Zum Lebensstil des 2019 verstorbenen Karl Lagerfeld gehörten diverse Musen, unter anderem das französische Model Baptiste Giabiconi. Der 30-Jährige gibt in seinem Buch „Karl et moi“ („Karl und ich“) Einblicke in das Leben des rätselhaften Modezars. Eine weitere Behauptung sorgt für Erschütterung.
Paris - Karl Lagerfeld umgab sich Zeit seines Lebens mit diversen Musen. Sängerinnen wie Vanessa Paradis oder Florence Welch gehörten ebenso dazu wie Models und Stilikonen wie Inès de la Fressange, Claudia Schiffer oder Cara Delevingne. Die Musen haben Lagerfeld dabei geholfen, den Zeitgeist seiner Intentionen zu repräsentieren. Auch ein Mann hat an der Seite von Karl Lagerfeld einige Berühmtheit erlangt: das französische Model Baptiste Giabiconi (30). Als er 18 Jahre alt war, hat er angefangen für den Modedesigner als Model zu arbeiten.
Die Musen als Familienersatz
Giabiconi hat seine Erinnerungen an das Leben mit einem der rätselhaftesten Prominenten nun in einem Buch veröffentlicht. „Karl et moi“ („Karl und ich“) heißt es und gibt Einblicke in das Leben und die Persönlichkeit Lagerfelds. Der aus der Umgebung von Marseille stammende Giabiconi sagte der belgischen Zeitung „Le Soir“, Lagerfeld sei damals sein Beschützer geworden, habe ihn unter seine Fittiche genommen und seine Karriere in der glitzernden Modewelt angeschoben. Anlässlich des ersten Todestags im Februar hatte er sich in einem Interview mit dem Sender RTL zu seiner Rolle als Muse geäußert: „Ich glaube, dass sich Lagerfeld mit seinen Musen eine Art Familie schaffen wollte. Eine Familie sucht man sich normalerweise nicht aus. Aber er hatte dieses Talent und dieses Glück, sich die Personen auszusuchen, mit denen er sich umgeben wollte.“
Lagerfeld wollte seine weiche Seite verbergen
In „Karl et moi“ zeichnet Giabiconi ein neues Bild des Designers, der in Talkshows kein Blatt vor dem Mund nahm, mitunter arrogant wirkte und Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik scharf kritisierte. Denn laut seines ehemaligen Weggefährten war der Meister der Pariser Haute-Couture im Grunde ein Netter. „Aber er wollte das immer verbergen, weil er dachte, dass dies eine Schwäche sei“, sagte Giabiconi der Zeitung „Le Soir“. „Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Das war seine größte Stärke, er war die Güte und Großzügigkeit selbst.“
Yves Saint Laurent war sein größter Rivale
Nach außen wirkte der in Hamburg als Sohn des Glücksklee-Fabrikanten Otto Lagerfeld und dessen Frau Elisabeth Bahlmann etwas blasiert und abgehoben, wenngleich mit schlagfertigem Wortwitz gesegnet und in Talkshows stets zu Scherzen aufgelegt. Sein Alter schummelte er stets jünger und ihm wurde eine lebenslange Rivalität mit dem anderen bedeutenden Designer des vergangenen Jahrhunderts, Yves Saint Laurent, nachgesagt. Dieser soll eine Affäre mit Lagerfelds großer Liebe Jacques de Bascher gehabt haben, der 1989 an Aids starb. Niemals hätte sich der Modezar dazu geäußert. So viel aus dem Designer mit dem weiß gepuderten Zopf, den schmalen Dior-Anzügen (die er sich nach seiner Radikal-Diät wieder leisten konnte), der dunklen Sonnenbrille und dem Fächer, mit dem er sich aufdringliche Menschen vom Leib fächerte, auch heraussprudelte, tiefschürfend Persönliches erfuhr man von ihm nicht.
Gefangener seiner eigenen Person
Baptiste Giabiconi zufolge war der Franzose Jacques de Bascher die einzige große Liebe in Lagerfelds Leben. „Das hat er mir anvertraut, wir haben darüber gesprochen. Es war furchtbar für ihn, Jacques de Bascher zu verlieren. Und die Jahre nach seinem Tod, das heißt ab September 1989, waren für Karl kompliziert und schwierig. Er wollte damals viel allein sein bei sich zu Hause, sich nicht unbedingt in den Medien zeigen“, sagte er in dem RTL-Interview im Februar. „Karl war letztlich ein Gefangener seiner eigenen Person. Dank mir kam eine gewisse Frische in sein Leben, eine gewisse Freiheit. Er sagte sich: ‚Ich kann auch wie alle anderen sein. Ich bin zwar nicht wie alle anderen, aber mit Baptiste, kann ich es ein bisschen sein’.
Erschütternde Behauptung eines Journalisten
Womöglich liegt das Rätsel um Lagerfelds Persönlichkeit auch in einer erschütternden Behauptung begründet, die der ehemalige Autor der US-Zeitschrift „Vogue“ André Leon Talley (70) kürzlich laut Medien gemacht hat. In seinem Buch „The Chiffon Trenches“ schreibt er, dass der Modezar als Kind von seiner Mutter Elisabeth gefesselt worden sein soll. Das berichtet die britische Zeitung „Daily Mail“, der offenbar Auszüge aus dem im September 2020 erscheinenden Buch vorliegen.
Talley und Lagerfeld hatten sich dem Vernehmen nach 1975 im Rahmen eines Interviews kennengelernt. Daraus soll eine lange Freundschaft entstanden sein, die Talley damit begründet, dass beide in ihrer Kindheit „Misshandlungen“ erlitten hätten. So schreibt Talley laut „Daily Mail“ in seinem Buch, Lagerfeld habe ihm gegenüber einst zugegeben, dass seine Mutter Elisabeth extreme Maßnahmen ergriffen habe, um seine Ernährung zu kontrollieren: Sie habe ihn als Kind nachts mit Lederriemen an sein Bett festgebunden, um zu verhindern, dass er Nahrung zu sich nehme. Außerdem habe sie laut Talley ihren damals achtjährigen Sohn einmal mit den Worten beleidigt: „Du siehst aus wie ich, aber nicht so gut.“