Seite 4Die UETD im Südwesten Die Gruppen UETD, Osmanen Germania, MIT, Milli Görüs, Muslimbrüder und Salafisten

Von Gamze Karaoglu, Franz Feyder, Michael Weißenborn 

Der politische Arm des Netzwerks: die UETD (Union Europäisch-Türkischer Demokraten), Metropolregion Rhein-Neckar:

Gründung der UETD in Deutschland 2004, Niederlassungen zudem in Belgien, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Ungarn, den Niederlanden, Österreich, Schweden und der Schweiz. Hauptsitz ist Köln, ihr Vorstandsvorsitzender in Europa ist Zafer Sirakaya, Generalsekretär in Deutschland ist Bülent Bilgi; die UETD hat in Baden-Württemberg mindestens 45 Vereine gegründet, die außer Fahrten zu Veranstaltungen von Regierungspolitikern auch Diskussionen mit AKP-Politikern in Klein- und Mittelstädten organisieren. Ziel: Lobbyarbeit für die türkische Regierungspartei AKP, obwohl sich die UETD selbst als überparteilich definiert. Zudem versteht sich die UETD selbst als Vertreter aller in der deutschsprachigen Diaspora lebenden Frauen und Männer türkischer Abstammung.

Der bewaffnete Arm des Netzwerks: Osmanen Germania:

Die Gruppierung: Der Osmanen Germania Boxclub (auch Osmanen Germania BC; kurz OGBC) ist eine türkisch-nationalistische, rockerähnliche Gruppierung. Ihre Aktivitäten werden der organisierten Kriminalität zugerechnet. Die Gründer: Als Gründungspräsidenten fungieren der Boxer Mehmet Bagci und der Ex-Hells-Angel Selcuk „Can“ Sahin. Großrazzia: Im November 2016 kam es zeitgleich in sechs Bundesländern zu einer Großrazzia gegen den Club, an der mehr als etwa 1000 Polizisten beteiligt waren. Mehrere Personen wurden festgenommen, zudem wurden Speichermedien, Schusswaffen und Munition sichergestellt. Zu den Festgenommenen gehörten auch Tatverdächtige eines Handgranaten-Anschlages auf eine Schischabar in Saarbrücken im August 2016. Sie stehen aktuell vor Gericht. Mit den meist kurdisch-stämmigen Mitgliedern der Rockergruppe „Bahoz“ („Sturm“) liefern sich die Osmanen blutige Kämpfe: Im November 2016 wurden durch die rivalisierenden Gruppen in Ludwigsburg und Stuttgart mehrere Brandanschlägen auf Autos verübt. Die Straftaten werden „Bahoz“-Leuten zugeordnet.

Der Geheimdienst MIT:

Gründung des türkischen Geheimdienstes Milli Emniyet Hizmeti Riyasetiie (MIT) 1926. In Deutschland hat der Dienst in der Botschaft und den 13 Konsulaten offiziell Agenten akkreditiert. Schätzungen von Geheimdienstexperten nach unterhält der MIT in Deutschland ein Netz von etwa 800 weiteren Agenten sowie ungezählten Informanten und Spitzeln.

Der religiöse Arm des Netzwerks:

Milli Görüs: Die Bewegung (deutsch: Nationale Sicht) ist eine länderübergreifend aktive islamische Bewegung, deren wichtigste Organisationseinheit die türkische Partei Saadet Partisi und der europäische Dachverband Islamische Gemeinschaft Milli Görüsş (IGMG) sind. Der erste Verein in Deutschland wurde 1972 in Braunschweig gegründet. Die IGMG wird vom Verfassungsschutz bundesweit beobachtet. Trotzdem betreibt sie viele Moscheen in Deutschland. Die Innenministerien von Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg entdecken in der Bewegung antisemitische Charakterzüge und sehen sie im Widerspruch zur freiheitlichen, demokratischen Grundordnung. Prozesse, die Milli Görüşs gegen diese Feststellungen geführt hat, verloren ihre Anhänger. Das Bundesamt für Verfassungsschutz kommt zu der Überzeugung, dass Milli Görüşs ein antidemokratisches Staatsverständnis zeige und die westliche Demokratie ablehne.

Muslimbrüder: Die Bewegung eine der einflussreichsten sunnitisch-islamistischen Gruppen im Nahen Osten; sie wurde 1928 in Ägypten gegründet. Gilt in westlichen Ländern als islamistische Organisation. Die Muslimbruderschaft wird in Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet. Trotzdem unterhalten die Muslimbrüder eine Vielzahl „Islamischer Zentren“ für ihre Aktivitäten.

Salafisten: Der Salafismus ist eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, die eine sogenannte geistige Rückbesinnung auf die „Altvorderen“ anstrebt. Ihr Ziel ist eine islamistische Weltordnung.

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