Die UETD im Südwesten Das Netz

Von Gamze Karaoglu, Franz Feyder, Michael Weißenborn 

Der türkische Präsident Erdogan. Foto: pool Presidential Press Service
Der türkische Präsident Erdogan. Foto: pool Presidential Press Service

Die eigentlich überparteiliche Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) wirbt unverhohlen für Staatschef Erdogan. Und der Verein macht mit Rockern und Islamisten gemeinsame Sache. Die Politik ist alarmiert.

Stuttgart - London, Amsterdam, Köln, Mannheim, Stuttgart – Metin Külünk reist viel. Der Abgeordnete der türkischen Regierungspartei AKP ist ein gern gesehener Gast bei Veranstaltungen in der Diaspora. Wenn die Union der Europäisch-Türkischen Demokraten (UETD) lädt, lässt sich der Mann mit der rauchigen Stimme nicht lange bitten. Külünk hat das Ohr des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Und er gilt bei seinen Parteifreunden als gewiefter Netzwerker; seine Beziehungen zum türkischen Geheimdienst seien „ausgezeichnet“. Im Februar ließ Erdogan durchsickern, sein Freund Külünk würde Chef der neu geschaffenen staatlichen Behörde zum Umgang mit Falschmeldungen. Ein Ermittlungsverfahren wegen Mitgliedschaft in der organisierten Kriminalität gegen Külünk stoppte der Putsch im vergangenen Sommer – der Staatsanwalt fand sich selbst im Gefängnis wieder. „Metin“, erzählen AKPler in Istanbul stolz, „ist ein Chefstratege.“

Die UETD

Offenbar auch bei der UETD in Deutschland: Wenn Külünk – in den vergangenen Monaten auffallend oft über den Flughafen Stuttgart – nach Deutschland kommt, führt ihn sein Weg häufig nach Mannheim. Unweit des Marktplatzes diskutiert er dann in einem türkischen Restaurant die Lage mit seinem Freund und Vorsitzenden der UETD Rhein-Neckar, Yilmaz Ilkay Arin. Ein junger Deutscher, der gerne mit seinen ausgezeichneten Beziehungen zu Erdogan prahlt. Er telefoniere immer wieder persönlich mit dem Staatsoberhaupt, berichten türkischstämmige Mannheimer hinter vorgehaltener Hand. Manchmal spreche Arin Erdogan dabei mit „Reis“ – „Führer“ – an.

Das soll Erdogan nach dem Willen der UETD für alle in Deutschland lebenden Menschen mit türkischen Wurzeln sein – gleichgültig, ob sie den „Reis“ nun mögen oder nicht. Die selbst ernannten Demokraten erheben den Anspruch, alle Türken außerhalb ihres Heimatlandes zu vertreten. Die UETD, sagt ihr ehemaliger Chef Zafer Sirakaya, ist für alle in Europa lebenden türkischen und türkisch-stämmigen Bürger „eine gemeinnützige und überparteiliche Organisation“.

Nur mit der Überparteilichkeit nehmen es Külünk, Arin und andere UETD-Funktionäre nicht so genau. „Evet“ – Ja zum aktuellen Verfassungsreferendum fordern sie auf allen Kanälen der sozialen Netzwerke. In vielen Städten organisiert die UETD Busse, um Wähler in die 13 Wahllokale zu kutschieren, in denen bis zum morgigen Sonntag votiert wird. Auf Flugblättern werden den Passagieren sicherheitshalber die Vorzüge der Verfassungsänderung nahegebracht.

In Mannheim sucht der dortige UETD-Chef Arin den Kontakt zu seinen Landsleuten auch anders: Er ist Präsident der „Türkischen Sportclubs in Europa“, findet Fotos der türkischen, rechtsterroritsischen Grauen Wölfe gut, die auch in Deutschland aktiv sind. Ihre Feinde: Juden, Christen, Griechen und die EU. Mit dem Generalsekretär der Mannheimer UETD, Suat Selcuk, verbindet ihn das gemeinsame Geschäftsinteresse an der Firma „Müge Arin Transport“.

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