Die Bandmitglieder sind maskiert: „Wir wollen, dass die Musik im Vordergrund steht" Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Der Weltrekord ist jetzt amtlich: Keine Metalband spielt tiefere Töne als Way to Bodhi. Nicht mal ein Erdbeben dröhnt tiefer. Das ist auch für den Instrumentenbauer eine Herausforderung.

Stuttgart - Max Junger muss gedacht haben, dass der junge Mann, der sich MP nennt, nicht alle Latten am Zaun hat. 2013 wurde der Saitenmacher für Bässe, der seine Werkstatt in Erlangen betreibt, wahrscheinlich mit der ungewöhnlichsten Anfrage seines Lebens konfrontiert. „Mach mir Saiten, die dicker sind als alles, was im Handel erhältlich ist“, sagte MP. Junger hat sich mehrfach übertroffen. Heute sind die Saiten, die er für die Metalband Way to Bodhi herstellt, so dick wie Würste.

Damit haben Way to Bodhi vor einigen Wochen am Physikinstitut der Universität Stuttgart den Weltrekord gespielt, der jetzt beim Rekordinstitut für Deutschland – einer mit dem Guinness-Buch der Rekorde vergleichbaren Organisation – amtlich geworden ist: Keine Band auf der Welt erzeugt tiefere Klänge.

Zufrieden sitzt MP, Gitarrist und Hirn der Band, zusammen mit Bandkollege und Schlagzeuger Sic Head in einem Proberaum nahe der Liederhalle, im zweiten Untergeschoss. Beide, wie auch die anderen Musiker, sind maskiert. „Wir wollen, dass die Musik im Vordergrund steht“, begründet der Anfang-30-Jährige die Geheimniskrämerei um die Identitäten der Bandmitglieder.

Dafür, dass die Musik im Vordergrund stehen soll, fehlt ihr auf den ersten Blick aber eine elementare Eigenschaft: Der Grundton des Superbasses ist zu tief, als dass ihn das menschliche Gehör noch wahrnehmen könnte.

15,2 Hertz hat das Oszilloskop der Universität gemessen, das sind tiefere Töne, als sie Erdbeben oder Tsunamis verursachen. Das menschliche Gehör fängt ab 30 Hertz an, Töne wahrzunehmen.

Tonlos sind die brummenden Bässe von Way to Bodhi natürlich trotzdem nicht. „Je länger der Bass anhält, desto höher schwingt er“, erklärt MP. Also hört man den Bass nur am Anfang nicht.

Fans der Band beschreiben den Effekt des Superbasses bei Live-Auftritten so: „Da kommt eine Welle auf dich zu – du spürst es, bevor du es hörst – und dann übermannt es dich einfach“, sagt Bérénice-Anouk Schneider aus dem Umfeld der Band, die auch Öffentlichkeitsarbeit für die Metaller macht. „Psychoakustik“, kommentiert das Musiker MP.

An diesen Effekt muss auch Saitenmacher Junger geglaubt haben, dem nicht nur als Hersteller der Sonderanfertigungen eine tragende Rolle beim Weltrekordprojekt von Way to Bodhi zukommt. „Als die handgewickelten Stahlseiten immer dicker wurden, war er es, der auf die Idee kam, dass wir einen Weltrekord eintragen lassen könnten. Er sagte, wir seien bestimmt die tiefste Band der Welt“, erzählt MP.

Tatsächlich hat noch nie zuvor eine Metalband einen solchen Weltrekordversuch unternommen. Aber selbst international erfolgreiche Bands wie Slipknot, die als extrem tief gelten, bringen es gerade mal auf 30 Hertz. Das Rekordinstitut für Deutschland konnte bei seinen Recherchen jedenfalls keine Band ausmachen, die tiefentechnisch auch nur annähernd in der Region von Way to Bodhi spielt.

Eine Liga, von der die Band im Gründungsjahr 2011 noch weit entfernt war. Seitdem hat sie etwa 20 Live-Konzerte quer durch Deutschland gespielt. Die zündende Idee, das Tiefenspektrum der Tonleiter bis zum Limit auszureizen, kam dem Quartett, dessen Name übersetzt „Weg zur Erleuchtung“ bedeutet, erst später.

„MP war da die treibende Kraft“, sagt Sic Head, der Drummer, „mit ihm zu arbeiten ist ein bisschen, wie im Kugelhagel zu stehen.“ Was nichts mit den beiden Buchstaben seines Künstlernamens zu tun hat, versichert MP. Für Maschinenpistolen habe er nichts übrig. Auch wenn ihm klar sei, dass viele bei der tiefsten Metalband der Welt finstere Gesellen erwarten, seien Way to Bodhi friedliche und fröhliche Menschen. „Ich bin nebenbei auch Hobby-Barista“, sagt MP, der offenlässt, warum er sich so nennt. Ein Geheimnis soll das immer bleiben.

Im unterirdischen Proberaum flackert ein Computerbildschirm auf. Ein hochhackiger Schuh ist zu sehen, eine oberkörperfreie Frau, ebenfalls maskiert, betritt eine Bühne. Dann geht es los: wild, laut, düster, psychedelisch – tief. Es ist das Way-to-Bodhi-Musikvideo zum Lied „Living on H“. Der Clip lässt irgendwie offen, ob Way to Bodhi alle Latten am Zaun haben. Auf jeden Fall haben sie die dicksten Saiten am Bass.

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