Die Thrash-Ikonen Slayer gehen in den Ruhestand Spiel’s nochmal, das hässliche Lied

Von Michael Setzer 

Slayer 2018 (v.l.): Tom Araya, Gary Holt, Paul Bostaph und Kerry King Foto: Label
Slayer 2018 (v.l.): Tom Araya, Gary Holt, Paul Bostaph und Kerry King Foto: Label

Die kalifornische Thrash-Metal Institution Slayer leitet nach 37 Jahren ihren Ruhestand ein. Eine Abschiedstournee noch: dann soll Schluss sein mit Mord, Totschlag und Nackenschmerzen.

Los Angeles - Romantik war nie die Zierde der kalifornischen Thrash-Metal-Band Slayer. Zumal „thrash“ in diesem Fall schon die Marschroute vorgibt: es bedeutet „draufhauen“, „zerdeppern“ und „verprügeln“. Laut, ruppig, blutig und kompromisslos fräst sich auch das Quartett seit 37 Jahren durch die kunterschwarze Erlebniswelt des Heavy Metal. Es ist nicht mehr wegzudenken aus diesem Zirkus, auch weil Slayer im Rahmen ihrer engen Grenzen immer „abliefern“. Jetzt das schier Unmögliche: ein kurzes Video und ein maulfaules Statement. „Das Ende ist nahe . . . Slayer verabschieden sich mit einer letzten Welttournee.“

Laut genug für die Ewigkeit sind die Thrash-Ikonen aus dem kalifornischen Huntington Park. Einst als etwas zu schnelle Mischung aus Judas Priest, Motörhead, Punk und Horror gestartet, entwickelten Tom Araya, Kerry King, Jeff Hanneman und Dave Lombardo zusammen mit Bands wie Metallica, Anthrax und Megadeth die zumindest Mitte der achtziger Jahre extremste Form des Heavy Metals: Thrash. Pfeilschnell und unnachgiebig formte die Band den Gegenpol zum farbenfrohen Glam-Hardrock, der damals vorherrschte. Bon Jovi und Mötley Crüe sangen über Geschlechtsverkehr und Partys, Slayer und die Thrash-Bewegung über Krieg und Blut, das Böse und Körperverletzung.

Meilenstein „Reign In Blood“

Spätestens das 1986 zusammen mit Rick Rubin produzierte Album „Reign In Blood“ machte Slayer unsterblich: 28 Minuten Wut, Hass, Brachialgewalt und sinisterer Wahnwitz – alles noch nie dagewesen und fortan nicht mehr wegzudenken. Eine Referenzgröße für musikalische Brutalität, die auch heute noch Bestand hat. Wie kaum eine andere Band prägte Slayer den zeitgenössischen extremen Heavy Metal.

Wie extrem Slayer operieren, wurde offensichtlich, als sie 1986 mit dem Stück „Angel of Death“ dem Horror ein Gesicht gaben: Das Lied ist eine eiskalte Beschreibung der Gräueltaten von KZ-Arzt Josef Mengele in Auschwitz. Doch Slayer legten keinerlei Wertung bei, keine moralische Einordnung, sie verurteilten das nicht einmal. Sie beschrieben, als würden sie dem Bösen über die Schulter schauen und greifbar machen, wozu Menschen fähig sind.

Wertkonservativ und laut

Es ist diese Kompromisslosigkeit mit der das kalifornische Quartett seit je ihrer Arbeit nachgeht. Während einstige Kollegen wie Metallica, Anthrax oder Megadeth ihre künstlerische Heimat in der Breitenwirkung optimierten, verfeinerten sich Slayer sozusagen wertkonservativ innerhalb ihrer kleinen Welt aus brachialer Finesse und unappetitlicher Lyrik. In 37 Betriebsjahren erspielten sich Slayer den Nimbus, mehr ein Statement als eine Band zu sein.

Wie die vergangenen Jahre zeigten: Slayer sind als Summe größer als ihre Einzelteile. Nach dem Tod des Gitarristen Jeff Hanneman (2013) und dem mehrmaligen Ausstieg des früheren Schlagzeugers Dave Lombardo spielen die verbliebenen Gründungsmitglieder Tom Araya (Bass, Gesang) und Kerry King (Gitarre) zusammen mit Paul Bostaph und Gary Holt. Nichts daran ist schlecht oder gar langweilig. Doch neue Alben wie das 2015 veröffentlichte „Repentless“ tragen trotz aller Klasse lediglich noch zur Untermauerung der Slayer’schen Kraft-Expertise bei, und ihre Tourneen beweisen in erster Linie, dass Slayer es noch können. Ja, das tun sie. Doch der Beigeschmack einer Ehrenrunde war in den vergangenen Jahren immer präsent. „Slayeeerrr“, der Schlachtruf freudentrunkener Metal-Fans, wird dennoch bleiben. Denn Fans wissen: echte Ikonen gehen nicht in den Ruhestand, sie lehnen sich zurück. Die Termine für die Abschiedstour will die Band in Kürze bekannt geben. Wann Europa auf dem, ja, Schlachtplan steht, ist noch nicht bekannt. Dass es laut und ruppig wird, weiß aber jeder.

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