Die Rolling Stones beehren das Stuttgarter Stadion am 30. Juni Foto: AP

Die größte und älteste Rockband der Welt gibt sich die Ehre: Zwölf Jahre nach ihrem letzten Gastspiel 2006 kehren die Rolling Stones wieder nach Stuttgart zurück.

Stuttgart - Der Kracher „Jumpin’ Jack Flash“ ist gleich zum Auftakt gekommen, zum Abschluss dann „Honky Tonk Woman“, „Brown Sugar“ und „Street Fighting Man“: Etwas ältere Leser unserer Zeitung werden sich gewiss noch an jenen 20. September 1970 erinnern, als die Rolling Stones erstmals in Stuttgart gastierten. In der Killesberghalle ging der Auftritt mit dreistündiger Verspätung der Band über die Bühne. Da in Stuttgart gerade Katholikentag war, hatte in der Halle morgens auch noch eine Messe stattgefunden – und viele Stones-Fans grämten sich angesichts des stattlichen Eintrittspreises von zwanzig Mark, der gefordert wurde.

Die Messe auf dem Killesberg gibt es längst nicht mehr, eine dreistündige Verspätung würden die Stones heute weder ihren Besuchern noch ihrem eigenen Nachtruhebedürfnis zumuten, in Hallen – viel zu klein für die anrückenden Massen – hat die Band seit Urzeiten nicht mehr gespielt, und für zwanzig Mark gibt es auf Stones-Konzerten heute noch eine Bratwurst plus Getränk zu erstehen. Aber die vier Songs „Jumpin’ Jack Flash“, „Honky Tonk Woman“, „Brown Sugar“ und „Street Fighting Man“ erklangen immer noch, als die unumstritten weltgrößte Band im vergangenen September in Hamburg ihre aktuelle Europatournee eröffnete.

Erst 56 Jahren erst vier Konzerte in Stuttgart

Nun werden die unverwüstlichen Hits vermutlich auch im Stuttgarter Fußballstadion gespielt werden, in dem das britische Quartett am 30. Juni auftreten wird, wie am Montag verkündet wurde. Es wird in der 56 Jahre langen Bandgeschichte erst das fünfte Konzert in Stuttgart sein. Auf den Abend am Killesberg folgten 1976 der erste Auftritt im Stadion, nach langer Absenz 1999 ein Gastspiel auf dem Wasen – und 2006, im Jahr des Sommermärchens bei der Fußball-Weltmeisterschaft, noch ein Konzert, abermals im Stadion.

Seinerzeit reiste die Rockband mit schwerstem Gepäck an, mit der angeblich größten Bühne der Welt – und auch bei den Eintrittspreisen sprengten die Stones alles, was man sich unter Gigantomanie vorstellen mag. Ein preiswertes Vergnügen wird auch das jetzige Gastspiel nicht werden; im September in Hamburg begannen die Ticketpreise für die billigsten Plätze bei deutlich über hundert Euro. Genauere Informationen für Stuttgart gibt es noch nicht, der Presale beginnt erst am Mittwoch, der reguläre Vorverkauf dann am Freitag. Aber nennenswerte Probleme, die Mercedes-Benz-Arena zu füllen, dürfte es nicht geben. Beim Hamburger Europatourauftakt waren alle 82 000 Tickets nach einer Stunde vergriffen.

„Es ist so ein Vergnügen, mit dieser Band zu spielen, niemand kann uns stoppen, und wir fangen ja gerade erst an“, wird der Gitarrist Keith Richards in der Bekanntgabe der elf Europakonzerte zitiert – der neben Stuttgart einzige weitere Deutschlandtermin ist im Berliner Olympiastadion angesetzt. Die Auftritte im kommenden Sommer setzen die „No Filter Tour“ fort, die im Oktober in Paris ihr vorläufiges Ende fand.

Live sind die Stones in Deutschland nicht häufig zu erleben, aber selbst wenn Richards’ „Niemand kann uns stoppen“ kokett klingen mag: Von Altersmüdigkeit ist beim 76-jährigen Schlagzeuger Charlie Watts, beim 74-jährigen Richards und dem gleich alten Mick Jagger sowie dem siebzigjährigen Nesthäkchen Ron Wood nichts zu spüren. Viel Patina ist da allerdings schon im Spiel (ihr letztes Album mit Eigenkompositionen erschien 2005), viel Wiedersehensfreude bei den Fans aber auch – und selbstverständlich Respekt vor einer enormen Lebensleistung! Dass sich die eingangs erwähnten Stücke auch nach fünfzig Jahren noch im Repertoire der Band befinden, spricht für die Zeitlosigkeit der Songs, die bei Weitem nicht die einzigen aus dem Topf der Stones-Klassiker sind. Rund um den Globus werden ihre Hits tagtäglich im Radio oder sonst wo gespielt.

Gute Gründe gibt es viele

Nostalgie als Triebfeder für ein in Erinnerungen schwelgendes Publikum ist das eine, der Sack voller Welthits das andere. Und nicht unterschätzen sollte man, zumal im schnelllebigen Showbiz, die Beständigkeit. Die Band existiert in fast konstanter Besetzung seit 1975, der Personalschwund beschränkt sich auf den früh verstorbenen Mitgründer Brian Jones und die freiwillig ausgeschiedenen Bandmitglieder Mick Taylor und Bill Wyman. Die Männer um Mick Jagger legen großen Wert auf ihre Wurzeln im Blues, dokumentiert 2016 auf dem Hommage-Album „Blue & Lonesome“ voll toller Coverversionen. Und schließlich dürfen die Stones auch vom Nimbus zehren, überhaupt überlebt und überdauert zu haben – das kommt nicht nur angesichts des zerstörerischen Lebenswandels des inzwischen geläuterten Keith Richards einem halben Wunder gleich, sondern auch angesichts der Zankereien, die er mit Mick Jagger hatte.

Des Gelds wegen, so viel ist sicher, gehen die Herren jedenfalls nicht mehr auf Tournee – und umgekehrt erwartet auch kein einziger Konzertbesucher noch neues Songmaterial von ihnen. „It’s only Rock ’n’ Roll but I like it“ – so haben es die Rolling Stones vor 44 Jahren auf den Nenner gebracht. Und diese Liedzeile besitzt für beide ewige Gültigkeit: für die Musiker und für ihre treuen Fans.

Der exklusive Presale für Stuttgart und Berlin beginnt am Mittwoch, 10 Uhr, beim Ticketportal Eventim, der reguläre Vorverkauf am Freitag, ebenfalls um 10 Uhr.

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