Marta Montalvo schöpft Maultaschen aus dem Suppentopf. Was auf den Tisch kommt, entscheidet sich oft kurzfristig. Foto: Ralf Poller/avanti

Einmal im Monat öffnet die Suppenküche „Nachschlag“ in Ludwigsburg ihre Türen: nicht nur für Einsame und sozial Schwache. Willkommen sind dort alle.

Die Nase weist dem Besucher direkt den Weg in den großen Saal, wo die Tische bereits einladend für knapp hundert Personen gedeckt sind. Intensiv und verführerisch duften an diesem Vormittag auch die Blumen, die Hobbygärtnerin Ellen Müller zu ausdrucksvollen Arrangements gebunden und auf die Vasen - je Tisch eine – verteilt hat. Die blühende Pracht hat sie am Vortag vom Blumengroßhändler abgeholt und ausgeputzt. Ein angenehmes Umfeld ist dem Helferkreis der gastgebenden Adventgemeinde in Ludwigsburg nämlich wichtig.

 

Gleich drei wesentliche Faktoren sollen unausgesprochen auf die Gäste wirken, die sich bei der Suppenküche „Nachschlag“ alle vier Wochen – zu einem Euro Beteiligung pro Person – mal so richtig satt essen können: Lebensfreude, Menschenwürde und Gemeinschaft. Letztere dürfen die Essensgäste für rund eineinhalb Stunden in den Räumen der Adventgemeinde in der Carl-Goerdeler-Straße 16 genießen. Doch nicht alleine durch die oben genannten Merkmale, die sich wie ein roter Faden durch das engagierte Sozialprojekt ziehen, das vom Advent-Wohlfahrtswerk getragen wird, ist die Einladung an Jedermann so beliebt. Der „Nachschlag“ hat hier nämlich eine wortwörtliche Bedeutung und signalisiert: es darf eine zweite und wenn gewollt, sogar eine dritte Portion gegessen werden.

Viele Besucher leiden auch unter Einsamkeit

„Sie können sich nicht vorstellen, was manche für einen Appetit mitbringen“, sagt der Leiter der Suppenküche und des Helferkreises, Reinhard Knobloch. Deshalb plant das Helferteam auch stets mit 200 Portionen, obwohl meist nur um die 100 Gäste kommen. Es wurden außerdem auch neue Schüsseln für die Ausgabe der frischen Suppe angeschafft: in diese passen statt 250 nämlich gleich ganze 500 Milliliter rein. Warum das? „Für viele ist das die einzig warme Mahlzeit in der Woche“, so Knobloch.

Der Mann, der „die Vielfalt und Liebe Gottes an andere weiterschenken möchte“, erklärt zudem, warum die Suppenküche „Nachschlag“ immer erst gegen Ende des Monats ihre Türen öffnet: „Da wird dann der Geldbeutel knapp.“ Mindestens einen Gast kennt der gläubige Christ, der „zu Fuß von Freiberg hierher zu uns kommt“. Und Knobloch weiß auch, dass „viele Besucher zudem unter Einsamkeit leiden und das gemeinsame Einnehmen einer Mahlzeit, wie auch die Gespräche sehr schätzen“.

Der Speiseplan entsteht meistens kurzfristig

Knobloch selbst weiß übrigens immer erst am späteren Samstag, was am Sonntag auf den Tisch kommt. Das ist ein launiger Gag der Umstände: denn der Helferkreis ist abhängig von den Lebensmittel-Spendern. Und diese treten ihre Ware vor dem Wochenende meistens recht kurzfristig ab, eben kurz bevor sie nicht mehr regulär verkauft werden kann.

„Wir haben dann noch rund eine Stunde Zeit um einzukaufen, was fehlt“, sagt Knobloch, der dieses Mal zufrieden auf den Speiseplan blickt: „Wir mussten nur zehn Becher Crème fraîche dazu kaufen und Maisdosen aus dem Vorrat holen.“ Die Firmen, so hat er erfahren, würden jedoch sehr gerne helfen: „Man muss sie nur fragen“. Unterdessen laufen in den Gängen und Räumen der freikirchlichen Gemeinde die Vorbereitungen auf Hochtouren. Jeder der rund 20 Helfer scheint genau zu wissen, was er zu tun hat. Und so stapeln sich in den Gängen bereits massenhaft Tüten mit Nahrungsmitteln. Je drei davon erhalten die Gäste, wenn sie nach dem Essen gehen. In einer Tüte befinden sich Trockenlebensmittel und Brotwaren, eine enthält Gemüse, die dritte Obst. Susanne Hanemann drittelt die Brote routiniert, die dann von weiteren Helfern auf die Tüten verteilt werden: Der Vielfalt wegen. Brötchen und Brezel finden auch den Weg hinein.

Die ganze Familie ist im Einsatz

Ellen Wünsch wiederum ist für den Salat zuständig, der bei dem viergängigen Menü an zweiter Stelle steht. Zuvor soll es Maultaschensuppe geben: das gesamte Menü ist immer vegetarisch. Rund drei Stunden braucht Wünsch für das Waschen und Schneiden von etwa 35 Salatköpfen. Den Chicoree rädelt die Frau in Ringe. Hinter ihrem Rücken klappert es derweil kräftig: Knoblochs Frau Anke wirbelt im Spülwasser und bestückt die Spülmaschine. Das macht sie an dem Tag ausschließlich – und geht später mit aufgeweichten Händen heim.

Sohn Markus ist parallel dazu mit dem Brutzeln der Veggie-Würstchen beschäftigt, die mit dem Nudel-Gemüse-Salat den Menüpunkt 3 abbilden. Maria Gallos rührt rasch noch Schmand in den Salat, der anschließend ganz geschmeidig lecker glänzt. Gemeinsam mit Köchin Sylvia Eschen sorgt schließlich Markus Knobloch für den guten Geschmack und alle zusammen stellen sicher, dass die Gerichte um Punkt 12 Uhr auf die Tische kommen. Mit dem Glockenschlag laufen die ersten Gäste erwartungsvoll ein.

Helfende Hände und Spender sind immer willkommen

Unterdessen warten Riesenberge von geschnittenem Obst auf den Tischen der Schnippelküche. Sie werden später zum Dessert gereicht. Bei all dem Treiben geht auch mal was zu Bruch. Zwei Tassen überleben den Einsatz nicht. Doch niemand regt sich auf, rasch sind die Scherben aufgekehrt. „Wir haben ein tolles Betriebsklima, jeder kommt gern“, betont Knobloch, der für jede helfende Hand dankbar ist. „Man kann auch nur einmal im Jahr als Helfer mitmachen“, will er potenziell Interessierte motivieren. Seit fünf Jahren wird die „Suppenküche Nachschlag“ nun schon betrieben. An Spenderfirmen und Helfern kann es jedoch auch nach dieser Zeit nie genug geben. Und noch etwas bleibt gleich: einmal pro Monat warten rund 100  hungrige Menschen sehnsüchtig auf ein nahrhaftes und ausgewogenes Mahl in dem Gemeindesaal. Manche auch in Form einer „Mahlzeit to go“, die sie dankbar abholen.