Der Stuttgarter Schlossplatz – eine Einladung, die die Menschen gerne annehmen. Foto: Jan Sellner

Ob der Schlossplatz der schönste Platz Europas ist, sei dahingestellt. Er ist auf jeden Fall sehr schön. So schön, dass es fast nichts zu meckern gibt. Und das will hier was heißen!

Stuttgart ist schön! Darf man das so aussprechen, ohne dass ortsansässige Bruddler mit den Augen rollen, abwinken und auf die Baustellen und Verkehrsbehinderungen, die vielen anderen Unzulänglichkeiten und den Bierpreis auf dem bevorstehenden Frühlingspreis verweisen?

 

Schwierig bis unmöglich, aber wir versuchen es mal und fangen mit dem Schlossplatz an, wo die beiden großen, 1863 aufgestellten Springbrunnen mit ihren aus- und zugleich einladenden Wasserschalen sprudeln und dem Platz ein Gesicht geben, wie man es von einer südlichen Piazza kennt. Nur dass hier noch ein sattes, unwiderstehliches Grün dazukommt.

Dieser Platz, unsere Schlosspiazza pulsiert. In diesen Tagen präsentiert er sich wie ein großes Wimmelbild. Überall Menschen die die Frühlingssonne genießen, sich auf den Bänken niederlassen und auf dem Rasen zwischen den Blumenfeldern, aus denen die Frühlingsfarben hervorquellen. Rund um die Brunnenbecken und die hochaufragende Jubiläumssäule mit der Concordia, die für Eintracht steht, spielen Kinder, junge Pärchen neigen auf engstem Raum die Köpfe zueinander, und die Alten blinzeln in die Landschaft im noch zarten Schatten der Kastanien ringsum, die ihre Blätter ausklappen; man kann ihnen dabei fast zusehen.

Ein fast Vergessener: Friedrich Wilhelm Hackländer

Früher war nicht alles besser. Nicht hier auf dem Schlossplatz. Früher war’s hier staubig. In den Zeiten, als der einstige herzoglicher Lustgarten Exerzier- und Paradeplatz des Neuen Schlosses war. Dass der Schlossplatz in seiner Anlage heute so aussieht wie er aussieht, nämlich prächtig, verdankt Stuttgart ganz wesentlich jemandem fast Vergessenen, dem Schriftsteller und Königlichen Bau- und Gartendirektor Friedrich Wilhelm Hackländer. Leider fehlt, wie an so vielen Stellen Stuttgarts eine leicht zugängliche Beschreibung der Geschichte dieser Stadt, doch halt, wir wollten ja nicht bruddeln . . .

Palmen am Königsbau mit Blick auf den Königsplatz Foto: Andreas Rosar

„Umarmt“ wird dieser größte Platz der Innenstadt „von den schönsten und bedeutendsten Gebäuden Stuttgarts: dem Alten und dem Neuen Schloss, dem Königsbau und dem Kunstmuseum“, schreiben die Touristiker. Gestreift wird er von der Königstraße, die sich an Sonnentagen in einen Menschenstrom verwandelt, aus dem die noch winterkahlen Platanen herausragen und sich kleine Menscheninseln bilden – vor den Straßencafés oder dem Schachspieler beim Kunstmuseum. Jetzt am Wochenende wird es in diesem Stadtbild noch mehr wimmeln. Beim Karlsmarkt-Flohmarkt und vor dem Königsbau. Rund um den Musikpavillon lädt die City-Initiative dort zum Streetart-Festival ein. Das bedeutet: viel Musik, Tanz, Leben.

Vom Schlossplatz ist es ein Katzensprung zur Schlosskirche am Schillerplatz. Auch sie erlebt gerade eine Art Frühling. Und das im stolzen Alter von 464 Jahren! Der erste evangelische Kirchenbau Stuttgarts wurde zwei Jahre lang herausgeputzt und frisch gestrichen. Jetzt kommt noch die Musik dazu, eine neue Orgel, benannt nach einer Stuttgarter Wohltäterin, Königin Katharina. Das Instrument verspricht seinerseits eine Wohltat zu werden – für Stuttgarts Orgelfreunde und den Orgelnachwuchs. Mehr als 1300 Orgelpfeifen bringen bald eine neue Klangfarbe in die Stadt.

Stuttgart im Frühling, das ist Stuttgart in schön. Die Jahreszeit macht vieles freundlicher. „Im Tale grünet Hoffnungsglück“, dichtete Goethe. Das darf man auch für den Talkessel in Anspruch nehmen. Am Schlossplatz und an anderen Stellen zeigt sich: Stuttgart blüht auf! Es tut gut, das zu sehen.