Die Karriere hat einen hohen Preis: Folkert Dücker als Gorge Mastromas und Caroline Sessler als Louisa, seine Geliebte. Foto: Daniela Aldinger

Erst fälscht er Bilanzen, dann seine Biografie: Das Stuttgarter Studiotheater brilliert mit Dennis Kellys „Opferung von Gorge Mastromas“.

Stuttgart - Zerlumpt, zerzaust, vereinsamt wacht Gorge Mastromas über sein Finanzimperium. Ein selbstzerstörerischer Zyniker, der kurz erwacht, als er sich mit seinem ihm bisher unbekannten Enkel konfrontiert sieht. War Gorge nicht eben noch der Prototyp des Global Players, sein Erfolg nicht der Überzeugung zu verdanken, dass man sich nimmt, was man braucht? Ist Gorge Opfer des neoliberalen Systems oder Täter?

Es ist eine gnadenlose Abrechnung, in deren Verlauf der britische Dramatiker Dennis Kelly, geboren 1970, die Möglichkeiten menschlichen Werdens vorführt. Die Entscheidung, gütig oder feige zu sein, zu lügen oder bei der Wahrheit zu bleiben, trifft jeden zu jeder Zeit seines Lebens. Und so eröffnet in der Inszenierung von Hildegard Starlinger im Stuttgarter Studiotheater die Figur des Gorge (Folkert Dücker) sein Spiel in den Zuschauerreihen. Auf der Bühne, von Alois Ellmauer stylisch weiß als Bar mit mobilen Kuben möbliert, stellte bis zu diesem Moment ein Schauspielerquartett in bester Erzählkunst Details aus Gorges Sozialisierung vor. Mittelmaß, alles Mittelmaß bis zu dem Augenblick, als der erwachsene Gorge sich für Lüge und Feigheit statt Wahrheit und Güte entscheidet.

Im Unternehmerhimmel

Das Spiel ist rasant, die Kuben werden gerückt, neue Spielräume improvisiert. Mit Gorge als wichtigstem Protagonisten führt das Team in wechselnden Rollen den Aufstieg dieses immer korrupter agierenden Mannes in den Unternehmerhimmel der „World’s Billionaires“ vor, er spricht von Allianzen durch Bankkapital und unternehmerischer Gier. Gorges Achillesferse aber ist die Liebe. Für sein aufgeblasenes Ego fälscht er finanzielle Bilanzen, für Louisa seine Biografie.

Und immer wieder wird das Publikum gefragt: „Sind Sie schon angewidert, sind Sie schon abgestoßen?“ Große Schauspielkunst im kleinen Studiotheater, viel Beifall.

Aufführungen am 23. Februar, am 1. und 2. März sowie vom 6 bis 9. März.

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