Der Kreuzungsbereich Pforzheimer Straße und Mönsheimer Straße muss umgebaut werden. Foto: Simon Granville

Das viel diskutierte Stadthaus sucht einen Investor, die Pforzheimer Straße muss umgewidmet werden. Aus planerischer Sicht ist die Aufwertung der Heimsheimer Ortsmitte schwierig.

Vor Andor Varszegi liegt ein Plan der Innenstadt von Heimsheim auf dem Tisch. Auf diesem sind viele bunte Kreise zu sehen: grüne für die Stellen, an denen etwas vorwärts geht bei der Stadtkernentwicklung, gelbe für Orte, an denen sich etwas tut, aber langsam, und rote, wo es „richtige Hürden“ gibt. Die Zahl der roten Kringel überwiegt. Der Leiter des Stadtbauamtes will verdeutlichen, warum ein so vielschichtiges Projekt mit etlichen Beteiligten nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann. „In manchen Bereichen kommt man vorwärts, in anderen, wo bereits planerische Vorstellungen drin sind, stockt es“, so Varszegi.

 

Ein Beispiel für solch einen roten Kringel ist das viel diskutierte Stadthaus auf dem sogenannten Lunapark. Die Fläche gehört der Kommune und es gibt detaillierte Pläne, was dort entstehen soll, ein schickes mehrstöckiges Gebäude für Wohnen und Gewerbe samt Tiefgarage. Doch ein interessierter Bauträger und Investor ging insolvent, andere Interessenten sind anschließend ebenfalls abgesprungen. „Aktuell sind wir weiter mit möglichen Bauträgern im Gespräch, aber das ist derzeit extrem schwierig“, meint der Bauamtsleiter. Bis auf weiteres bleibt daher der Lunapark wohl ein Parkplatz.

Die Unterstadt hat Vorrang

Schon seit Langem tragen sich die Heimsheimer mit dem Gedanken, mehr aus ihrer Innenstadt zu machen. Im Jahr 2019 wurde ein Ideenwettbewerb für die Entwicklung des Stadtkerns rund um Rathaus und Schleglerkasten sowie entlang der Pforzheimer und der Mönsheimer Straße und am Marktplatz gestartet. Vier Planungsbüros reichten Entwürfe ein. Die Überlegungen der Fachleute ergaben, dass sich das größte Entwicklungspotenzial und der vordringlichste Handlungsbedarf in der Unterstadt im südlichen Teil des Plangebietes befinden. In der Folge grenzten Verwaltung und Gemeinderat mithilfe des beauftragten Stuttgarter Architekturbüros ARP den Bereich ab, in dem die Stadt zunächst tätig werden will.

„Mit den Entwürfen geht man auf die Anlieger in dem Sanierungsgebiet zu und fragt deren Interesse an einer Beteiligung ab“, schildert der Stadtbaumeister das Prozedere. Dabei stoßen immer wieder verschiedene Ansichten aufeinander. „Für die einen geht es schon zu weit, für andere ist es zu wenig.“ So ein Verfahren dauere länger, als wenn die Stadt viele Grundstücke im Vorfeld kaufen würde und danach im Besitz aller wichtigen Flächen ihre Pläne verwirkliche.

Einige Immobilien konnte die Stadt – teilweise ganz unerwartet – erwerben wie die Gebäude Schlosshof 10, Kirchstraße 4 und Marktplatz 4. Das Haus am Schlosshof soll nächstes Jahr abgebrochen werden, die weitere Nutzung der Fläche ist offen. Am wenig attraktiven Marktplatz ist ebenfalls einiges in Bewegung. Das Gebäude Marktplatz 6 ist bereits abgebrochen, die Häuser Mönsheimer Straße 8 und 10 könnten nächstes Jahr Platz machen für Neubauten.

Das ist auch das Umfeld, wo sich zwei Landesstraßen kreuzen. Dieser Kreuzungsbereich muss laut Andor Varszegi umgebaut werden. Doch zuerst muss die Pforzheimer Straße zur Gemeindestraße umgewidmet werden. Dies soll im Zusammenhang mit der Nordtangente in Richtung Autobahn geschehen, die offiziell noch eine Gemeindestraße ist. „Wir wussten nicht, dass das ein gordischer Knoten ist“, sagt Andor Varszegi. Nicht alle Verträge der Nordtangente waren vollständig vollzogen. „Das waren so die ersten Schockmomente.“ Die Straßen müssen erst rechnerisch bewertet werden, bevor offiziell getauscht werden kann – ein langwieriges Verfahren. Deswegen gebe es erste Überlegungen, anstelle eines Abbruchs und Neugestaltung das aus den 1970er-Jahren stammende Bäckereigebäude Marktplatz 4 zu sanieren.

Ein Millionen schwerer Brocken kommt noch ins Rollen

Aber auch immer wieder neue Vorschriften verzögerten manche Planungen. Die Abstimmung mit dem Landratsamt habe ergeben, dass die Stadt auf einer Straßenseite noch eine Radspur planen müsse. Die Suche für die richtige Stelle einer barrierefreien Bushaltestelle in der Mönsheimer Staße erweist sich als schwierig. Und dann landet noch ein ganz dicker, Millionen schwerer Brocken auf dem Tisch der Kommune: der Schleglerkasten und dessen aufwendige Sanierung, für die jetzt eine europaweite Ausschreibung vorbereitet wird. Vor allem das anspruchsvolle Brandschutzkonzept schlägt zu Buche, das besonders kompliziert ist, weil das Graevenitz‘sche Schloss ebenfalls davon betroffen ist. Und hier hat die Stadtverwaltung ihren Sitz. „Wir sanieren dann im laufenden Betrieb, dort wo unsere Büros sind“, so der Stadtbaumeister.

Je länger so ein Projekt dauert, desto komplizierter wird es, lautet seine Bilanz aus fünf Jahren Stadtkernentwicklung. Deswegen bedauert er auch, dass ein Mini-Projekt kürzlich im Gemeinderat gescheitert ist, nämlich einen Garten am Mühlrain mit einem letzten Rest der alten Stadtmauer öffentlich zugänglich zu machen. Kleine Entwürfe unterschätzt man, meint er. Dabei sei alles Stadtkernentwicklung, was Interesse weckt und die Innenstadt belebt.

Einen Zeitdruck gebe es bei allen Projekten nicht. Es gehe jetzt darum, Schwerpunkte zu setzen.