Superpaar: Wanda (Elizabeth Olsen) und Vision (Paul Bettany) Foto: Disney+

Was ist bloß mit den Avengers Wanda und Vision passiert? Die beiden Superhelden aus dem Marvel-Kosmos landen bei Disney+ in der Serie „WandaVision“ in einer TV-Komödie aus den 1950er Jahren. Das ist originell und amüsant wie selten.

Stuttgart - Dass ausgerechnet Wanda Maximoff alias Scarlet Witch und ihr androider Partner Vision die Protagonisten der ersten Marvel-Serie bei Disney+ sind, mag überraschen. Nicht nur, weil die beiden in den Kinoabenteuern der Avengers nicht unbedingt die spannendsten oder zumindest auffälligsten Superhelden waren. Sondern auch; weil Vision – Millionen von Fans können es bestätigen – bereits 2018 in „Avengers: Infinity War“ sein Leben lassen musste. Nun aber ist Vision (Paul Bettany) zurück und befindet sich zusammen mit Wanda (Elizabeth Olsen) kurzerhand in den 1950er Jahren: ein frisch und glücklich verheiratetes junges Ehepaar, das frisch in eine neue Kleinstadt-Nachbarschaft gezogen ist und im neuen Eigenheim den perfekten Alltag zwischen Bürojob (er) und Küche (sie) zelebrieren kann. Und natürlich trotzdem weiterhin Superkräfte besitzt, daran hat sich nichts geändert.

 

Hommage an das Sitcom-Genre

In der ersten von neun Folgen der ersten Staffel ist „WandaVision“ das haargenaue Abbild einer Fifties-Sitcom à la „I Love Lucy“, in Schwarz-Weiß gedreht und mit Lachern aus dem Off zu altmodisch-handzahmen Witzen. In der zweiten Folge standen dann eher „Bezaubernde Jeannie“ oder „Verliebt in eine Hexe“ aus den Sechzigern Pate, die dritte – nun auch in Farbe! – erinnert an Familien-Comedys aus den Siebzigern wie „The Brady Bunch“ oder „All in the Family“.

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Womit also haben wir es hier zu tun? Natürlich ist die von Schöpferin und Showrunnerin Jac Schaeffer und Regisseur Matt Shakman verantwortete Serie nicht bloß eine Hommage an das Sitcom-Genre, auch wenn die Perfektion, mit der formal und visuell die Vorlagen nachempfunden werden (bis hin zu eigens komponierten Vorspannsongs), bemerkenswert ist. Sogar gängige Drehbuch-Versatzstücke – der Chef kommt unerwartet zum Essen! Ein Babybauch muss kaschiert werden! – haben hier ihren Platz.

Es wird immer unheimlicher

Und nicht zuletzt Olsen als Wanda, aber auch Beatty oder die stets wundervolle Kathryn Hahn als neugierige Nachbarin sind geradezu aus der Zeit gefallen überzeugend. Doch nicht nur zwischengeschaltete Werbespots der Firma Stark Enterprises signalisieren frühzeitig, dass diese Serie natürlich trotz allem fester Bestandteil des Marvel Cinematic Universe ist. Aufmerksamen Fans dürfte es auch nicht entgehen, dass in der zweiten Episode Teyonah Parris in Erscheinung tritt und die Schauspielerin bereits als Superheldin Monica Rambeau für den nächsten „Captain Marvel“-Film verpflichtet wurde.

Überhaupt: von Folge zu Folge werden in „WandaVision“ die Risse in der makellosen Sitcom-Oberfläche immer offensichtlicher – und unheimlicher. Dass im Rest der Staffel, der vorab für die Presse nicht zu sehen war, noch sehr viel deutlicher wird, in welcher Realität sich das Titel gebende Superduo hier befindet und wie die Ereignisse mit den zurückliegenden und bevorstehenden Kinofilmen zusammenhängen, scheint also ausgemachte Sache. Bis dahin lässt sich vorerst konstatieren: so originell, experimentierfreudig und vor allem amüsant ist lange keine Produktion aus dem sonst doch eher risikoarm vorgehenden Hause Marvel gewesen.

Die ersten Episoden sind von Freitag, 15. Januar, an bei Disney+ verfügbar.