Corinne Belz und Andreas Biendarra sind in Leinfelden-Echterdingen auf der Suche nach geeigneten Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge.Foto:Natalie Kanter Foto:  

Die Große Kreisstadt Leinfelden-Echterdingen hat ihre Kampagne „LE mietet“ nun auch offiziell gestartet.

Leinfelden-Echterdingen - Das für die Unterbringung von anerkannten Flüchtlingen dringend nötige Gebäude am Musberger Örlesweg kann nicht wie geplant im Januar fertig werden. Das gab Oberbürgermeister Roland Klenk bei einer Pressekonferenz bekannt. Er rechnet mit einer Verzögerung von bis zu einem halben Jahr. „Es liegen viele Einwände vor“, sagte er. Das Regierungspräsidium wird sich damit beschäftigen müssen. „Wir müssen auch damit rechnen, dass die Entscheidung des RP vor das Verwaltungsgericht getragen wird“, erklärte der Rathauschef. Und: „Wir können nicht einfach drauflos bauen.“

Umso wichtiger ist es für die Große Kreisstadt, dass ihre Kampagne „LE mietet“ auf fruchtbaren Boden fällt – also möglichst viele Hausbesitzer ihre leer stehenden Wohnungen an die Stadt und damit an Flüchtlinge vermieten. Die Idee: Die Kommune fungiert als eine Art Zwischenmieter und schafft so Wohnraum für Zuwanderer. Ein Vorteil: Die Stadt muss weniger neue Gebäude für die Anschlussunterbringung bauen. Das spart viel Geld und schont Nerven. „Wir müssen nicht mehr an Orten bauen, an denen wir sonst nie gebaut hätten“, sagte Klenk. Denn das schaffe Unfrieden in der Stadt.

Es gibt aber noch weitere Vorteile: Die Flüchtlinge wohnen „mitten unter einheimischen Bürgern – und nicht in einem Getto“, wie sich der OB ausdrückte. Das seien gute Voraussetzungen für eine Integration. Die Stadt nimmt den Vermietern zudem einiges ab: Sie knüpft den Kontakt zu den Mietern. Sie bietet Hilfe bei der sprachlichen Verständigung an. Und sie trägt die Risiken. „Der Gebäudebesitzer kann sicher sein, dass er die Mieten und Nebenkosten bekommt“, sagt Klenk. Auch für eventuelle Schäden springt die Kommune ein. Der Vertrag ist auf zwei Jahre befristet.

Sozialarbeiter und ehrenamtliche Kräfte werden den Mietern helfen, sich in der ersten Zeit zurechtzufinden. Sie erklären ihnen beispielsweise, wie die Mülltrennung funktioniert, wo sie ihren Strom anmelden und helfen bei Konflikten.

Der OB hofft, dass unter diesen Bedingungen viele, die bisher nicht vermieten wollten, ihren Wohnraum zur Verfügung stellen. Und sagt: „Wir nehmen diese Aufgabe ernst.“ Ein Flugblatt wird an alle Haushalte verteilt. Der OB, Baubürgermeisterin Eva Noller und Sozialbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell werden den Bürgern auf Wochenmärkten Rede und Antwort stehen. Es wird Informationen in sozialen Netzwerken geben.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben derweil bereits losgelegt. Corinne Belz vom Amt für soziale Dienste und Andreas Biendarra aus dem Baudezernat gehen im Namen der Flüchtlinge seit Mitte April gezielt auf Wohnungssuche. Und können bereits erste Erfolge verbuchen: Zwei Familien und damit 13 Menschen haben sie in zwei Mietwohnungen im Stadtteil Echterdingen untergebracht. Mitte dieser Woche wurde ein Vertrag für eine Ein-Zimmer-Wohnung unterschrieben.

Das Duo hat neun Objekte besichtigt und musste auch schon Angebote ablehnen – wegen der Mietpreisvorstellungen und weil bestimmte Voraussetzungen nicht vorlagen. „Wir haben eine Aufsichtspflicht gegenüber den Flüchtlingen“, sagt Andreas Biendarra. So müssen Brandmelder und eine Heizung vorhanden sein. Die Elektronik darf nicht veraltet sein. Die Wohnung muss in L.-E. liegen, darf aber gerne einfach sein und sich in einem Altbau befinden. Denn an diesem Standard orientiert sich auch die Höhe der Miete, die gezahlt wird.

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