Ein Trainerhaudegen für den HSV: Dieter Hecking will aufsteigen Foto: Getty

Die Vorbereitung des VfB Stuttgart in die neue Zweitligasaison ist bereits in vollem Gange – doch was macht eigentlich die Aufstiegs-Konkurrenz? Wir blicken in einer Serie auf die möglichen Haupt-Kontrahenten des VfB in der neuen Saison. Und widmen uns im zweiten Teil dem Hamburger SV.

Stuttgart/Hamburg - Wenn die neue Saison ansteht, ist die alte oft noch nicht abgehakt. Das ist beim ehemaligen Bundesliga-Dino Hamburger SV nicht anders – weshalb der einzig wahre Hamburger Torjägerdino Uwe Seeler nach der ersten Zweitligasaison des Clubs nun Folgendes berichtete: „Bei vielen Spielen bekam ich Schüttelfrost.“ Das ging den HSV-Fans nicht anders, und so richtig durchgeschüttelt wurden alle Sympathisanten der Rothosen obendrein noch vom alljährlich wiederkehrenden Personalchaos.

So soll nun also der Trainerhaudegen Dieter Hecking (54) anstelle des jungen Hannes Wolf den Wiederaufstieg schaffen – was er unter, nun ja, erschwerten Bedingungen tat. Sein neues HSV-Shirt lag ein bisschen eng an bei Hecking beim Trainingsauftakt, woraufhin sich der gelernte Polizist gleich mal selbst maßregelte: „Ich muss noch auf dem Laufband in Form kommen.“

Auftakt mit Applaus

Heckings Spieler müssen das in den nächsten Wochen auf dem Platz tun – und, immerhin, sie gehen das Unternehmen offenbar mit einer so nicht erwarteten Unterstützung des leidgeplagten Anhangs an. Als der Ex-Coach von Borussia Mönchengladbach und seine Jungs zum ersten Mal die Treppen vom Volksparkstadion zum Trainingsplatz hinuntergingen, da gab es doch tatsächlich Applaus – was Hecking überraschte. Er habe diese Bilder in der Vergangenheit „häufig gesehen, wie die Spieler hier heruntergekommen sind – meistens wie geprügelte Knechte. Heute mit einem Lächeln und freundlichem Beifall.“ Auch Dieter Hecking grinste und klatschte freudig.

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Der ansonsten eher knurrige Coach mit der Attitüde eines erfahrenen Sheriffs wünscht sich nun gewohnt staubtrocken, dass seine Mannschaft „ehrliche Arbeit“ abliefert. Und überhaupt, das berühmte das „A-Wort“, so Hecking weiter, stehe ab sofort auf dem Index: „Ich habe der Mannschaft gesagt, sie hört von mir einmal das Wort Aufstieg – und dann bis Mai nicht mehr. Wir wollen ambitioniert sein und gerne am Ende des Tages etwas zu feiern haben, aber es nützt jetzt nichts, wenn wir jeden Tag mit dem Wort Aufstieg konfrontiert werden. Das hilft uns nicht weiter.“

Boldt predigt Kontinuität

Mit dem berühmten Hecking’schen Pragmatismus soll es für den HSV also wieder nach oben gehen – entscheidend beteiligt an der Mission Aufstieg soll auch der neue Sportdirektor sein. Jonas Boldt (ehemals Bayer Leverkusen) war in den vergangenen Monaten vielleicht so etwas wie der begehrteste Jung-Manager im deutschen Profifußball, der HSV bekam etwas überraschend den Zuschlag. Boldt folgt auf den freigestellten Ralf Becker – und, immerhin, er startet seine Mission mit einer gehörigen Portion Realismus. Er will Ruhe und Kontinuität in den Club mitbringen – es ist ein Satz, bei dem wohl alle Club-Mitarbeiter und Fans entweder nur noch müde gähnen oder lauthals loslachen: Gibt‘s jedes halbe Jahr von irgendeiner neuen Nase, hör mir bloß auf damit, bist eh bald wieder weg!

Boldt aber punktete gleich mal, in dem er genau dieses Problem thematisierte. Er wisse um die Schwierigkeiten beim HSV, ebenjene Kontinuität reinzubringen, sagte der neue Manager. Er sei bei Journalisten und Clubmitarbeitern auch auf genervte Gesichter gestoßen bei seiner Präsentation: „Das ist menschlich, wenn man sieht, was passiert ist und wieder jemand kommt, der über Kontinuität redet.“

Ein Schweinsteiger für den HSV

Bescheidenheit und Demut, damit wollen Hecking und Boldt den längst zur Lachnummer des deutschen Fußballs mutierten HSV wieder salonfähig machen. Und mithelfen soll dabei – neben den Neuzugängen Sonny Kittel, Adrian Fein, Daniel Heuer Fernandes, David Kinsombi, Jeremy Dudziak, Jan Gyamerah und Lukas Hinterseer – auch ein echter Schweinsteiger. Nein, nicht der Basti – es ist der Tobi, älterer Bruder des Weltmeisters, der fortan neben Dirk Bremser der zweite Assistent von Dieter Hecking ist.

Der 37 Jahre alte Bruder von Weltmeister Bastian Schweinsteiger arbeitete zuletzt beim Zweitligisten FC Juniors OÖ, dem Ausbildungsclub des österreichischen Vizemeisters Linzer ASK. Seinen Trainer-Einstand gab Tobias Schweinsteiger einst beim FC Bayern, wo er 2017 als Assistenzcoach mit der U 17 deutscher Meister wurde. Cheftrainer war damals übrigens ein gewisser Tim Walter, der jetzige Neu-Coach des VfB Stuttgart. Bald sehen sich die beiden als Konkurrenten an der Seitenlinie wieder. Bei der Mission, einen taumelnden Traditionsclub wieder in die Spur zu bringen.

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