Elegant wie Soul, eingängig wie Pop: Die Stuttgarter Indie-Soul-Künstlerin Jiska veröffentlicht ihre bemerkenswert reife erste EP „Wild Blue Yonder“. Am 2. Juli stellt sie ihre funkelnden Songs im Kulturzentrum Merlin vor.
Mit der Musik ist das so eine Sache. Sie lässt sich nieder, nistet sich ein, sickert ins Unterbewusstsein. Schlaflied der Eltern oder Lieblingssong der großen Schwester: Musik wird ein Teil von uns, ohne dass wir es merken. Bei Jana Franziska Binder, kurz Jiska, ist es kein bestimmtes Lied, ist es eher ein Groove. „Mein Großvater hatte eine Schlagzeugschule“, erzählt die 23-jährige Musikerin, die erst vor wenigen Monaten aus dem Stuttgarter Süden weggezogen ist.
Vor dem Galao am Marienplatz, einem ihrer Lieblingsläden, scheint die Sonne, es ist recht früh am Morgen, sie hält eine dampfende Tasse Kaffee in den Händen. Und erzählt. Erzählt einfach von Musik, wie jemand von etwas erzählt, das einfach immer schon da war. Sie plaudert darüber, dass ihre Mutter Berufsmusikerin im Popbereich ist, dass sie Gesangs- und Klavierunterricht gegeben hat – auch in der Schlagzeugschule ihres Großvaters. „Meine Großeltern wohnten direkt darüber, und ich war ständig dort“, erinnert sie sich.
Banddebüt als Bassistin mit elf Jahren
Aufgewachsen ist sie in Winnenden, spielte schon mit elf Jahren Bass in ihrer ersten Band – einer Ska-Truppe mit dem interessanten Namen Uwes. Das ist recht früh, und es wird durch die Unterstützung der Eltern ermöglicht. „Mir war immer klar, dass ich mich in meiner Musik am wohlsten fühle und mich mit ihr am besten ausdrücken kann“, betont sie. „Die Musik ist mein Safe Space.“ Zugleich gibt sie sich nicht den Illusionen anderer Debütantinnen hin: Durch das Leben ihrer Mutter kennt sie das Business, weiß um die Unwägbarkeiten und Fallstricke dieser äußerst toughen Branche.
Abschrecken lässt sie sich nicht. „Für die Uwes schrieb ich auch meine ersten Songs“, fährt sie fort. „Seither hatte ich konstant verschiedene Bandprojekte und entschied mich mit 20 dazu, es solo zu versuchen. Jiska hat das Glück, dass nicht nur sie und ihre Familie sehr musikalisch sind; auch ihr Freundeskreis ist künstlerisch fast schon unverschämt gut aufgestellt.
Gut, wer solche Freunde hat
Stuttgart ist dennoch Heimat, Muse und Tummelplatz für sie. „Diese Stadt ist mein Wohlfühlort“, betont sie. „Ich wohne jetzt im Leonhardsviertel über einer Bar, gehe auf dem Nachhauseweg noch oft in der Kiste vorbei und höre mir Jazz an.“ Texte schreibe sie gern in Cafés wie dem Galao. „Gerade beim Texten brauche ich ein lebendiges Umfeld, das Gefühl, Teil von etwas zu sein.“
Sie will ja nicht nach Sevilla
Derzeit arbeitet sie noch als Logopädin und unterrichtet in einer Musikschule. Wenn es nach ihr geht, dann darf ihre Musik aber sehr gern mehr und mehr Platz in ihrem Leben einnehmen. „Auf meiner ersten Tour mit Betterov vor einigen Wochen merkte ich für mich: Das brauche ich noch viel, viel mehr in meinem Leben!“, strahlt sie.
Selbst wenn das bedeutet, am Vorabend des ziemlich großen Campusfestivals in Konstanz für einen Gig angefragt zu werden und schon am Tag später dort tatsächlich auf der Bühne zu stehen. „Ich sagte direkt zu“, sagt sie und schüttelt grinsend den Kopf. „Erst danach fiel mir ein, dass mein Gitarrist ja in Disneyland und mein Drummer auf einer Hochzeit ist!“ Sie zogen es durch, kamen vollkommen elektrisiert von der Bühne. „In diesem Moment merkte ich, dass das mit der Musikerkarriere vielleicht doch nicht so unmöglich ist.“
Konzert. Jiska stellt am Samstag, 2. Juli, um 20 Uhr, im Merlin in Stuttgart ihre Debüt-EP „Wild Blue Yonder“ (Vanzandtmusic) vor.