Die „Rocky Horror Show“ in der Stuttgarter Liederhalle Hommage an den Horrorkult

Von Sabine Fischer 

Netzstrümpfe, Strapse und viel Glamour: die „Rocky Horror Show“ in der Liederhalle Foto: Veranstalter
Netzstrümpfe, Strapse und viel Glamour: die „Rocky Horror Show“ in der Liederhalle Foto: Veranstalter

Die „Rocky Horror Show“ verbreitet in der Liederhalle gute Stimmung.

Stuttgart - Welch ein Unglück: Gerade noch saßen Brad (Felix Mosse) und Janet (Sophie Isaacs) im kuscheligen Chevrolet, im nächsten Moment schon stehen sie vor einem Typen in Strapsen und Stilettos – und dabei wollten die beiden nach ihrer Autopanne eigentlich nur kurz telefonieren. Doch statt dem gestrandeten Pärchen aus der Patsche zu helfen, entführt der Hausherr Frank N’Furter (Gary Tushaw) sie lieber in sein freizügiges Glam-Gruselkabinett.

Ursprünglich war Richard O’Briens Sci-Fi-Musical „Rocky Horror Show“ als Parodie auf eine Reihe kultiger B-Movies der siebziger Jahre gedacht. Haarsträubende Spezialeffekte, schemenhafte Plots und kreischende No-Name-Darsteller machten die Stücke damals jedoch schnell zu Liebhaberphänomenen – und O’Briens Persi­flage zur Hommage an das Genre.

In der Hand von King Kong

Auch Sam Buntrocks Show in der Stuttgarter Liederhalle hält an dieser Liebe zum Überdrehten fest. So setzt sich schon das Bühnenbild aus den Bruchstücken alter Filmsets zusammen und ergibt ein Panoptikum des Genrekinos: Als Scream-Queen Fay Wray verkleidet sitzt Frank N’Furter in der überdimensionalen Hand eines unsichtbaren King Kongs, die Leinwandspinne Tarantula flackert bedrohlich über die Szenerie. Dazwischen liefert Buntrock vor allem jene Bilder, die längst selbst Kult geworden sind. Schräge Glamrock-Ästhetik, stilisierte Burlesque-Elemente und der Mitmachwahnsinn, mit dem das Publikum jede Bewegung auf der Bühne quittiert, prägen die dynamische Inszenierung.

Gekonnt lässt Buntrock sich dabei auf den Kultstatus des Stücks ein, ohne den Eindruck des schon tausend Mal Gesehenen zu hinterlassen. Dazu trägt auch Martin Semmelrogge als Erzähler bei. Angesichts seines Gefrotzels kann man sich nämlich nie sicher sein, ob all das noch zum Spiel gehört oder ob er wirklich im Begriff ist, sein Skript auf den Boden zu pfeffern und wutentbrannt alles hinzuschmeißen. Doch genau das passt zur Stimmung des Stücks. Denn neben all ihrer Skurrilität ist die „Rocky Horror Show“ vor allem ein Aufruf an alle Unangepassten: Sei, wer du sein willst – „Don’t dream it. Be it.“

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