Auf den Straßen kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Auto- und Fahrradfahrern (Symbolbild). Foto: dpa

„Die Radfahrer spinnen“, heißt es auf dem Cover der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Auto Bild“ – eine Unterstellung, die der Berliner Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. so nicht stehen lassen will.

Stuttgart - „Die Fahrradfahrer spinnen“, titelt die Zeitschrift „Auto Bild“ in ihrer aktuellen Ausgabe. „Sie treten, spucken, pöbeln. Sie rasen ohne Helm und Licht. Sie klauen uns die Straßen. Sind Radfahrer wichtiger als wir Autofahrer?“, heißt es weiter. Der Berliner Landesverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs e.V. (ADFC) hat in einem Facebook-Post auf den Artikel reagiert – und vertritt eine klare Meinung.

„Auto Bild“-Redakteur Hauke Schrieber beschreibt in dem Artikel sein Zusammentreffen mit einem Fahrradfahrer: An einer roten Ampel habe sich der Radfahrer an der Dachreling seines Autos festgekrallt und gegen die Türe getreten. Er habe ihn durch das Fenster angeschrien, sodass Speichel gegen die Scheibe spritzte. Und warum das Ganze? Wegen einer kritischen Situation, die noch mal gut ausgegangen sei, heißt es.

Im Artikel werden Radfahrer als Wutbürger bezeichnet, die keine Klingel haben. Es ist die Rede von kriegsähnlichen Zuständen und davon, dass Fahrradfahrer den Autofahrern die Straße klauen. Schrieber zieht Unfallzahlen heran, die belegen sollen, welche Gefahr von Fahrradfahrern ausgeht: 2016 sei es zu 81.274 Fahrrad-Unfällen gekommen, in drei von vier Fällen sie ein Auto der „Unfallgegner“ gewesen.

Radfahrer seien Teilzeitbefolger des Gesetzes

Publizist Harald Martenstein würden Fahrradfahrer an Wespenplagen erinnern, heißt es in Schriebers Artikel. „Mich nervt deren moralisches Überlegenheitsgefühl“, soll er gesagt und das Unrechtsbewusstsein der Fahrradfahrer beklagt haben. Auch Verkehrssoziologe Alfred Fuhr kommt zu Wort. Ihm zufolge seien Radfahrer Teilzeitbefolger des Gesetzes. Das Überfahren von roten Ampeln oder Radeln ohne Licht gelte unter Fahrradfahrern offenbar als Kavaliersdelikt, schreibt „Auto Bild“-Redakteur Hauke Schrieber.

„Warum also hämmern einem Fahrradfahrer bei voller Fahrt aufs Autodach, während man sie überholt?“, fragt Schrieber in seinem Text weiter. Nikolas Linck, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Berlin, hat darauf eine klare Antwort: „Wenn Radfahrer Ihnen beim Überholvorgang aufs Autodach klopfen können, halten Sie den vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von anderthalb Metern nicht ein, gefährden deren Leib und Leben und verstoßen gegen geltendes Recht“. In seinem Post auf der Facebook-Seite des ADFC Berlin richtet er sich direkt an „Auto Bild“-Chefredakteur Tom Drechsler und Redakteur Hauke Schrieber.

Auto Bild soll sich an die Fakten halten

Auch auf die Unterstellung, Radfahrer seien nur Teilzeitbefolger des Gesetzes, geht Linck in seinem Facebook-Post ein: Bedauerlicherweise sei es zwar richtig, dass Rotlichtverstöße bei vielen Fahrradfahrern als Kavaliersdelikt gelten. Ein Blick in die Polizeistatistik zeige allerdings, dass alle Verkehrsteilnehmer lediglich Teilzeitbefolger des Gesetzes sind. „Mit dem feinen Unterschied, dass die mehr als 3.000 Verkehrstoten jedes Jahr in Deutschland nahezu alle auf das Konto von Autofahrern gehen“, so Linck.

Linck thematisiert Verkehrsdelikte seitens der Autofahrer und kritisiert indirekt, dass diese im Artikel nicht angesprochen werden. Er hätte nichts dagegen, dass die „Auto Bild“ in den verkehrspolitischen Diskurs einsteigen will. Dabei sollte sie sich allerdings an die Fakten halten. „Falls Sie dazu nicht fähig sind, sollte Ihre Zeitschrift lieber bleiben, was sie ist, nämlich ein Werbekatalog für Autos“, so Linck in Richtung Drechsler und Schrieber.

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