend schweigen kann, leider auch bei der Schuleignungsprüfung. Die aufgeweckte, sensible Luna (Bianca Nawrath), die keines dieser Pubertäts-Fernsehmonster ist, auch wenn sie gerne ungefragt Ratschläge erteilt. Den talentierten, stoischen Philipp, vom zweifachen Hip-Hop-Vizeweltmeister Sidney Holtfreter nicht nur auf dem Tanzparkett mitreißend gespielt.

Genau so rührend sind aber die von Bettina Lamprecht und Jürgen Vogel dargestellten Eltern, die bisweilen am Alltag scheitern, mit sich selbst und ihren Kindern ringen, aber immer um gegenseitiges Verständnis bemüht sind. „Das Wichtigste im Leben“ erzählt fraglos von einer Bilderbuchfamilie, aber nie pädagogisch aufdringlich – oder gar langweilig.

Verfügbarkeit: Ausstrahlung bei Vox ab 5. Juni 2019 jeweils Mittwoch,
20.15 Uhr, eine Doppelfolge. Als Stream bei TV Now.

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