In der Liststraße fühlt man sich wohl. Das war vor 80 Jahren schon so, wie die Bilder von „Stuttgart 1942“ zeigen. Und doch waren die Spuren des Kriegs schon damals zu sehen.
Die Liststraße ist eine der repräsentativen Straßen von Stuttgart-Süd – breit, mit ausladenden Bürgerhäusern des 20. Jahrhunderts und schönen Ladenflächen im Erdgeschoss. Bebaut wurde sie um die Jahrhundertwende – das sieht man noch heute beim Flanieren oder Verweilen.
Man sah es auch 1942, als der Luftkrieg noch gar keine Lücken in die Bebauung gerissen hatte. Ein gutes Dutzend der damals systematisch erstellten 12 000 Straßenansichten zeigt die Liststraße – in der Bildergalerie unternehmen wir einen virtuellen Spaziergang.
Die „List Drogerie“ gab es schon damals
Für Menschen, die heute hier leben oder vorbeikommen, ist die 80 Jahre und länger zurückreichende Geschichte einzelner Läden und Lokale interessant. Ortskundige erkennen beispielsweise die „List Drogerie“, erkennbar an dem Firmenschild. Diese Firma gibt es bis heute. Die gegenüber liegende Gaststätte „Das Lehen“ wurde leider nicht fotografiert.
Weiter oben, an der Ecke zur Immenhofer Straße, befindet sich heute ein auf Espresso spezialisiertes Café. Man kann es nicht ganz genau erkennen, aber die im Spätsommer vor 80 Jahren ausgefahrenen Markisen zeigen, dass an dieser Stelle schon damals ein Geschäft Besucher zum Hereintreten einlud – sofern jemand vorbeikam und Geld hatte. Zum gemütlichen Bummel blieb in einer vollständig auf den Krieg ausgerichteten Volkswirtschaft nämlich keine Zeit.
Eine kaputte Straße
Die Liststraße ist eine Verbindungsstraße. Sie schließt an die bürgerliche Alexanderstraße an, führt weiter zum Marienplatz und von dort bis Heslach. Hier, hinter der Trasse der Zahnradbahn, wird sie zur reinen Wohnstraße. Sie zeigt sich in diesem Bereich auf den Bildern aus 1942 auch in keinem guten Zustand: der Asphalt nur grob über das einstige Kopfsteinpflaster gewalzt, der Gehweg mit Rissen – längst lebte das Deutsche Reich und eben auch Stuttgart im Jahr 1942 von der Substanz.
Heute drängen andere Probleme. „Größtes Manko an der dicht besiedelten […] Straße sind die vielen Autos. Oft wird in zweiter Reihe geparkt, sodass die Straße heute auf manchen Spaziergänger wie ein großer Parkplatz wirkt“, heißt es in einem Bericht unserer Zeitung von 2013.