Abwehr des VfB Stuttgart Luxusproblem statt Problemzone

Von Dirk Preiß 

In der Defensivabteilung des VfB Stuttgart sind derzeit alle Mann an Bord. Das ist schön für Trainer Hannes Wolf, macht dessen Auswahl aber nicht einfacher. Es gibt Härtefälle.

Stuttgart - Wer bisher der Meinung war, ­lediglich Notsituationen würden Kreativität fördern, der hat seine Rechnung ohne Hannes Wolf gemacht. Der Trainer des VfB Stuttgart steht in der Bundesliga zwar nicht ohne Sorgen da – 20 Punkte und 14 Tore sind noch lange kein flauschiges Beruhigungskissen. In der einstigen Problemzone allerdings sind es eher Luxusprobleme, die den Coach beschäftigen. Und denen er auf seine Weise begegnet.

Weil das Angebot an fitten Defensivspielern zuletzt recht groß war, setzte er den einen oder anderen einfach weiter vorne ein. Oder viel weiter vorne. Marcin Kaminski zum Beispiel.

Der Pole ist gelernter Innenverteidiger und wurde im letzten Vorrundenspiel gegen den FC Bayern München eingewechselt – als Mittelstürmer. Zum Rückrundenstart kickte Kaminski zwar wieder auf seiner Stammposition, dafür saß diesmal Emiliano Insua als Offensivoption auf der Bank – und der eigentliche Linksverteidiger gab gegen Ende der Partie gegen Hertha BSC (1:0) tatsächlich den Rechtsaußen. „Er hat eine extreme offensive Qualität. Warum sollten wir diese nicht einsetzen?“, sagte Hannes Wolf und argumentierte: „Mit seiner Ballsicherheit hilft er uns weiter.“

Außerdem im Video: Sehen Sie den Spielrückblick vom Spiel gegen Hertha BSC.

Überangebot im Abwehrbereich

Das sind nur zwei Beispiele – aber zwei, die zeigen: Während die Offensive des VfB auch nach der Verpflichtung von Mario Gomez noch nicht gänzlich in Schwung gekommen ist, sind die Abwehrspieler schon lange nicht mehr das drückendste Problem beim Aufsteiger. Im Gegenteil: Die Qualität ist durchgehend hoch, die Varianten, die sich daraus ergeben, wenn ­alle Mann an Bord sind, sind zahlreich.

In der Vorrunde setzte Hannes Wolf meist auf drei Innenverteidiger, gemeinsam mit zwei defensiven Außenbahnspielern wuchs sich das Gebilde zur Fünferkette aus. Den inneren Block bildeten oft Timo Baumgartl, Holger Badstuber und Benjamin Pavard. Marcin Kaminski fehlte aufgrund einer Verletzung längere Zeit, ist nun aber wieder fit. Was zu einem Überangebot führt, weil die Plätze im Zentrum neuerdings rarer sind.

Zum Start der Rückrunde schickte Trainer Wolf eine Vierer-Abwehrformation ins Rennen, was bedeutet: Von vier zur Verfügung stehenden Innenverteidigern können eigentlich nur zwei spielen. Weil Holger Badstuber erst zum Abschlusstraining zurückgekehrt war und Benjamin Pavard nach rechts beordert wurde, blieb in der Mitte Platz für das Duo Marcin Kaminski und Timo Baumgartl, das kein Gegentor zuließ. Doch daraus resultierten andere Härtefälle.

Andreas Beck ist aktuell ein Härtefall

Andreas Beck etwa hatte als rechter Part in der Fünferkette lange einen Stammplatz – nun war er raus. Die Krux an der Sache: Zwar hat beim VfB bisher keiner mehr ­Flanken geschlagen und kaum einer mehr Torschussvorlagen gegeben als der frühere Hoffenheimer, dennoch kommt dem 30-Jährigen die Viererkette eigentlich mehr entgegen als die auch offensiv sehr fordernde Rolle in der Fünferkombination. Nun spielte der VfB dieses System mit vier Abwehrspielern, in dem Beck seit vielen Jahren zu Hause ist – aber eben ohne den Mann mit der Nummer 32, weil Wolf Pavards starke Entwicklung honoriert und dessen Kopfballstärke schätzt. „Es sind natürlich harte Entscheidungen für die Spieler, wenn sie auf die Bank müssen“, weiß Hannes Wolf, der gerade bei Andreas Beck aber „im Umgang damit kein Problem“ sieht: „Er ist ein absoluter Teamplayer und stellt den Erfolg der Mannschaft über alles.“ Statt des späteren Angreifers ­Insua verteidigte Dennis Aogo zum Rückrundenstart zudem hinten links. Und die nächste große Frage stellt sich schon am kommenden Samstag beim Spiel in Mainz: Was passiert mit Holger Badstuber?

Spielt Badstuber in Mainz?

Bisher galt: Ist der Ex-Nationalspieler fit, dann steht er auch in der Startelf. Gegen Hertha half der zuvor angeschlagene Badstuber lediglich am Ende mit, den Sieg über die Zeit zu retten, bis zur Partie gegen den FSV Mainz 05 dürften die Folgen seiner muskulären Probleme aber komplett überwunden sein. Und Hannes Wolf sagt: „Er ist jetzt wieder eine gute Option – die brauchen wir auch.“ Allerdings ist der Trainer auch ein großer Kaminski-Fan.

Die Rückkehr zur Dreier-/Fünferkette würde Wolfs Luxusproblem zumindest mit Blick auf seine Innenverteidiger lösen, ein anderes Problem aber wohl wieder verschärfen: das größere in der Offensive, wo Mario Gomez Unterstützung braucht, die er am vergangenen Samstag aufgrund tief stehender Mittelfeldspieler noch nicht im Überfluss hatte. Beim Aufstellungspuzzle ist also wieder Kreativität gefragt – trotz der Luxusprobleme.

VfB Stuttgart - Bundesliga

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