Die britische Frauenband Spice Girls plant ihre Comeback-Tour für den Frühsommer. Victoria Beckham wird allerdings nicht mit von der Partie sein. Foto: dpa

Die britische Band Spice Girls will sich für Frauen engagieren und tappt gründlich ins Fettnäpfchen. Die britische Zeitung „The Guardian“ hat heraus gefunden, dass ihre Fan-Shirts von Näherinnen aus Bangladesh unter menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen hergestellt wurden.

London/Stuttgart - Während Victoria Beckham in einem Interview mit der Zeitung „The Guardian“ noch darüber sinnierte, inwiefern es ihr nahe gehe, nicht beim Comeback der Spice Girls im Frühsommer dabei zu sein, ereilte die Band ein handfester Skandal. Vermutlich wird es der erfolgreichen Modedesignerin nun noch leichter fallen, kein Teil der ehemaligen Girlie-Band aus London zu sein, schließlich geht es auch noch um Bekleidung, Victorias Spezialgebiet. Die Spice Girls verkaufen Fan-T-Shirts mit der Aufschrift „#IWannaBeASpiceGirl“ (Ich will ein Spice Girl sein). Auf der Rückseite steht „gender justice“ (Geschlechtergerechtigkeit“). Laut dem „Guardian“ wurden die Shirts in Bangladesh von Frauen hergestellt, die umgerechnet 35 Pence (0,40 Euro) die Stunde verdienen.

Das ist traurigerweise nicht ungewöhnlich, dass Kleidung, die in der westlichen Welt für einen hohen Preis verkauft wird, unter oft menschenunwürdigen Bedingungen in armen Ländern hergestellt wird. Im Fall der Spice Girls kommt jedoch erschwerend hinzu, dass mit dem Erlös der Shirts ausgerechnet Gelder für eine Geschlechtergerechtigkeits-Kampagne der britischen Wohltätigkeitsorganisation „Comic Relief“ gesammelt werden. Die T-Shirts kosten laut „The Guardian“ 19,40 Pfund (etwa 22 Euro). Davon sollen 11,60 Pfunde (etwa 13 Euro) an Comic Relief gehen, um „Gleichheit für Frauen“ zu fördern.

Die Näherinnen sollen angeblich beschimpft worden sein

Die Näherinnen haben offenbar nicht viel davon: Sie sollen laut „The Guardian“ gezwungen worden sein, 16 Stunden am Tag zu arbeiten und von Managern beschimpft worden sein, wenn sie die Ziele nicht erreicht haben. Eine Sprecherin der Band sagte laut dem „Guardian“, man sei „zutiefst geschockt“, auch Comic Relief zeigte sich angeblich „geschockt und besorgt“. Beide sagen, sie hätten die Firma „Represent“ – den Händler, der von den Spice Girls beauftragt wurde – vorab auf ethische Korrektheit überprüft. Der Anbieter habe aber ohne Wissen der Auftraggeber den Hersteller gewechselt. „Represent“ sagt, man trage die volle Verantwortung.

Das wäre für Victoria Beckham sehr peinlich gewesen

Das wird Victoria Beckham nicht gefallen, schließlich ist sie in ihrer Eigenschaft als Modedesignerin täglich mit dieser Thematik befasst. Noch unangenehmer wäre es für sie allerdings gewesen, wenn sie selbst Teil der wiedervereinigten Spice Girls wäre – das hätte ein sehr schlechtes Licht auf sie als Profi-Designerin geworfen.

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