„Schau her, Prinzessin!“: Frank Oehler erklärt launig, wie man auch ohne die Profis Leckeres aus dem Topf zaubert Foto: Chris Lederer

Die Kochprofis von RTL II Frank Oehler, Andreas Schweiger und Ole Plogstedt haben im Stadthotel Weinsberg an der Grazer Straße mitgeholfen, das Restaurant-Geschäft wieder in Schwung zu bringen.

Feuerbach - Es riecht lecker. Kaum öffnet man die Eingangstür zum Hotel Weinsberg an der Grazer Straße, steigt einem der Duft von gebratenem Speck und glasierten Zwiebeln in die Nase. Hier wird gekocht, kein Zweifel. Gekocht und gefilmt. Der Hotelinhaber und Gastronom Michael Leuthold geht an der Kamerafrau und einem Tonmann vorbei, kommt heran und wünscht freundlich lächelnd einen guten Tag. Er lächelt – immerhin. „Gut geht’s mir“, versichert er auf Nachfrage. „Wenig geschlafen, aber spannend alles, sehr spannend und aufregend.“ Es ist der dritte und letzte Drehtag zur TV-Sendung „Die Kochprofis – Einsatz am Herd“. Leutholds Mitarbeiterin Silke Riis habe die Profiköche von RTL II zu Hilfe gerufen, nach Absprache mit ihm. „Wir haben hier ein Hotel und Restaurant – unser Hotel läuft einwandfrei. Nur unser Restaurant ist zu wenig bekannt, da legen wir momentan drauf“, sagt Leuthold. Nun sollen die Kochprofis Frank Oehler, Ole Plogstedt und Andreas Schweiger erklären, woran es liegt.

„Wir haben hier keine Zeit für Kuschelkurs“

Los ging es am ersten Tag mit einem Testessen. Da war Luft nach oben. „Wir sind mit breiter Brust angetreten und haben schwächer gekocht als ich dachte.“ Entsprechend deutlich sei die Kritik ausgefallen. Das sei aber in Ordnung und wichtig. „Wir haben hier keine Zeit für einen Kuschelkurs“, sagt Leuthold. „Man muss Kritik annehmen, sonst tritt man auf der Stelle.“ Gar nicht mehr antreten wollte jedoch sein angestellter Koch. Am dritten Drehtag habe der die Segel gestrichen und damit ihn und die Kochprofis verwundert: „Das hat mich völlig überrascht“, sagt der Sternekoch Andreas Schweiger, während er mit der Spritztülle Maultaschenmasse auf den Nudelteig drückt. „Wir haben ihn motiviert und mit ihm gestern noch ganz gut zusammen gekocht, von einem Blackout mal abgesehen“, sagt Schweiger. „Aber lieber er geht heute als nächste Woche, wenn wir nicht mehr da sind. So können wir uns darauf einstellen und uns auf die Küchencrew konzentrieren“, sagt Schweiger. „Wir denken als Selbstständige, nicht als Angestellte. Und dass bei den Dreharbeiten Kritik geübt wird, mitunter auch deutlich, gehört bei uns dazu.“ Wenn alles in Ordnung wäre, wären sie schließlich nicht hier. „Wir waren aber auch schon deutlich härter als im Weinsberg“, sagt er. „Mein Ziel ist es, den Leuten hier zu helfen, und nicht, sie vor einer Million TV-Zuschauern zum Deppen zu machen.“ Die drei Köche arbeiten, als ginge es um ihren eigenen Laden. Jeder Meter Raum in der kleinen Küche ist belegt. Däumchendrehen ist nicht. Nebenher wird gefilmt. Die Dialoge bei den Kochprofis sind nicht vorgeschrieben, gesprochen wird frei von der Leber weg. Entsprechend ist Tacheles angesagt. Da kommt es schon mal zu Reibereien, auch untereinander. Darf so sein, muss so sein. „Die Ehrlichkeit gehört zu unserem Konzept“, sagt Sternekoch Frank Oehler, der Chef der Speisemeisterei in Hohenheim. „Sonst wären wir auf Dauer auch nicht glaubwürdig.“

„Hier darfst Du kein Schwätzer sein“

Dass bei den Kochprofis mal eine Szene wiederholt werden muss, kommt ab und zu vor, allerdings nicht wegen des unverblümten Sprachgebrauchs, sondern eher, um noch einen Ratschlag für die Zuschauer unterzubringen. Tipp für Stuttgarter Gastronomen gefällig? „Wer in Stuttgart als Koch bestehen will, der muss überdurchschnittlich gut kochen, dann hat er hier gute und treue Gäste“, erklärt Oehler und fügt augenzwinkernd an: „Hier darfst du kein Schwätzer sein, das geht vielleicht in München, aber nicht in Stuttgart.“ Spricht’s und widmet sich wieder voll und ganz seinen mit einem Schuss Weißbier angesetzten Kässpätzle, die er mit Gruyère, Emmentaler und Romadur verfeinert hat.

Kochprofi Ole Plogstedt schafft derweil fleißig an den asiatischen Maultaschen mit Kichererbsenfüllung, Linsen-Joghurtsauce und Granatapfelkernen. Über das Fernbleiben des Weinsberg-Koches will er nicht viele Worte verlieren. „Die Leute sollen lieber herkommen und sehen, dass man hier auch so sehr gut essen kann.“ Hierfür haben sich die drei Köche ein Konzept überlegt, das nun die verbliebenen Küchenfeen verinnerlichen müssen: Maultaschen in sechs Variationen. „Wir wollen den Klassiker mit kreativer Küche verbinden“, sagt er. „Außerdem ist uns aufgefallen, dass einem das Restaurant nicht auffällt.“ Es müsse darum noch die Werbung verbessert werden und der Außenauftritt einen neuen Schliff bekommen.

Seit 2005 läuft die Kochsendung auf RTL II. Von Anfang an mit dabei ist Aufnahmeleiter Gorden West: Mehr als 280 Sendungen sind es mittlerweile geworden. „Es geht uns nicht darum, den Laden an einem Abend voll zu kriegen, das schaffen wir überall, außer vielleicht in Berlin“, sagt er. „Wir wollen den Gastronomen nachhaltig helfen, sind aber nicht die Hüter des Heiligen Grals.“ In manchen Fällen sei Hopfen und Malz verloren, da könnten auch die Kochprofis wenig ausrichten. Für Feuerbach bestehe Hoffnung. Das Abschlussessen im Weinsberg ist ausgebucht, die Mitarbeiter sind hoch motiviert. Inhaber Leuthold ist sich bewusst dass es ab morgen ohne die Kochprofis weitergehen muss. Er setzt auf das neue Konzept und den Schwung, den die Profis in die Küche gebracht haben. Er weiß aber auch, dass vieles von ihm und seiner Crew abhängt, um Gäste zu gewinnen. Der 40-Jährige ist guter Dinge und baut auf seine verbliebenen, langjährigen Mitarbeiter: „Jetzt müssen wir uns selbst aus der Suppe ziehen!“

(Wann die Kochprofis-Folge bei RTL II gesendet wird, steht noch nicht fest)

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